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Biosprit E10: Röttgens Tank-Desaster

Die Regierung zeigt in Sachen E10-Fiasko mit dem Finger auf die Auto- und Mineralindustrie, dabei gerät Bundesumweltminister Röttgen durch das Tank-Desaster immer mehr unter Druck. Die Stimmen für ein vorläufiges E10-Aus mehren sich. Und ein Autoexperte warnt vor Motorverschleiß.

Für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist die Situation mehr als unangenehm. Die Einführung des Biosprits E10 droht zum Fiasko zu werden und Röttgen scheint lediglich zu reagieren. In der schwarz-gelben Koalition wächst der Unmut über das Krisenmanagement. So ließ sich der CDU-Vize von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) düpieren, der mit der Einberufung des "Benzin-Gipfels" für Dienstag vorpreschte, obwohl Röttgen für die E10-Einführung zuständig ist. Das "Sensorium für Stimmungen und Sensibilitäten in der Bevölkerung" sei im Umweltministerium ausgesprochen unterentwickelt, kritisierte der FDP-Fraktionsvize Patrick Döring in der "Welt am Sonntag".

Röttgen versuchte indes zu retten, was noch zu retten ist. Er verteidigte in der "Bild am Sonntag" den mit zehn Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprit und betonte: "Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist".  Die Einführung von E10 diene auch dazu, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren.

Zweifel bei Verbrauchern groß

Es ist allerdings fraglich, ob sich die Autofahrer noch für das Super Benzin begeistern lassen, zumal die Klimabilanz von E10 umstritten ist. Leute wie Ifo-Chef Hans-Werner Sinn prangern Biosprit als teuren Irrweg an. Obwohl die Konkurrenz "Tank gegen Teller" von der Regierung bestritten wird, malt die Nahrungsmittelindustrie bereits das Schreckgespenst steigender Lebensmittelpreise wegen E10 an die Wand - weil es für Landwirte oft attraktiver ist, Weizen, Mais oder Zuckerrüben für die Ethanolproduktion zu verkaufen.

Auch deshalb gehört der Bauernverband derzeit zu den besonders eifrigen E10-Verteidigern. Der Verband der Biokraftstoffindustrie (VDB) betont hingegen, dass die Getreidekosten bei einem Brot nur etwas über vier Prozent des Endpreises betragen würden. Jede Seite führt Studien pro und contra Biokraftstoffe an - insgesamt sind die Bürger anders als bei grünen Energieträgern wie Windkraft oder Biogasanlagen hiervon weniger überzeugt, auch weil es um ihr liebstes Gut, das Auto, geht. Sie zweifeln, dass wirklich 93 Prozent der Autos E10 vertragen.

Experte: E10 erhöht bei allen Autos Motorverschleiß

Die Zweifel nährt nun auch noch ein Auto-Experte. Biosprit" E10 erhöhe bei allen Autos Motorverschleiß und und mache unter Umständen häufigere Ölwechsel erforderlich, sagte Thomas Brüner, der Leiter der Mechanikentwicklung bei BMW, der "Welt am Sonntag". "Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert." Je nach Land und der dort verfügbaren Kraftstoffqualität könne es daher sein, dass die Intervalle für einen Ölwechsel verkürzt werden müssten.

Kein Wunder also, dass viele Bürger lieber auf Nummer sicher gehen wollen: Sie tanken nun entgegen jeder Logik das acht Cent teurere Super Plus mit fünf Prozent Ethanol. Zwar lässt sich damit etwas mehr Wegstrecke zurückzulegen, doch dies gleicht die Mehrkosten nicht aus. Die Mineralölindustrie erwischte Röttgen auf dem falschen Fuß, als sie nach der E10-Einführung das alte Super Benzin mit fünf Prozent Ethanol als Schutzsorte für E10-unverträgliche Autos vom Markt nahm und meist nur noch das teurere Super Plus mit 98 Oktan anbietet.

Steigende Spritpreise verschärfen E10-Krise

Wenn Röttgens Sprecherin nun betont, man müsse die Industrie beim Einsatz für mehr Verbraucherakzeptanz stärker an die Hand nehmen, stellt sich die Frage, warum dies nicht früher geschehen ist. Röttgen holte zwar früh den ADAC ins Boot, die Opposition betont aber, das ganze sei insgesamt miserabel vorbereitet gewesen. Die wegen der Libyen-Krise steigenden Spritpreise haben die E10-Krise verschärft.

Bleibt der aktuelle Zustand bestehen, dürfte Super Plus wegen der Knappheit teurer werden. Zudem drohen Strafzahlungen bei zu wenig verkauftem E10 - die dürften auf die Spritpreise umgelegt werden. Röttgen weist diese Drohung der Benzinbranche energisch zurück. Bisher gibt es den Stoff mit zehn Prozent Ethanol an rund 7000 der 15.000 Tankstellen - die weitere Einführung ist erstmal gestoppt, weil Raffinerien auf vollen Tanks sitzen und der Kaufstreik die Produktion durcheinanderwirbelt.

Aus für das Biosprit-Projekt gefordert

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne) forderte unterdessen ein Aus für das Biosprit-Projekt: Es müsse jetzt zunächst geklärt werden, welche Motoren den Sprit wirklich vertragen und worin der ökologische Nutzen bestehe. Der "Rheinpfalz am Sonntag" sagte Hermann, den Autofahrern sei die Verunsicherung nicht länger zuzumuten. Den geplanten Benzin-Gipfel kritisierte Hermann in der "Welt am Sonntag" als einen "Gipfel der Nachsorge, weil die Bundesregierung die vorsorgende Koordination vergessen hat".

Der Autofachmann Ferdinand Dudenhöfer sagte, wenn E10 scheitere, drohe Deutschland auch angesichts des Hinterherhinkens bei der Elektromobilität zum Schlusslicht in Sachen Umweltfreundlichkeit im Verkehr zu werden. Er sprach von einem drohenden "Gau für die Bundesregierung". Denn bereits 2009 sollte E10 in Deutschland angeboten werden. Kurz vor Ende der Vorbereitungen stoppte der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) die Einführung - auch damals gab es vor allem Verträglichkeitsbedenken.

Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) warf der Wirtschaft "gravierende Versäumnisse" vor. Die Einführung von E10 dürfe nicht dazu genutzt werden, Spritpreise in die Höhe zu treiben. Auch der ADAC sieht die Schuld für das E10-Chaos bei der Mineralölwirtschaft. "Der Einführungsprozess von Super E10 verlief von Anfang an unglücklich. Dabei haben sich die Mineralölkonzerne wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Sie hätten es versäumt, die Autofahrer umfassend über die Qualitäten des neuen Kraftstoffs zu informieren. Aber auch die Automobilhersteller hätten ihre Kunden nur halbherzig informiert, ob ihr Fahrzeug E10 vertrage oder nicht.

lea/ins/DPA / DPA

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.