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NCAP Crashtest: Sternchen-Sterben

Im vergangenen Jahr haben weit weniger Autos die Bestnote "fünf Sterne" im NCAP Crashtest bekommen als 2009. Trotzdem ist der Jahrgang sicherer.

Europas Neuwagen können sich seit Ende der 1990er Jahre mit den Sternen schmücken, die ihnen ein Konsortium verleiht, zu dem sich Mitarbeiter europäischer Verkehrsministerien, Autoclubs und Kfz-Versicherer zusammengeschlossen haben. Die Tests des Euro NCAP (New Cars Assessement Programm, auf deutsch Neuwagenbewertungsprogramm) gehen über die vom Gesetzgeber definierten Standards hinaus. Sie loten bereits heute die Normen aus, die Fahrzeugen in Zukunft abverlangt werden könnten. Bis die erhöhten Standards verbindlich in Kraft treten, sind "fünf Sterne" ein Aushängeschild für die Hersteller - und eine Entscheidungshilfe beim Autokauf.

Stern ist nicht gleich Stern

Der normale Kunde weiß allerdings nicht, was sich hinter der Bewertungen verbirgt. Für ihn ist Stern gleich Stern – und das stimmt nicht. Zum einen werden die Anforderungen immer mehr nach oben geschraubt. Ein Wagen, der vor fünf Jahren auf den Markt kam und eine bestimmte Wertung erreicht hat, würde heute vermutlich deutlich schlechter abschneiden. Doch welcher Käufer ahnt schon, dass die Sterne unbemerkt altern? Außerdem simulieren die Test Unfallabläufe mit einem gleichschweren Fahrzeug. Das tröstet die Fahrer von Kleinwagen, denn so können auch kleine Wagen viele Sternchen sammeln. Bei einem Zusammenstoß mit einem deutlich schweren Fahrzeug sind diese Test-Sterne nicht viel wert. Im tatsächlichen Unfallgeschehen sitzt man in einem schweren Fahrzeug meist sehr viel sicherer, auch weil die Unfallgegner häufig leichter sind.

Im letzten Jahr wurden bei den Euro NCAP-Tests 30 automobile Neuheiten ins Visier genommen. In der Oberklasse erzielte BMWs 5er die beste Note, bei den kleineren Familienautos Alfa Romeo Giulietta, im Segment der "Superminis" Hondas CR-Z, bei den kleinen Offroadern kletterte der Kia Sportage ganz oben aufs Treppchen und bei den kleinen Mehrzweckfahrzeugen (MPV) schnitt Toyotas Verso am besten ab. Negativ fiel im vergangenen Jahr Citroens Kleinwagen Nemo mit nur drei Sternen aus dem Rahmen. Ein noch schwächeres Ergebnis fuhr lediglich Landwind CV9 ein. Der chinesische Kleinwagen, der ab 2011 auch an Kunden hierzulande ausgeliefert werden soll, ging mit gerade mal zwei Sternen aus dem Test.

Mehr Sicherheit, weniger Unfalltote

Insgesamt wurden 2010 lediglich 65 Prozent der Automobilkandidaten mit einem Fünf-Sterne-Ergebnis geadelt. 2009 waren es 90 Prozent. Ein schwächelnder Jahrgang, der auf mangelnden Ergeiz der Hersteller schließen lässt, sei 2010 damit aber keineswegs, erläutert Volker Sandner, Leiter der Crashtestanlage des ADAC in Landsberg bei München. "Die Autos, die im letzten Jahr fünf Sterne bekamen, sind besser, als die Fünf-Sterne-Fahrzeuge von 2009." Denn bei ihrer Punktevergabe justieren die NCAP-Tester kontinuierlich nach. So genügte es kürzlich noch, bei den Tests zum Insassenschutz – dem simulierten Frontaufprall, dem Seitenaufprall und dem Aufprall auf ein starres Hindernis - 75 Prozent der definierten Zielleistung zu bringen, um ein "sehr gut" einzufahren. 2010 mussten es bereits 80 Prozent sein.

Die Verbesserungen im Insassenschutz sind auch für den starken Rückgang an Verkehrstoten verantwortlich. Meilensteine in der Entwicklung waren Sicherheitsgurt, Airbag und der Bau widerstandsfähiger Sicherheitszellen. Immer wichtiger wird aber auch der Schutz von Fußgängern. Dort ist Euro NCAP strenger geworden. 2009 genügte es, 25 Prozent der Sollleistung zu erreichen, um diese Testkategorie zu meistern. Seit 2010 liegt die Messlatte bei 40 Prozent, und ab 2012 wird ein Neufahrzeug mindestens 60 Prozent der angepeilten Sollgröße bringen müssen, um diesen Testbereich glänzend zu bestehen. Vor 2009 konnten Hersteller ihre Autos sogar dann mit 5-Sternen bewerben, wenn diese in nur einer Testkategorie – beim Schutz erwachsener Insassen, beim Schutz mitfahrender Kindern oder beim Fußgängerschutz – den Anforderungen gerecht werden konnten. Seit 2009 beurteilen die Tester das Gesamtpaket. Der Schutz der Insassen macht seither 50 Prozent der Gesamtnote aus. Kindersicherheit und Fußgängerschutz tragen jeweils 20 Prozent dazu bei. Auch die elektronische Stabilitätskontrolle – nicht immer serienmäßige Selbstverständlichkeit - fließt mit zehn Prozent in die Bewertungskalkulation ein.

Kra/Press-Inform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.