HOME

Günstig zum eigenen Auto: So kommen Sie zu Ihrem Auto-Schnäppchen

Autofahren muss nicht teuer sein: Anhand von zwei aktuellen Schnäppchen-Angeboten haben wir ausgerechnet, für wie wenig Geld Sie einen nagelneuen Kleinwagen bekommen können.

Von Gernot Kramper

Autofahren gilt als teuer. Das muss es aber nicht sein, schon für wenig Geld kann man einen Neuwagen fahren. Besonders günstig sind Auslaufmodelle. Also Fahrzeuge, bei denen ein Modellwechsel unmittelbar bevorsteht. Im letzten Jahr bekam man den Hyundai i10 für rund 7000 Euro inklusive einer Fünf-Jahres-Garantie nachgeworfen. In diesem Jahr ist der Renault Twingo an der Reihe. In Deutschland haben Modelle von Renault einen schweren Stand, beim Twingo der zweiten Generation kommt hinzu, dass er in Sachen "Charme" nicht mit den Kulleraugen des Vorgängers mithalten konnte, und dass sein Nachfolger ausgesprochen attraktiv aussieht. Dafür sieht der Dekra-Report den Twingo der zweiten Generation auf einen gutem mittleren Platz: Er schneidet etwas besser als die Konkurrenz ab. Das ist nicht überragend, aber gewiss nicht besorgniserregend.

Extrem günstiges Angebot

Jetzt gibt es den Twingo zu einem Hammerpreis: Gelegentlich wird er als Neuwagen im Leasing ohne Anzahlung für 69 Euro angeboten - so etwa in Hamburg. Das wäre schon ein sehr günstiger Preis, hinzu kommt er aber, dass er sich nicht auf das schwach motorisierte und sparsam ausgestattetes Basismodell bezieht. Nein, für 69 Euro im Monat bekommt man einen Twingo mit 75-PS-Motor in der Ausstattungslinie "Dynamique". Sie beinhaltet Leichtmetallräder, eine Klimaanlage, ein Radio und eine Bluetoothfreisprecheinrichtung - damit ist der Kleinwagen gut ausgestattet. Das Angebot läuft über 48 Monate und umfasst eine Laufleistung von nur 40.000 Kilometern. Für einen Cityflitzer reicht das aus, doch wer auf dem Land wohnt, sollte sich ein Angebot mit höherer Laufleistung ausrechnen lassen.

Bei einem solchen Schnäppchen rechnet sich ein Kauf übrigens nicht. Wer vom Leasing wenig hält, sollte sich die Restrate ansehen. Vermutlich wäre es am wirtschaftlichsten, zunächst zu leasen und den Wagen später nach Ablauf des Vertrages zum Restwert zu kaufen.

Im Schlussverkauf befindet sich auch der Opel Corsa D. Am Ende seines Modellzyklus angekommen, kann man ihn als ausgereift bezeichnen. Der Corsa ist kein Kleinstwagen wie Up und Panda, sondern zählt zum sogenannten B-Segment wie Ford Fiesta und VW Polo. Es ist also ein relativ ausgewachsener Wagen für einen Minipreis. Im Vergleich zum Corsa wird bei den kleinsten Autos in der Produktion noch einmal gespart, mit dem Corsa bekommt man also relativ viel Auto fürs Geld. Der Dekra-Report gibt dem Opel durchweg gute Noten: "Der Corsa der vierten Generation präsentiert sich als gutes Fahrzeug in der Kleinwagenklasse. Die niedrigen Mängelquoten verteilen sich gleichmäßig über alle Baugruppen und Laufleistungsbereiche." Besser geht es kaum.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Den Opel Corsa (1.2 16V (ecoFLEX) Selection) kann man im Autohaus24.de für 8324 Euro bekommen. Das ist ein Preisnachlass von 4386 Euro. Das gleiche Modell findet sich bei Mobile.de als Tageszulassung zum ähnlichen Preis - sofort zum Mitnehmen. Nur geringfügig teurer werden die direkten Konkurrenten Skoda Fabia und Seat Ibizia angeboten, beide gibt es für etwa 1200 Euro Aufpreis auch als Kombi.

Große Sprünge macht der Corsa mit seinen 65 PS nicht, aber für den Stadtverkehr reicht es aus. Einziges Problem: In der Basisausführung ist es heiß und still: Weder Radio noch Klimaanlage sind an Bord - das entsprechende Paket kostet faire 990 Euro.

Opel als Langläufer

Doch wieviel kostet der Wagen tatsächlich? Wird der Opel vier Jahre lang mit einer städtischen Laufleistung von 10.000 Kilometern gefahren sollten 40 Prozent auf den Listenpreis realistisch denkbar, wir rechnen mit etwa 45 Prozent des Schnäppchenpreises. Dann beträgt der Wertverlust exakt 100 Euro im Monat. Billiger wird es, wenn man den Wagen zehn Jahre lang fährt. Danach hat der Opel noch Restwert etwa 2500 Euro. Der Wertverlust im Monat liegt bei nur 60 Euro. In der zweiten Lebenshälfte muss man, wenn man Pech hat, mit einigen Instandsetzungen rechnen - dafür sinkt der Versicherungsbetrag. Selbst mir einem Polster für etwaige Überraschungen kommt man mit 69 Euro - wie beim Twingo - aus.

An Kfz-Steuer muss man für den Opel 23 Euro im Jahr zahlen, das sind etwa 2 Euro im Monat. Die Benzinkosten berechnet das Portal Autokostencheck bei einem Realverbrauch von 6,3 Litern für 10.000 km im Jahr auf 80 Euro im Monat. Das Finanzamt verlangt für den Twingo ebenfalls nur 2 Euro im Monat. Autokostencheck rechnet hier mit einem relativ hohen Realverbrauch von 6,7 Litern, wegen der geringen Laufleistung als Cityfahrzeug betragen die Spritkosten 70 Euro im Monat.

Kostenüberblick

Renault: monatlich 69 Euro Leasing, 2 Euro Steuer, 20 Euro Wartung und 70 Euro Benzin. In der Summe: 161 Euro.

Opel: monatlich 69 Euro Wertverlust, 2 Euro Steuer, 20 Euro Wartung und 80 Euro Benzin. In der Summe: 171 Euro.

Bislang ist das kaum mehr als der Preis für eine Monatskarte. Aber es wartet noch ein Kostenblock: die Versicherung. Ein Haftpflichtversicherung ist obligatorisch, eine Vollkaskoversicherung für die ersten vier Jahre zu empfehlen.

Die bisher genannten Kosten sind für jeden Kunden gleich, die Versicherungskosten variieren allerdings. Wir haben an einem Beispiel geprüft: Der Musterkandidat ist 30 Jahre alt, hat schon länger einen Führerschein, aber versichert zum ersten Mal ein Auto, seine Partnerin hat Zugriff auf den Wagen, sie leben in der Stadt. Neben den Basisleistungen beinhaltet die Versicherung eine Neuwertentschädigung und sichert auch Fälle grober Fahrlässigkeit ab. Die Empfehlung von Top-Tarif für den Renault beträgt 772 Euro im Jahr oder 65 Euro im Monat. Für den Opel Corsa sind 731 Euro im Jahr oder 60 Euro im Monat.

Billiger geht es nicht

Die Gesamtkosten betragen damit: 226 Euro für den Renault im Monat beziehungsweise 231 Euro für den Opel .

Zu den Grundkosten für das Auto von nur 69 Euro kommt also noch einmal das Doppelte hinzu. Ist das nun teuer? Solche Fragen beantwortet jeder nach seinem ganz persönlichen Budget. Doch unabhängig von der eigenen Kassenlage kommt es bei der Bewertung der Kosten darauf an, ob man mit dem Auto eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr ersetzt oder nicht. Benötigt man zum Beispiel in Hamburg eine größere Monatskarte für 120 Euro und kann sie durch das Auto einsparen, liegen die Mehrkosten für das eigene Auto bei nur 110 Euro.

Oder anders ausgedrückt: Auch ein sehr günstiges Autos ist immer noch doppelt so teuer wie die Monatskarte.

Wissenscommunity