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Nizza: Droschken für den Jet-Set

Wer an der Côte d'Azur entlang kutschiert wird, will auch bei einer kurzen Autofahrt nicht auf Komfort verzichten. Nizzas Taxifahrer schwören auf deutsche Luxuskarossen. An Bord sind selbst Schoßhündchen erlaubt. Sie kosten nur extra - wie vieles andere auch.

Bertrand wischt sorgfältig mit einem weißen Tuch über die Heckscheibe seiner Mercedes E-Klasse. Das dunkelblaue Taxi ist blitzsauber, kein Kratzer verunstaltet die Limousine. Die Benz-Droschke befindet sich in bester Gesellschaft: Ein schwarzer Audi A8, ein nagelneuer silberner A6, diverse E-Klassen und ein 5er BMW gesellen sich zu Bertrands frisch gewienertem Taxi. Sicher, es gibt auch andere Marken unter der Sonne Nizzas - profane Citroëns etwa oder Opel Zafiras als Sammeltaxen, hin und wieder sogar ein Toyota Prius. Doch vor allem am Flughafen stehen viele deutsche Autos der Mittel- und Oberklasse in Reih und Glied.

Die Erklärung dafür liefert Bertrand: "Wir haben eben eine Menge ‚Jet-People’ hier. Die wollen selbst auf der Fahrt ins Hotel Luxus geboten bekommen", sagt der 40-jährige Taxichauffeur. Er parkt ja auch nicht vor der hässlichen Betonwüste des Pariser Flughafens Charles de Gaulle, sondern am Aéroport Nice Côte d'Azur. Hier kann man in der Empfangshalle vom Boden essen, und am Ausgang weist ein Schild den oberen Zehntausend gleich den Weg zum Helikopter-Gate. Selbst wer sich "nur" mit dem Taxi durchs wunderschöne Nizza kutschieren lässt, ist in der Regel nicht der Unterschicht zuzurechnen. Während Bertrand mit einem Handfeger den Fußraum des Benz vom ein oder anderen Stäubchen befreit, steigt ein Pärchen in ein anderes Taxi. Er trägt einen feinen Anzug und eine dunkle Sonnenbrille, sie ist in einen flauschigen Mantel gehüllt, bei dem man sich fragt, wie viele Nerze dafür wohl das Zeitliche segnen mussten. Der Fahrer öffnet der Dame geschwind den Verschlag und passt beim Einladen des Gepäcks darauf auf, dass das edle Schminkköfferchen keinen Kratzer abbekommt.

Auf dieser Strecke trifft es sicher keinen Armen

Eine Fahrt vom Flughafen ins Zentrum kostet etwa 25 Euro, nachts sind es rund fünf Euro mehr. Wer nach Monaco möchte und sich keinen Hubschrauberflug leisten kann, muss mit 70 bis 80 Euro auf dem Taxameter rechnen. Eine Fahrt nach St. Tropez schlägt mit rund 250 Euro zu Buche. Aber auf dieser Strecke trifft es sicher keinen Armen. Die Tarife werden von offizieller Stelle festgelegt, ebenso die "Suppléments" (Zusatzleistungen): Ein Koffer kostet 65 Cent extra, ein vierter Passagier 1,30 Euro. Will eine schicke Dame ihren vierbeinigen Fiffi mit an Bord nehmen, werden 1,20 Euro fällig. Für die Autobahn-Mautgebühren sind natürlich ebenfalls Mehrkosten zu entrichten. Gratis gibt es nur den fantastischen Ausblick auf die Palmen-Boulevards mit ihren knackigen Inlineskater(innen) und auf die Luxusyachten im Hafen.

Wer glaubt, ein Taxi-Chauffeur habe ihn auf der Fahrt vom Flughafen beim Preis übers Ohr gehauen, kann sich direkt an das "Bureau de la Circulation" wenden. Ist der Vorwurf berechtigt, droht dem Fahrer eine Strafe. Vor allem aber kann ihm die Erlaubnis entzogen werden, am Airport zu parken. In Nizza ist das sozusagen das Taxi-Todesurteil. Doch es dürfte nur selten einen der Fahrer treffen. Denn die Geschäfte laufen nicht schlecht, den Fahrern wird eine hohe Zuverlässigkeit nachgesagt, und der Verkehr ist im Vergleich zum hupenden Blech-Dickicht in Paris oder Marseille geradezu zivilisiert. Steht ein Taxi lange im Stau, gibt es auch dafür festgelegte Gebühren.

Taxi-Chauffeur Bertrand erklärt noch eine wichtige Regel: "Fährt ein Taxi mit Passagieren von Nizza nach Monaco oder einen anderen Ort außerhalb der Stadt, kommt es immer leer zurück, um den Kollegen dort keine Fahrgäste abspenstig zu machen", so Bertrand. Er legt den Handfeger wieder in den Kofferraum, verabschiedet sich höflich und setzt sich ans Steuer. Gerade ist am Flughafenausgang ein Schwung neuer "Jet-People" aufgetaucht.

Sebastian Viehmann, press-inform / press-inform

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