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VERKEHR: Die »Tram« wird 125 Jahre alt

Ein weiß-blaues Original feiert 125. Geburtstag: Was anderswo unter der Bezeichnung Straßenbahn Schüler, Pendler und Touristen durch die Straßen karrt, heißt ihn München »Tram«.

Ein weiß-blaues Original feiert Geburtstag: Die Münchner Trambahn wird 125 Jahre alt. Was anderswo unter der Bezeichnung Straßenbahn Schüler, Pendler und Touristen durch die Straßen karrt, heißt ihn München »Tram«. Die Stadtwerke München feiern den Geburtstag ihrer Züge am 27. Oktober mit einem Tag der offenen Tür. Heute befördern die weiß-blauen Bahnen rund 75 Millionen Menschen pro Jahr, fast ausschließlich in hochmodernen Niederflurwagen. Damit gelten die Münchner Trambahnen als eines der behindertenfreundlichsten Verkehrsmittel Deutschlands.

Von Komfort keine Spur

Vor 125 Jahren sah es beim Komfort noch ganz anders aus. Eine einzige Tram rumpelte vom Promenadeplatz bis zur Nymphenburger Straße - von Rössern gezogen, die ihre Pferdeäpfel bei voller Fahrt auf die Schienen fallen ließen. Schienenritzenreinigerinnen hatten für einen reibungslosen Verkehr zu sorgen - und wehe, die Weichensteller hatten einmal verschlafen.

Tram-Trend aus den USA

Erfunden wurde die Pferdetram in den USA, wo 1852 die »Tramway« zwischen New York und Harlem ihren Betrieb aufnahm. Über Paris, London und Berlin kam sie nach München. Der bürgerliche Lohnkutscher Michael Zechmeister forderte 1861 nach Angaben von Stadthistorikern bei der Polizei die erste Lizenz für den so genannten »Stadtomnibus«, damals noch ohne Schienen. Die Fahrt von den »Vereinigten Bahnhöfen der königlichen Staats- und Ostbahnen«, wie der Hauptbahnhof früher hieß, zum Marienplatz, kostete zwei Groschen. Eine zweite Linie, vom Sendlinger Tor zur Universität, floppte: Die Studenten meckerten über die zu hohen Preise und gingen lieber zu Fuß. Schließlich ging Zechmeisters Pferdetram 1863 bankrott.

1876 erste Betreibergesellschaft

Die eigentliche Geschichte der Münchner Schienen-Tram begann 1876: Der belgische Investestor Edouard Otlet gründete in diesem Jahr die erste Betreibergesellschaft, die »Société Anonyme des Tramways de Munich«. Mit ihm kamen die Schienen und natürlich die »Kartlzwacker«, wie die Münchner die Schaffner respektlos nannten. Mit ihren königsblauen Jacketts, Silberknöpfen und schmucker Mütze machten die »Conducteure« was her: »Scho unsa Gwand, des is a Schau, de Hosn schwarz, de Joppn blau, de Mützn auf, ganz militarisch, de Fraun san auf unseroans stoknaarisch«, berichtete Bernd Helbig, der in seinem Buch »A Münchner Rollwagen-Admiral« seine Erinnerungen als Tramschaffner festgehalten hat.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Outram oder »trame«?

Warum die Straßenbahn eigentlich Tram heißt, weiß niemand mehr so genau. Vielleicht wurde sie nach dem englischen Ingenieur Benjamin Outram benannt, der Mitte des 19. Jahrhunderts gusseiserne Schienen für Kohlegrubenbahnen entwickelte. Vielleicht heißt sie aber auch nach dem alt-niederdeutschen Wort »trame« für Balken, denn tatsächlich bestanden die Schienen anfangs aus Balken mit gusseisernen Auflagen.

Von Annette Zoch, dpa

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