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Geplanter Einsatz von Alcolocks: Technik, die vor Trinkern schützt

Verkehrsminister Ramsauer will betrunkene Fahrer mit einer Alkoholsperre stilllegen. Das ist gut, denn damit wäre die Öffentlichkeit vor den Alkohol-Fahrern geschützt und die müssten bei jedem Start über ihre Trinksitten nachdenken.

Von Gernot Kramper

Es ist selten, aber manchmal kommen aus Berlin gute Ideen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) befürwortet den Einbau von Alcolocks in Autos. Das ist eine Wegfahrsperre, die den Atemalkoholgehalt des Autofahrers misst. Erst wenn ein bestimmter Wert unterschritten wird, gibt das Gerät die Zündung frei. Ramsauer möchte nicht in jedes Fahrzeug einen Alkoholtester einbauen. Das Messgerät soll gezielt eingesetzt werden, um Alkoholsünder zu disziplinieren. Simone Klipp von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat die Wirkung der Alcolocks in den USA erforscht. Sie sagt: "Die US-Studien zeigen, dass man mit den Geräten gefährliche Alkoholfahrten wirksam unterbinden kann."

Teure Nachrüstung

Die Geräte sind etwa so groß wie ein Navigationsgerät und werden von verschiedenen Herstellern zur Nachrüstung angeboten. In Deutschland ist die Nachfrage für die etwa 1000 bis 2000 Euro teuren Schnapskontrolleure bislang gering. Man kann unterstellen, dass Trinker die Geräte freiwillig nicht einbauen, und nüchterne Fahrer keinen Sinn in der Investition sehen. Einen gesetzlichen Zwang gibt es bislang nicht.

Zumindest in Deutschland - anders ist es Schweden. Dort können Arbeitgeber ihren Angestellten ein Alcolock für das dienstliche Fahrzeuges vorschreiben. Busfahrer beispielsweise müssen häufig pusten, bevor sie starten. Volvo baut bereits ab Werk einen Alkoguard in seine Fahrzeuge ein. Der Berliner Vorstoß will nun auch innerhalb der EU eine gesetzliche Grundlage für den Einsatz von Alcolocks schaffen.

Der gesetzliche Rahmen ist noch nicht abgesteckt, aber sinnvoll wären mehrere Anwendungen: Bei leichten Verstößen könnte der Autofahrer wählen, ob ihn für eine kürzere Zeit der Führerschein entzogen wird, oder ob er lieber für eine längere Zeit mit dem Testgerät unterwegs sein will. Bei schweren Verstößen könnte der Führerschein schneller zurückgegeben werden, wenn der Betroffene dafür einen Alcolock einbaut. Damit wäre endlich eine elegante Methode gefunden, wie man mit Alkohol-Fahrern umgehen könnte, die beruflich auf ihren Führerschein angewiesen sind. Wenn die berufliche Existenz auf dem Spiel steht, findet sich häufig ein Richter, der den Führerschein nicht einzieht. Außer einer Geldbuße gibt es dann keine Sanktionen. Mit dem Messegerät wäre die Öffentlichkeit dagegen vor weiteren Trunkenheitsfahrten geschützt.

Keine Lösung aller Probleme

Natürlich gibt es auch Einwände. Aber sind sie auch stichhaltig? Natürlich, ist das Pusten-vor-dem-Starten nicht angenehm. Jeder Beobachter erkennt, dass der Fahrer ein Alkoholproblem hat. Aber gezwungen wird niemand. Das System erlaubt es, Personen ans Steuer zu lassen, auf deren Selbstkontrolle man sich erwiesenermaßen nicht verlassen kann. Sensible Trinker müssen eben auf einen diskreten Moment warten. Echte Alkoholiker wird der Apparat nicht von ihrer Sucht kurieren. Hierzu ist Einsicht und die Bereitschaft zur Veränderung, vermutlich sogar zu einer Therapie nötig. Vermutlich werden sich die Alkoholsperren trotz Sicherungen auch austricksen lassen. Denkbar sind Eingriffe in der Bordelektronik oder speziell konstruierte Puste-Hilfen. Das wäre illegal und Vergleichbares ist auch jetzt möglich: Schon heute kann sich jeder betrunken und ohne Führerschein ans Steuer setzen und den Motor starten.

Mit DPA

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