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E10-Debakel: Mineralölwirtschaft ist sich keiner Schuld bewusst

Wer ist Verantwortlich für das E10-Biosprit-Chaos? Die Mineralölwirtschaft gibt jetzt den Autobauern die Schuld und sieht sich selbst nicht in der Lage "kompetente Auskunft zu geben". Auch die Strafzahlung bei Nichterfüllen der Bio-Quote müsse abgeschafft werden.

Die Mineralölwirtschaft hat den Autobauern Schuld am Informationschaos beim sogenannten Biosprit E10 gegeben. "Was die Information angeht, haben wir immer gesagt: Wir können nur den Kontakt zwischen Autofahrer und Hersteller herbeiführen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Klaus Picard, am Montag dem Bayerischen Rundfunk.

Die Tankstellen könnten keine "kompetente Auskunft" über die Verträglichkeit von E10 für bestimmte Autos geben. "Der Autobauer hat das Auto hergestellt, und er kennt es", betonte Picard. Die Mineralölwirtschaft sieht er dabei in einer undankbaren Situation: "Wir müssen die Vorgaben der Politik gegen den Wunsch der breiten Bevölkerung umsetzen." Problematischer als der Informationsmangel sei die fehlende Akzeptanz von E10. Den ökologischen Nutzen des Biosprits nannte Picard "sicherlich gering".

Angesichts der Probleme bei dem neuen Bio-Sprit E10 fordert der Verband eine Abschaffung der Strafzahlung bei Nichterfüllung der Bio-Quote. Niemand dürfe dafür bestraft werden, dass Autos kein E10 vertrügen und deshalb die Bio-Quote einfach nicht erfüllt werden könne, sagte Picard der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). "Die Strafzahlung muss abgeschafft werden."

Der neue Kraftstoff E10, der einen Anteil von zehn Prozent Bioethanol hat, ist seit einigen Wochen an vielen Tankstellen zu haben. Viele Autofahrer tanken statt E10 bislang trotz eines großen Preisunterschieds jedoch lieber Super Plus mit niedrigem Ethanol-Gehalt. Grund ist vor allem die Verunsicherung über die Verträglichkeit - denn rund zehn Prozent der Autos in Deutschland dürfen E10 nicht tanken.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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