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Mini John Cooper Works Challenge: Sporty Spice

Ex-Formel 1-Weltmeister Niki Lauda startete seine Karriere in einem Mini, Mitte der 60er Jahre dominierte der kleine Brite die Rallye Monte Carlo und seit 2004 jagt der New Mini in der Clubsportserie Mini Challenge über die Rennpiste. 2008 setzt ein neuer Renner diese Tradition fort.

Von Christian Gebhardt, Salzburgring

"Die Karre liegt so geil", brüllt mein Fahrer immer wieder. Hauptsache die Bremsen funktionieren auch so gut, schießt es mir durch den Kopf. Die Gedankengänge von Pilot und Beifahrer unterscheiden sich jetzt grundlegend. Während der Kerl links neben mir im Rennwahn euphorisch den sechsten Gang reinknallt, beäuge ich kritisch den Teller-großen Tachometer in der Mitte des Mini-Armaturenbretts. Der orange Zeiger vermeldet zitternd Vollgas, 240 km/h. Doch nur noch 250 Meter Asphalt bis zur ersten Kurve, mein Chauffeur sieht die Chance mich zu beeindrucken. Kurz vor dem scheinbaren Aufprall überlegt er es sich dann doch anders. Wie ein Karatekämpfer hackt der Fahrer nun gewaltig auf die Bremse, als gelte es, das Pedal durch das Bodenblech zu stampfen. Endlich!

Doch die Glückshormone, nicht in den Planken zerschellt zu sein, folgt der nächste Gefühlsschock für den Beifahrer. Grrrrrrrrrrr! Während das ABS laut ratternd hunderte Kilometer pro Stunde verdaut, nickt mein Kopf wild nach vorne, die brachiale Verzögerung will mich aus dem Sitz reißen, nur die strammen Gurte verhindern dies. Dann wieder Vollgas. Nach vier Runden hat das Wechselspiel ein Ende. Während ich erschöpft aus dem Auto falle, lädt mein Pilot die nächste menschliche Fracht auf den heißen Stuhl neben sich.

Besagter Pilot ist Alexander Burgstaller. Burgstaller wird "Botschafter" genannt. So ein bisschen der Walter Röhrl, allerdings nicht von Porsche, sondern bei Mini. Die letzten vier Runden hat der Enddreißiger seinen Job besonders ernst genommen. Burgstaller präsentiert mit der wilden Hatz über den Salzburgring schließlich die neueste Fahrzeug-Kreation aus dem Hause Mini. Ein Sportler, der mit vollem Namen Mini John Cooper Works Challenge heißt und so brandneu ist, dass wir ihn nicht mal selber fahren dürfen. Da hilft auch kein betteln, diesmal geht’s nur als Beifahrer auf den Foltersitz rechts neben den Fahrer.

Dopingkur für den Lifestyle-Boliden

Auf Basis der Serienversion der neuesten Generation des Cooper S entwickelten die Mini-Ingenieure einen neuen Rennwagen für die Clubsportserie Mini Challenge. Seit 2004 kämpfen hier Lifestyle-begeisterte Motorsportler, zahlungskräftige Herrenfahrer, aber auch renninfizierte Promis à la Cora Schumacher und Oliver Pocher in identischen Mini-Boliden um Sekunden. Herzstück des dank Rennsportfahrwerk dicht über dem Asphalt kauernden neuen Hobel für den Markenpokal ist ein Vierzylinder-Turbomotor, der einer ordentlichen Dopingkur unterzogen wurde. Statt 175 PS in der Straßenversion, stampfen nun 210 heiße Pferdchen unter der Mini-Haube.

Ein Fliegengewicht ist die neue Challenge-Version nicht. 1150 Kilogramm sind nicht außergewöhnlich, aber immerhin 30 Kilogramm weniger als der Vorgänger-Rennbolide aus der Mini Challenge. Gute Fahrleistungen gibt’s trotzdem. Nach 6,1 Sekunden durchfliegt der Britenbomber die 100 km/h-Marke, eine Sekunde schneller als die Serienvariante. Erst bei 240 km/h ist Schluss. Dank des Rennauspuffs klingt es eher noch nach mehr. Doch nicht nur durch die akustischen Klänge der Abgasanlage macht dieser Mini sich bemerkbar.

Britisches Flügeltier

Während der erste Mini Challenge-Renner nur im Innenraum mit Motorsportambiente durch Schalensitz und Sicherheitskäfig glänzte, macht der neue auch von außen einen auf Extremsportler. Hier stechen sofort der verstellbare Heckflügel und ein extremer Heckdiffusor ins Auge. Beide Komponenten zählen zum neuen "Aerodynamik Paket". Klingt schwer nach Formel 1-Know-how. Wie groß die Gewichtung zwischen Showeffekt und Nutzen wirklich ist, wird auf den ersten Blick nicht ersichtlich. "Die ganzen Anbauteile wurden nach einem Muster entwickelt: form follows function", erklärt Udo Marks, Leiter des 12 Mann starken Entwicklungsteams des kleinen Boliden. So erfolgte die Entwicklung der Zusatzteile im Windkanal. Dadurch soll der R65, wie die Techniker ihr neuestes Rennsportbaby intern getauft haben, nun wesentlich besser auf der Rennstrecke liegen. Durch eine zusätzliche Spoilerlippe an der Frontschürze soll ein ausgeglichenes Abtriebsverhältnis von 50:50 erreicht worden sein. "So bietet das neue Fahrzeug eine breite Basis, die sowohl von Profirennfahrern, aber auch von Amateuren beherrscht werden kann", beschreibt Entwicklungschef Marks das neutrale Fahrverhalten.

Schneller als der Vorgänger

Vor allem das Zusammenspiel des neuen Sperrdifferenzials sowie eines für den Rennsport modifizierten ABS dürften den neuen Renn-Mini deutlich schneller machen, als seinen Vorgänger. Gerade in engen Kurven litt der erste Challenge-Bolide ohne Sperrdifferenzial unter Traktionsproblemen und extreme Spätbremser konnten zuweilen auch das ABS überlasten. Dann ging’s mit blockierten Rädern runter von der Ideallinie. Dies scheint alles Vergangenheit zu sein, zumindest bei der heißen Probefahrt mit Testpilot Burgstaller. Mit breitem Grinsen überholte er die Vorgängermodelle auch in den Kurven außen. "Der Neue ist mehrere Sekunden schneller", teilt Entwickler Marks mit.

Überrollbügel und dröhnender Rennauspuff

Mini-Clubsport bald auch auf der Straße So viel technischer Fortschritt hat leider einen saftigen Preis. Für den neuen John Cooper Works Challenge werden 49.900 Euro fällig. Dazu kommen dann noch mal 75.000 Euro für eine komplette Rennsaison. Wer für den sportlichen Spaß auf der Rennpiste nicht so viel berappen kann, für den hält Mini demnächst jedoch ein besonderes Trostpflaster bereit. Bald soll eine extra heiße Clubsportversion auch auf der Straße an den Start gehen. Mit Überrollkäfig und dröhnendem Rennauspuff geht’s dann zum Einkaufen.

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