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Hauptuntersuchung TÜV Report 2022 – Mercedes vorn, BMW schockiert mit Minus-Platzierung

Einmal jährlich stellt der TÜV seine Auswertung der Hauptuntersuchung vor.
Einmal jährlich stellt der TÜV seine Auswertung der Hauptuntersuchung vor.
© Fotostand / K. Schmitt / Picture Alliance
Der TÜV veröffentlicht die Auswertung der Hauptuntersuchungen: Durch die Bank kommen die Fahrzeuge von Mercedes gut durch. Renault und Dacia fallen mal wieder negativ auf. Aber auch VW Sharan und 5er-BMW enttäuschen.

Die Corona-Zeit bekommt den Autos gut. Nur 17,9 Prozent aller Fahrzeuge sind bei der Hauptuntersuchung (HU) mit "erheblichen" oder "gefährlichen Mängeln" durchgefallen. Das sind etwa zwei Prozent weniger als zuvor – da nur ein Jahr dazwischen liegt, sind zwei Prozent eine erhebliche Abnahme. Dahinter steht ein Langzeittrend, 2014 fielen noch 24,9 Prozent durch. Heute sind es sieben Prozent weniger. Auch der Anteil der Fahrzeuge mit "geringen Mängeln" ging um 0,5 Punkte auf 9,1 Prozent zurück. "Viele Fahrzeughalter hatten während der Lockdowns mehr Zeit, sich um die Wartung ihrer Autos zu kümmern", vermutet der Geschäftsführer des TÜV-Verbands Dr. Joachim Bühler.

Ein wichtiger Punkt dürfte aber auch sein, dass längere Garantiezeiten und andere Formen der Nutzung wie das Autoabo dazu führen, dass mehr Fahrzeuge längere Zeit in der Fachwerkstatt gewartet werden. Bei den jungen Fahrzeugen deuten Probleme bei der HU dann auch auf Nachlässigkeiten der Werkstatt hin, die die Mängel bei den Serviceuntersuchungen nicht bemerkt hat.

Wenig Mängel mit drei Jahren

Bei den bis zu drei Jahren alten Fahrzeugen leuchtet der Mercedes Stern: Die Quote der erheblichen Mängel beim Mercedes GLC liegt bei den zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen bei nur 1,5 Prozent. Auch der zweite Platz geht an Mercedes: Die B-Klasse (1,9 Prozent) verweist den VW T-Roc (2,0 Prozent) auf den dritten Platz. Auch bei den anderen Kategorien belegen alte Bekannte die ersten Plätze. Bei den vier- bis fünfjährigen Automobilen ist der Audi Q2 (Mängelquote 2,1 Prozent) vor dem Porsche 911 (2,9 Prozent) und dem Mazda CX-3 (3,5 Prozent) top. Zwar sind die Mängel in diesen Altersgruppen sicherheitsrelevant, lassen sich aber meist mit wenig Aufwand beseitigen. Die teuren Reparaturen am Fahrwerk oder wegen Durchrostungen stellen sich meist später ein.

Gerade die bessere Rostvorsorge trägt dazu bei, dass die Autos auf deutschen Straßen immer älter werden. Im Durchschnitt haben die Fahrzeuge laut dem Kraftfahrtbundesamt KBA derzeit 9,8 Jahre auf dem Buckel. Im Durchschnitt! Auf einen Neuwagen kommt also ein 20-jähriger Oldie. Die Flotte ist im Vergleich zu 2011 1,5 Jahre älter geworden. Heute haben 42 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Pkw zehn Jahre oder mehr auf dem Buckel.

Je älter umso mehr Mängel 

Wenig verwunderlich ist, dass mit zunehmendem Alter eines Fahrzeuges auch die Mängelquote steigt: 12,4 Prozent der sechs bis sieben Jahre alten Fahrzeuge, 17,5 Prozent der acht- bis neunjährigen und 22,8 Prozent der zehn- bis elfjährigen Pkws fallen bei der Hauptuntersuchung durch. Die Mängelliste bringt alte Bekannte hervor. Besonders häufig beanstanden die Sachverständigen Defekte an der Beleuchtung. "Kaputte Bremslichter oder blendende Scheinwerfer sind gerade in der dunklen Jahreszeit ein ernstes Risiko für alle Verkehrsteilnehmer", sagte Bühler. Eigentlich ist es unverständlich mit einem so offensichtlichen Mangel, der sich meist für ein paar Euro beheben lässt, beim TÜV vorzufahren. Weitere gravierende Probleme sind Ölverlust und mangelhafte Bremsen.

Schock für BMW

Bei den sechs bis sieben Jahre alten Fahrzeugen ist der Porsche 911 (3,3 Prozent) dann die Nummer eins, gefolgt vom Golf Sportsvan (5,5 Prozent) und dem Suzuki SX4 (6,1 Prozent). Bei den älteren Autos (bis neun Jahre) zeigt der Audi TT mit einer Mängelquote von 7,7 Prozent dem Feld die Rücklichter. Dahinter reihen sich die Mercedes B-Klasse mit 8,1 Prozent und der Mercedes SLK mit 8,6 Prozent ein. Der Ingolstädter Roadster hält auch bei den bis elf Jahre alten Fahrzeugen mit 12,5 Prozent die Spitze und verweist den BMW X1 (15,0 Prozent) und den Audi A1 (16,1 Prozent) auf die Plätze. Hier muss man aber auf die Art des Fahrzeugs achten. Ein Liebhaberfahrzeug wie ein Cabrio dient häufig nur als Gut-Wetter-Fahrzeug und verbringt einen Gutteil seines Autolebens in der Garage, bei voller Pflege. Kein Wunder, dass das Cabrio sich im Alter besser schlägt als ein Handwerker- und Hausmeisterauto wie VW Caddy oder Renault Kangoo.

Aufschlüsselung nach Segmenten

Geht man nach Fahrzeugsegmenten über alle Altersklassen fährt Mercedes wieder voran: In der Kompaktklasse gewinnt die Mercedes A-Klasse (2,5 Prozent), in der Mittelklasse die C-Klasse (2,5 Prozent) und die Mercedes B-Klasse (1,9 Prozent) bei den Vans. Bei den Kleinwagen erreicht der Audi A1 (2,9 Prozent) die beste Position. Aber auch der Opel Karl (3,4 Prozent) erreicht Traumwerte. Da er nur zwischen 2015 und 2019 gebaut wurde, wundert das wenig. Es fehlen einfach die anfälligen alten Jahrgänge.

Dacia und Renault mit roter Laterne

Neben den strahlenden Siegern gibt es natürlich auch die bekannten Problem-Fahrzeuge. Wenn der Dacia Logan zum ersten Mal beim TÜV vorbeischaut, kassiert er eine Mängelquote von 11,6 Prozent, dahinter kommen dann der Dacia Duster (11,4 Prozent) und der Renault Kangoo (9.2 Prozent). Aber auch hohe Preise schützen nicht vor Mängeln. Bei den Fünfjährigen erreichen die 5er/6er-Reihe von BMW eine satte Mängelquote von 16,8 Prozent – das reicht für den negativen Spitzenplatz. Der ebenfalls nicht gerade günstige Familienwagen VW Sharan folgt mit 16,4 Prozent auf Platz zwei. Da ist sogar der Dacia Dokker mit 16,0 Prozent besser.

Bei den bis zu sieben Jahre alten Autos schneidet der Fiat Punto (23,3 Prozent) am schlechtesten ab. Der Renault Kangoo und der Dacia Dokker sind mit einer Mängelquote von 22,1 Prozent beziehungsweise 21,7 Prozent nur wenig zuverlässiger. Erheblich werden die Zahlen dann schon bei den neunjährigen Fahrzeugen, bei denen der Renault Kangoo mit 31,8 Prozent die Negativwertung anführt, gefolgt vom Fiat Panda (29,6 Prozent) und dem Dacia Logan (29,4 Prozent). Bei den Elfjährigen bringt es der Dacia Logan dann auf eine Mängelquote von 36,8 Prozent. Der Fiat Panda weist einen Wert von 34,0 Prozent auf und der Kia Picanto trägt sich mit 33,7 Prozent in die Mängelliste ein.

 Wirklich verkehrsunsicher waren nur 0,04 Prozent der Pkw, sie wurden sofort stillgelegt.

kra / Kra/Pressinform

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