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Bugatti-Versteigerung: Untersee-Oldtimer unterm Hammer

Das Auktionshaus Bonhams versteigert einen seltenen Oldtimer, der mehr als 70 Jahre auf dem Grund des Lago Maggiore schlummerte. Aus Angst vor dem Zoll wurde der Luxuswagen einst im See versenkt.

So teuer kann Schrott sein: 70.000 bis 90.000 Euro lautet der Schätzpreis für ein Bugatti-Wrack, das am 23. Januar vom Auktionshaus Bonhams in Paris versteigert wird. Neben echten Pretiosen wie einem Alfa Romeo 6C von 1930 oder einem 62er Ferrari 400 Superamerica wird der Bugatti Brescia Typ 22 Roadster aus dem Jahr 1925 ein ziemlich klägliches Bild abgeben. Schließlich lag er seit über 70 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore. Erst im Juli 2009 wurde der Wagen geborgen, mehr als 2000 Zuschauer bestaunten das Schauspiel am Rand des Sees.

Doch wie kam der Bugatti überhaupt da hinein? Der Grund für den unfreiwillligen Tauchgang ist eigentlich ganz einfach und lautet: Zollbeamte verstehen keinen Spaß. Wir schreiben das Jahr 1936, und für den Bugatti hat bald sein letztes Stündlein geschlagen. Denn der edle Roadster hat ein Problem - es hat nie jemand Einfuhrzoll für ihn bezahlt. Schon seit Jahren fährt der Architekt Marco Schmuklerski aus Zürich den Bugatti durch Ascona und am malerischen Seeufer des Lago Maggiore entlang.

In den See aus Angst vor dem Zoll

Dass er sein Auto ummelden, mit ordentlichen Schweizer Kennzeichen versehen und Einfuhrzoll hätte bezahlen müssen, ist ihm offenbar herzlich egal. Als Schmuklerski 1936 Ascona verlässt, bleibt der Wagen in einem Lagerhaus zurück. Der neue Besitzer des Roadsters hat jedoch Angst vor der unerbittlichen Zollbehörde, denn mittlerweile wäre die fällige Summe wohl höher als der Wert des 11 Jahre alten Wagens. Also muss das Beweisstück verschwinden und wird kurzerhand in den Lago Maggiore geschoben.

Ob es wirklich so passiert ist, wird man vielleicht nie erfahren. Es ist jedenfalls die derzeit bekannte Historie des berühmten Bugattis, die Experten des Auktionshauses Bonhams in mühevoller Detektivarbeit recherchiert haben. Um den Bugatti wieder zu finden, hatte man vor mehr als 70 Jahren eine Kette an ihm befestigt, die jedoch im Lauf der Zeit verrostete. So sank der Wagen in ein nasses Grab 53 Meter unter dem Wasserspiegel.

Das Schicksal des Untersee-Bugattis würde Stoff für eine satirische Komödie liefern. Doch es war ein Drama, das schließlich zur Hebung des berühmten Wracks führte. Bonhams und der Tauch- und Bergungsverein "Centro Sport Subacquei Salvataggio Ascona" veröffentlichen die Geschichte auf ihren Webseiten. Insider wussten schon lange, wo der versunkene Bugatti zu finden war - bereits 1967 hatte der Taucher Ugo Pillon das sagenumwobene Fahrzeug entdeckt. Im Februar 2008 wurde der 22-jährige Student Damanio Tamagni, ein Mitglied des Tauchclubs, grundlos von drei Jugendlichen provoziert und brutal zusammengeschlagen. Tamagni starb an seinen Verletzungen. Der Fall hat die Schweizer Öffentlichkeit tief bewegt. Die Angehörigen des Studenten gründeten eine Stiftung gegen Jugendgewalt. Um die Stiftung zu unterstützen, organisierte der Tauchclub schließlich die Bergung des berühmten Wracks. Der Erlös aus der Versteigerung des Bugattis soll der Stiftung zugute kommen.

Viel ist nicht von dem Auto übrig geblieben

Der Schätzpreis liegt bei 70.000 bis 90.000 Euro. Der neue Besitzer bekommt zwar einen Wagen mit einer äußerst interessanten Historie, doch ziemlich maroder Substanz - nach sieben Jahrzehnten im Wasser ist von dem stolzen Roadster natürlich nicht viel übrig geblieben. Die meisten Teile sind verrottet und verrostet, fast die ganze rechte Seite des Wagens fehlt. Nur ein paar Elemente aus Holz, Messing oder Aluminium haben sich gut gehalten. Bonhams schätzt, dass nur noch 20 Prozent des Bugattis im restaurierungsfähigen Zustand sind. Das Chassis könnte immerhin dazu dienen, eine Replika des Autos aufzubauen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Bugatti in seinem gegenwärtigen Zustand belassen und in einem Museum ausgestellt wird.

Trotz des stolzen Schätzpreises wird der Bugatti ein Sonderangebot auf der Auktion sein, die im Rahmen der Ausstellung Rétromobile in Paris stattfindet. Insgesamt kommen 99 Fahrzeuge unter den Hammer. Die Palette reicht von mehreren Hispano-Suizas über Bentleys und Cadillacs bis hin zu seltenen Vorkriegs-Rennwagen. Bei der Rétromobile 2009 betrug der Gesamterlös der Auktion laut Bonhams mehr als 11 Millionen Euro.

Sebastian Viehmann/Press-Inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.