Benzinpreis Mehr Geld, weniger Leistung


Für die geplante Erhöhung der Ethanol-Quote im Benzin wird der Autofahrer zur Kasse gebeten: Weil Alkohol weniger Energie pro Liter enthält, steigt der Verbrauch. Die Steuer steigen auch: macht sechs Cent mehr pro Liter.
Von Christoph M. Schwarzer

Für jeden gefahrenen Kilometer werden demnächst ein paar Kupferstücke mehr fällig. Der Grund ist die geplante Erhöhung der Pflichtbeimischung von Bio-Ethanol. Statt aktuell fünf Prozent soll sie auf zehn Prozent steigen. Mit Folgen für die Spritkosten: "Rein rechnerisch gehen wir von sechs Cent mehr aus", sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband. Eine Rechnung, die erklärt sein will.

Weniger Energie im Tank

Der erste Grund für die teilweise versteckte Benzinpreiserhöhung liegt im Energiegehalt des Ethanols. Pur und ohne Mischung liegt der um etwa ein Drittel niedriger als der von Benzin. Weil der Sprit an der Zapfsäule aber nicht in Joule, der physikalischen Einheit für Energie, sondern in Litern abgegeben wird, steigt der Preis.

Besonders viel Erfahrung mit Ethanol als Treibstoff hat man beim schwedischen Hersteller Saab. Etliche Fahrzeuge vom Typ 9-3 und 9-5 können als so genannte Flex Fuel Vehicles bestellt werden. Sie passen sich jeder Beimischungsquote bis 85 Prozent ("E85") automatisch an. Der Verbrauch im Prospekt muss mit Benzin gemessen werden. Ein kleines Sternchen gibt dann den Hinweis: Im E85-Betrieb können es bis zu 30 Prozent mehr sein.

Mehr Power durch Turbo

Wohl gemerkt: Mehr Energie verbrauchen die skandinavischen Allesfresser im Ethanolbetrieb nicht. "Es wäre schön, wenn der Verbrauch in Joule und nicht in Litern angegeben würde", erklärt ein Saab-Sprecher und weist auf einen speziellen Vorteil hin, den die Turbomotoren nutzen: E85 hat mit 104 Oktan eine deutlich erhöhte Klopffestigkeit. Den können die Schweden-Renner durch den Ladedruck des Turbos nicht nur in erheblich höhere Motorleistung umsetzen. Beim Saab 9-3 mit 1.8-Litermaschine etwa steigt die Power von 150 PS auf 175 PS im E85-Betrieb. Besonders bei Dreiviertel-Last sinkt auch der Mehrverbrauch, also zum Beispiel bei der zügigen Autobahnfahrt.

Nur ein paar Prozent

Die meisten in Deutschland zugelassenen Benziner sind aber weder Flex Fuel Vehicles noch mit Turbolader versehen. Sie werden einen Zusatzverbrauch hinnehmen müssen. Wie hoch der genau ist? Da will sich niemand so genau festlegen. Fest steht, das kein Benziner ungeschoren davon kommt: Wie stern.de berichtete, werden die einen die zehnprozentige Beimischung ("E10") gar nicht vertragen und müssen auf die Bestandsschutzsorte Super Plus umsteigen, die weiterhin mit fünf Prozent Beimischung angeboten wird. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht von 375.000 Fahrzeugen, der ADAC von "millionenfach" Betroffenen. Die anderen, die E10 vertragen, kriegen weniger Energie pro getanktem Liter. Rein rechnerisch liegt der Verlust nur im einstelligen Prozentbereich. Kleinvieh, das Mist macht.

Wie der Staat mitverdient

Das denkt sich wohl auch der Staat, der den zweiten Grund für die vom Mineralölwirtschaftsverband genannten sechs Cent liefert. Anders als zum Beispiel in Schweden, wo neben der Benzinsäule die E85-Säule in direkter Konkurrenz steht, setzt man in Deutschland auf den Plan an sich, und der heißt kurzfristig zehn Prozent Pflichtbeimischung und langfristig noch mehr. Der Vorteil für den Fiskus: Während E85 steuerbefreit ist, wird bei der Beimischung der ganz normale Steuersatz erhoben.

Der Mineralölwirtschaftsverband gibt für den Januar einen Benzineinkaufspreis von knapp 41 Cent an. Beim Ethanol sind es zwischen 50 und 55 Cent. Da der Mehrwertsteuersatz konstant bleibt, bleibt ein Plus beim Finanzminister hängen. Und so erklärt sich der zweite Teil der Mehrkosten.

Zweifelhafter Biosprit

Der Staat begründet die Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoffen mit den knapper werdenden fossilen Ressourcen, der Abhängigkeit von Ölimporten und der scheinbaren Klimaneutralität des Ackersprits. stern.de wird darüber berichten. Für den Autofahrer wäre ein bisschen mehr Wahlfreiheit und Markt sicher spannender: Hier das pure Benzin und dort die Ethanol-Zapfsäule.


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