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Versicherungsbetrug: Risiko durch fingierte Unfälle

Hinter jedem zehnten Kfz-Unfall wird ein Versicherungsbetrug vermutet. Die Unfall-Profis arbeiten mittlerweile "organisiert" und nehmen auch Verletzte in Kauf.

Kürzlich meldete die Polizei in Bremen, dass ihrer Ansicht nach hinter jedem zehnten Autounfall ein Versicherungsbetrug steckt. Neben nachträglich vergrößerten Schäden und anderen Tricks hat sich dabei ein ebenso gefährliches wie einträgliches Geschäft entwickelt. Dabei wird der provozierte Unfall für die Versicherung wie für den vermeintlich Unfall-Schuldigen zu einem großen Problem.

Provokateure am Steuer

"Die Täter nutzen in der Regel unvorsichtiges Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer aus, um einen Unfall, zu provozieren", erklärt Klaus Brandestein, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Die Zahl der angewendeten Finten ist groß. So warten die Täter mit ihrem Fahrzeug zum Beispiel versteckt in Seitengassen, um aufs Gas zu treten wenn sich ein Auto auf der Querstraße nähert. Achtet das ahnungslose Opfer dann nicht hundertprozentig auf die Rechts-vor-Links-Regelung, stößt er mit dem Provokateur zusammen. Dieser streicht von der Versicherung das Geld für die Schäden an seinem Auto ein, lässt es günstig ausbessern, um dann wieder in einer Seitenstraße Position zu beziehen.

Auch zu dichtes Auffahren des Hintermannes wird gern genutzt, um ihn sich mit einer überraschenden Vollbremsung ins Heck krachen zu lassen. Hinter solchen Ereignissen, steckt nicht selten eine Organisation. "Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben organisierte Banden in diesem Breich einen immer größeren Anteil erreicht", sagt Christian Weishuber, Sprecher der Allianz-Versicherung in München. "Die echten Profis arbeiten dabei in Größenordnungen von tausenden von Unfällen."

Unfall-Profis organisieren sich

Während es anfangs vor allem um das Geldverdienen durch Blechschäden im Stadtgebiet ging, haben sich mittlerweile auch gefährlichere Varianten entwickelt. "Wir hatten jahrelang geglaubt, dass so etwas auf Autobahnen nicht möglich ist", sagt Weishuber. Bis es dann auch provozierte Unfälle bei hohem Tempo gab - zum Beispiel, indem der Täter einem Ahnungslosen per Handzeichen den Spurwechsel gewährt und ihn dann beim Ausscheren seitlich rammt.

Personenschäden werden dabei in Kauf genommen. "Fingierte Unfälle dienen zwar zunächst dazu, die Versicherer zu schädigen", sagt Rainer Hessel, Geschäftsführer der Deutschen Verkehrswacht in Meckenheim in Bonn. "Sie stellen aber auch ein allgemeines Risiko für die Verkehrssicherheit dar."

Ist der Unfall passiert, fangen für den genarrten Verursacher die Probleme oft erst an. Schließlich ist er es, der beweisen muss, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. So ist es laut Paul Kuhn, Jurist des ADAC in München, im Zweifelsfall besonders wichtig, die Polizei zu informieren - die sehen Unfall-Betrüger nicht gerne vor Ort.

Unfallort genau inspizieren

Außerdem rät Kuhn, den Unfallort genau zu inspizieren. So können geschickt verdeckte Verkehrsschilder ebenso ein Hinweis auf einen provozierten Unfall sein, wie plötzlich auftauchende "Zeugen", die zu Gunsten des Tricksers aussagen. Auch ein Lieferwagen, der eben noch Sicht behindernd an der Ecke stand und nun verschwunden ist, kann ein deutlicher Hinweis sein. Ein Blick auf das gegnerische Fahrzeug schadet ebenfalls nicht: Sind hier frische Reparaturspuren zu sehen, kann das ebenfalls ein Hinweis auf einen Serientäter sein.

Das beste Mittel, nicht in eine Falle zu tappen, ist natürlich, den Risiken möglichst aus dem Weg zu gehen. Das heißt also, nicht zu dicht auffahren, auf Vorfahrtstraßen achten - was in der Praxis jedoch kaum immer umgesetzt werden dürfte. "Grundsätzliche Tipps zu geben, ist wegen der Vielzahl möglicher Situation kaum möglich", sagt Rainer Hessel von der Verkehrswacht.

Aufmerksam fahren

Trotzdem hilft Aufmerksamkeit, sich in bestimmten Situationen zu wappnen. "Auch in ruhigen Wohngebieten oder Tempo-30-Zonen sollte man sich nicht darauf verlassen, dass schon nichts passiert", warnt der Experte. "Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn zum Beispiel in einem bekannten Gebiet vor einer Kreuzung ein ungewohntes Sichthindernis auftaucht."

Nicht minder wichtig ist es, die Versicherung über einen Verdacht zu informieren. "Die Versicherung", so Kuhn, "kann prüfen, ob ein bestimmter Wagen oder Fahrer bereits häufiger in Unfälle verwickelt war." Später kann sich auch die detaillierte Aufnahme des Unfallgeschehens und der Schäden bezahlt machen. Denn so lässt sich feststellen, ob der Unfallgegner womöglich mehr Schäden beheben ließ, als beim Unfall entstanden waren.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.