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Kfz-Zulassungen: "Ich geb Gas, ich will Spaß"

Geiz ist geil, aber nicht beim Auto. Trotz der hohen Spritpreise sind schnelle Wagen gefragt wie nie zuvor. stern.de erfuhr vom Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer, warum die Deutschen bei ihrem liebsten Kind ihre Sparsamkeit vergessen.

Herr Dudenhöffer, schon Wagen der Polo-Klasse erfüllen fast alle praktischen Transportbedürfnisse, dennoch gibt sich kaum jemand damit zufrieden. Warum sind wir alle Autonarren?

Ein Wagen ist Gefühl, Emotion. Für den Transport reicht ein Dacia oder ein Lada aus. Aber bringen Sie damit ihre Kinder zur Schule. Die sind ja sozial geächtet. Das nackte Transportbedürfnis macht nur einen kleinen Teil der Kaufentscheidung aus. Ein Auto kauft man nicht für sich. Zu 80 Prozent kauft man einen Wagen für die Freundin, die Kollegen, die Nachbarn. Mit ihrem Wagen markieren sie, wer sie sind, zu welcher Gruppe sie gehören.

Ist das nicht vollkommen irrational?

Nein, ein Auto ist ein Teil der Persönlichkeit. Das kommt nicht von ungefähr, die Hersteller unternehmen große Anstrengungen, damit ihre Fahrzeuge vom Image zu bestimmten Zielgruppen passen. Da gehört das satte Plopp der Tür dazu, das Ambiente im Innenraum. Selbst nachts soll der Wagen durch Beleuchtung, LEDs etc. eine bestimmte Aura verbreiten.

Dieses künstliche Image wird verstanden?

Natürlich, selbst aus der Entfernung. Ein Wagen nehmen Sie überall mit hin, mit ihm fahren Sie sozial vor. Bei einem Designeranzug wissen die meisten Leute gar nicht, was für ein teures Stück Sie da tragen. Oder man müsste bis zum Etikett rankommen, beim Auto ist das anders. Diesen Code kennt jeder.

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Kompensiert der Drang zu mehr Größe und mehr Kraft beim PKW, den sie festgestellt haben, nicht die technischen Fortschritte in Sachen Spritersparnis?

Richtig, ein Großteil der Spritersparnis wird durch den Hang zu mehr Power aufgezehrt. Auto ist eben Emotion - und bis heute lebt diese Emotion von Kraft, also von PS.

Worin liegt die Gefahr dieser Entwicklung zu mehr Sportlichkeit?

In den USA kann man gerade erleben, wie schnell ein Trend, der lange Jahre hin stabil blieb, plötzlich umschlagen kann. Die großen SUVs sind auf einmal Ladenhüter. In Deutschland muss man aufpassen, dass die Sportlichkeit, auf die die deutschen Hersteller ihre Fahrzeuge fokussieren, ausgewogen bleibt.

Wenn man von Überschwemmungen und Klimaveränderungen hört, sind bestimmte Verbräuche einfach obszön. Sehen Sie die Gefahr, dass extreme Spritfresser nicht mehr akzeptiert werden?

Richtig, Fahrzeuge mit einem Verbrauch wie der Porsche Cayenne Turbo S können diese Balance zum Kippen bringen. Nicht, weil die paar Autos das ganze Benzin verbrauchen, aber weil sie extrem polarisieren. Übertriebene, exzessive Sportlichkeit kann die soziale Akzeptanz, die die Hersteller benötigen, gefährden.

Das Gespräch führte Gernot Kramper

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