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COBOL: "Es ist ein Desaster": Wie Uralt-Rechner Trumps Corona-Rettungspläne ausbremsen

Mit 2,2 Billionen Dollar will Donald Trump die US-Wirtschaft vor dem Corona-Kollaps retten. Doch viele Bundesstaaten können das benötigte Rettungsprogramm gar nicht oder sehr langsam umsetzen. Schuld ist ein Computer-Programm aus den 50er-Jahren.

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AFP

Es ist ein nie dagewesenes Rettungsprogramm: Ausgerechnet die sonst so marktgläubigen USA wollen mit einer gigantischen Geldmenge nach dem Gießkannenprinzip die wegen der Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft aufpäppeln. Der zwei Billionen Dollar schwere CARES-Act enthält neben zahlreichen Geldgeschenken für die Wirtschaft auch eine Zusatzzahlung von 600 Dollar extra die Woche für Arbeitslose. Doch es gibt eine gewaltige Bremse: Die Verwaltungssysteme vieler Bundesstaaten sind nicht für solche Aktionen ausgelegt - und ihre Uralt-Software wird immer mehr zum Problem.

"Das ist die größte Hürde, um das CARES-Programm umzusetzen", erklärte Robin Roberson, Chef der Arbeitsvermittlungsbehörde von Oklahoma gegenüber "Bloomberg". "Unsere Großrechner sind über 30 Jahre alt." Darauf laufe immer noch die Software COBOL. "Es ist schwierig zu programmieren, es kann nicht viel. Und die Entwickler für COBOL sind schwer zu finden."

Alt, stabil, überfordert

Die COBOL-Krise zeichnet sich schon seit mehreren Wochen ab. Das vor allem im Finanzsektor, bei Versicherungen und Verwaltungen immer noch viel genutzte Programm stammt aus dem Jahr 1959, gilt seit Jahrzehnten als veraltet. Weil es immer noch sehr stabil läuft, scheuen sich viele Firmen und Behörden, auf eine neue Lösung umzuziehen - und dann einen Datenverlust zu riskieren. Mehrere Bundesstaaten arbeiteten bereits vor der Krise daran, ihre Systeme umzustellen. Doch vor nächstem Jahr ist damit nicht zu rechnen. Das Aufschieben rächt sich nun.

Zum einen ist da die Überlastung der Großrechner: Noch nie haben sich in den USA so viele Menschen auf einmal arbeitslos gemeldet, die Uralt-Rechner der Behörden kommen schlicht nicht hinterher, die neuen Datensätze zu berechnen, berichtete "CNN". Eine schnelle Anpassung wird außerdem durch das zweite, viel größere Problem verhindert: Es gibt schlicht zu wenige Menschen, die noch mit COBOL arbeiten können.

 

Der Nachwuchs fehlt

"Es ist ein Desaster", zitiert "Bloomberg" den 75-jährigen Mahmoud Ezzeldin. Er arbeitete jahrzehntelang für verschiedene Versicherer mit der Software. Er versteht, warum dem Programm der Nachwuchs fehlt. "COBOL ist schwer zu lernen, es ist nicht für das Internet entworfen. Wer gerade studiert, lernt etwas Leichteres. Ich kann es ihnen nicht verübeln."

Auch der ehemalige Stanford-Professor Gio Wiederhold äußerte gegenüber dem Magazin Verständnis für das Desinteresse. "Ich kann nicht empfehlen, es zu lernen: Die meiste Arbeit ist schlicht Instandhaltung. Das ist wenig inspirierend." Selbst wenn die Studenten wollten, wäre es oft gar nicht ohne Weiteres möglich: Viele Universitäten haben COBOL längst vom Lehrplan gestrichen. Die niedrigen Einstiegsgehälter bei COBOL-Jobs machen die Abschreckung perfekt.

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Rückkehr der Veteranen

Kein Wunder, dass die Behörden nun verzweifelt nach COBOL-Veteranen suchen - und diese oft sogar aus dem Ruhestand holen müssen. "Die Leute kommen aus dem Unterholz gekrochen", erklärte etwa New Jerseys IT-Chef gegenüber "CNBC". "Wir nutzen schon jetzt die Hilfe von vielen Freiwilligen und werden eine Webseite aufsetzen, die es uns erlaubt, eine große Vielfalt an Helfern zu rekrutieren."

Ob die Rentner das Problem lösen können, muss sich erst zeigen. Während heutige Software in Modulen aufgebaut sind, die sich unabhängig bearbeiten lassen, ist bei den alten COBOL-Anwendungen der US-Behörden alles ineinander verwirrt. Die Folge dieser Form von "Spaghetti-Code": Man weiß nie, ob eine Änderung auch andere Teile des Programms zerschießt. Hinzu kommt: Viele Funktionsweisen der COBOL-Programme wurden nie aufgeschrieben, sondern von Entwickler zu Entwickler weitergegeben. Es sei "COBOL Folklore", erklärte Experte Phil Teplitzky "Bloomberg". Weil viele der Experten heute gar nicht mehr lebten, müsse sich zeigen, ob die benötigten großen Änderungen sich überhaupt umsetzen lassen würden. Solange warten die Neu-Arbeitslosen weiter auf ihr Geld.

Quellen: CNN, Bloomberg, CNBC