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Renault: Runter mit der Preisdecke

Der Laguna III soll Renaults Komfort-Gleiter aus der Image-Krise führen, in die das Vorgängermodell den Wagen manövriert hat. Renaults zweiter Hoffnungsträger ist der neue Twingo. Marc Osseux, Leiter Produktmarketing "Obere Modellreihe", spricht über Qualität, Knuddel-Autos, Renaults neue Allradlenkung und die Billigmarke Dacia.

Seit Oktober ist der neue Laguna im Handel - wie ist das Modell angelaufen?

In Deutschland verkauft sich der Wagen hervorragend. Es wurden bislang 8500 Kaufverträge unterschrieben, bei einem Privatkundenanteil von 37 Prozent. Der Marktanteil des Laguna in seinem Segment ist europaweit auf 2,5 Prozent gestiegen - vorher lag er bei weniger als einem Prozent.

Beim Vorgängermodell hat Renault Qualitätsprobleme eingeräumt, Kunden berichten über viel Ärger mit den Werkstätten. Wie will Renault sicherstellen, dass das beim neuen Laguna nicht passiert?

2001 wurde der Laguna II auf den Markt gebracht, ohne dass die Service-Mitarbeiter im Vorfeld ausreichend für die spezielle Technik geschult waren. Dinge wie Keyless Go oder die automatische Reifendruckkontrolle waren damals bei Renault völlig neu. Mittlerweile haben die Werkstätten gelernt und können viel zielgerichteter auf Probleme eingehen. Wir haben beim neuen Laguna alle Schwächen des Vorgängers systematisch beseitigt, der Wagen hat mehr als sechs Millionen Test-Kilometer hinter sich. 1500 Verkäufer und 1600 Werkstatt-Mitarbeiter wurden für das Modell speziell geschult.

Warum dann nicht gleich in die Vollen gehen - zum Beispiel mit einer Sechsjahresgarantie wie bei Opel oder sieben Jahren wie bei Kia?

Unsere Dreijahres-Garantie bis 150.000 Kilometer Laufleistung wurde von den Kunden sehr gut angenommen, gerade bei den Vielfahrern. Da jetzt noch Kohlen nachzulegen, halten wir nicht für erforderlich - es würde auch eine Preiserhöhung bedeuten, und die wollen wir nicht. Eine Garantieverlängerung auf bis zu fünf Jahre ist aber gegen Aufpreis möglich.

Praktisch ohne Aufpreis gibt es die neue Allradlenkung beim Laguna GT. Soll damit auch das Image des Wagens gepusht werden?

Wir wollen das System für den Kunden erfahrbar machen. Dabei verfahren wir nicht wie die deutschen Premiummarken mit ihrer Aufpreispolitik, bei der sich viele Kunden sagen: "Das wäre ja ein schönes Auto für mich, aber die besten Sachen kosten extra". Wir glauben, dass wir mit der Allradlenkung eine gute Synthese aller Bedürfnisse in Sachen Fahrdynamik gefunden haben.

Doch das Fahrwerk des Laguna bleibt mit seiner Verbundlenkerachse unverändert.

Wir möchten uns bei der Fahrwerksaufhängung nicht hinter Begriffen verstecken, die für den Kunden kompliziert zu verstehen sind. Deshalb haben wir bewusst eine andere Richtung eingeschlagen. Die elektronische Allradlenkung funktioniert nicht nur, sie weckt auch die Neugier beim Kunden und ist im Gegensatz zu einer komplexen Achsaufhängung einfach verständlich zu machen.

Nach Limousine, Kombi und den GT-Versionen steht im Herbst das Laguna Coupé an. Womit können die Kunden rechnen?

Die Allradlenkung wird auch im Coupé an Bord sein - noch etwas sportlicher abgestimmt. Dazu kommen ein V6-Benziner und ein V6-Diesel mit drei Litern Hubraum, mehr als 200 PS, deutlich über 400 Newtonmetern Drehmoment und einer Sechsstufen-Automatik.

Beim kleinen Einstiegsdiesel des Laguna dagegen ärgern sich manche Kunden über den fehlenden Partikelfilter.

Der kommt 2009. Die Verzögerung liegt daran, dass der französische Markt für kleine Dieselmotoren keine Partikelfilter verlangt - in Frankreich kommt es bei der Besteuerung schon heute auf einen niedrigen CO2-Ausstoß an, und da stehen unsere Motoren bestens da.

Außer dem Laguna hat auch der Twingo einen Modellwechsel hinter sich. Viele Fans des alten Twingo meinen, der neue habe sein unverwechselbares Gesicht eingebüßt. Haben Sie die Befürchtung, Käufer zu verlieren?

Ja und nein. Bei jedem Modellwechsel gibt es Stammkunden, die das alte Modell besser finden - wir mögen einen Teil der alten Kunden verloren haben. Dafür haben wir aber neue Kunden erobert und zum Beispiel beim Polo geräubert. Der alte Twingo wurde von vielen Kunden als reines Frauenauto empfunden, der neue ist auch auf die männliche Kundschaft abgestimmt. Und so knuffig beispielsweise ein Fiat 500 ist - nicht alle Kunden mögen diesen Look. Wichtig ist, dass am Ende der Saldo stimmt, und da sind wir zuversichtlich. Allein von Januar bis März dieses Jahres hatten wir 6000 Neuzulassungen für den Twingo in Deutschland.

Das Einstiegsmodell des Twingo ist immer noch teurer als ein Dacia Logan oder Sandero. Sorgt der Erfolg der Renault-Tochter Dacia nicht für Kannibalisierung im eigenen Haus?

Das glauben wir nicht, weil die Kundenkreise völlig unterschiedlich sind. Ein Dacia-Kunde ist nicht markenbewusst. Er hätte beim Neuwagenkauf wahrscheinlich nie einen Renault in Betracht gezogen - und umgekehrt ein Renault-Käufer nie einen Dacia. Die Trennung der beiden Marken wollen wir auch in der Zukunft beibehalten, und der Preisunterschied zu Renault-Modellen wird immer bestehen bleiben.

Noch steht Renault auf dem Billigauto-Markt ziemlich allein auf weiter Flur.

Eigentlich hätte jeder auf dieses Konzept kommen können, wir haben es durchgezogen. Dacia-Käufer gönnen sich mit einem Logan oft ihren ersten Neuwagen - ich sage bewusst gönnen, denn die Leute steigen meistens von alten Gebrauchtwagen um und haben das Geld für einen Logan lange angespart. Es kann und will eben nicht jeder mal eben 30.000 Euro für einen Neuwagen auf den Tresen legen. Mit Dacia ziehen wir die Preisdecke wieder auf eine Ebene, auf der sich Leute für ein Auto engagieren. Wir wenden uns an alle, die in den letzten zehn Jahren mit den Preisen bei anderen Herstellern nicht mithalten konnten. Und natürlich freuen wir uns auch, dass dieses Konzept für den Renault-Konzern rentabel ist.

Sebastian Viehmann, press-inform / press-inform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.