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Firmen-IT der Zukunft: Die Propheten des Übernetzes

Ein Drittel weniger Strom könnten Rechenzentren weltweit verbrauchen, würden sie ihre freien Kapazitäten bündeln: Zu einer Computerwolke, die jeder anzapfen kann, der zahlt. Bis Endverbraucher jedoch davon profitieren können, ist es noch ein weiter Weg.

Von Peter Welchering

Die einzige Lichtquelle im Londoner Büro von Ben Lock ist der PC-Bildschirm. Zufrieden lehnt sich der Filmproduzent zurück und trinkt einen Schluck Eistee. Gerade hat er mit einem Tastendruck das Rohmaterial für seinen neuen Animationsfilm abgeschickt. 1000 Gigabyte an Zeichentrick- und Realfilmsequenzen sind jetzt unterwegs zu einer Render-Farm, einem auf das Berechnen künstlicher Landschaften und Charaktere spezialisierten Rechenzentrum. Dort analysiert eine Software die zu bewältigende Arbeit, ermittelt die benötigten Programme und schickt Teilaufgaben häppchenweise da hin, wo Kapazitäten frei sind. Zu 50 virtuellen Servern puzzelt das System die benötigten Ressourcen zusammen, die es sich auf den 120 Servern der Farm zusammensucht.

Cloud-Computing nennt sich diese Art der Lastenverteilung, bei der Anwender nicht mehr wissen, welche Rechner gerade für sie arbeiten. Kein klar definiertes Netz, sondern eine diffuse Wolke, in der sich die gerade benötigten Ressourcen zusammenballen: Die englische Render-Farm ist ein Modell dafür, wie die Firmen-IT in Zukunft aussehen wird, glaubt Marcel Kunze, Netzwerkexperte beim Karlsruhe Institute of Technology. "Die meisten Firmen werden ihre Computerhardware nicht mehr im Haus stehen haben, sondern irgendwo draußen", prognostiziert er. "Niemand muss wissen, welche Server in der Wolke gerade sein Projekt berechnen", sagt auch Rod Adkins, der bei IBM Cloud-Computing-Projekte leitet.

Die Grundideen sind nicht neu: Großforschungseinrichtungen verteilen bereits Rechenaufgaben auf viele Einzelrechner (Grid-Computing), IT-Dienstleister vermieten Anwendungen, die auf ihren Servern und nicht mehr auf den PCs der Kunden laufen (Software As a Service). Doch das Modell des Cloud-Computing, das Computerhersteller und Dienstleister vorantreiben, geht weiter. Jeder Internetserver, jedes Rechenzentrum, das gerade nicht ausgelastet ist, soll seine Ressourcen in die weltweite Wolke verfügbarer Rechenkraft einbringen. Gegen Bezahlung, so die Idee, kann sich jeder Anwender daraus bedienen, Serviceprogramme nehmen seine Aufgabe entgegen und stellen ihm die benötigten Programme, Speicher- und Rechenkapazitäten zusammen.

Hersteller wie Hewlett-Packard und IBM, die schon heute einen Gutteil ihres Umsatzes mit Dienstleistungen machen, versprechen sich davon neue Märkte, eine bessere Auslastung ihrer Kapazitäten - und niedrigere Energiekosten. In Rechenzentren sind Server erfahrungsgemäß nur zu durchschnittlich 20 Prozent ausgelastet. Im Cloud-Computing-Betrieb steigt die Auslastung auf deutlich über 90 Prozent. Die im Stand-by-Modus vergeudete Energie wird eingespart; weltweit könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren um 30 Prozent sinken, besagt eine von Hewlett-Packard in Auftrag gegebene Studie. Der Kunde bemerkt nichts davon, dass seine Daten und Anwendungsprogramme über den Computerglobus verstreut sind. Für den Anschluss reicht ein einfacher Internetzugang, sagt IBM-Manager Adkins.

Von einem weltweiten Verbund ist das Cloud-Computing noch weit entfernt. "Bisher lebt jeder Dienstleister auf seiner eigenen Wolke", sagt James Staten, Analyst bei Forrester Research. Jeder Hersteller verwende eine eigene Software für das Verteilen der Rechenaufgaben und das Abrechnen der Dienstleistungen, in diesem Zustand sei das Konzept noch nicht reif für den Unternehmenseinsatz.

Es wird noch Jahre dauern

In der Wissenschaft ist man weiter: Das Imperial College in London, das Genfer Kernforschungszentrum Cern und andere Institutionen haben Systeme entwickelt, die teilweise sogar als Open Source vorliegen, also frei zugänglich sind. "Es wird noch einige Jahre dauern, bevor die im Wissenschaftsbereich entwickelten Standards im Unternehmensbereich verbindlich werden", sagt Analyst Staten. HP-Forschungschef Prith Banerjee ist da zuversichtlicher. "Momentan stellen die Serviceanbieter ihre Rechenzentrumsarchitekturen intern auf Prinzipien des Cloud-Computing um", sagt er. Das sei aber nur der erste Schritt, dem die Öffnung für Standards folgen werde.

Damit ein weltweiter Marktplatz für IT-Kapazitäten entstehen kann, sind nicht nur offene Schnittstellen nötig, sondern auch eine Abrechnungsstelle. Sie könnte ähnlich organisiert sein wie der Bezahldienstleister Paypal, über den zum Beispiel der Geldtransfer bei Ebay-Auktionen geregelt werden kann.

Dass mit dem Teilen von IT-Ressourcen Geld zu machen ist, zeigt das Beispiel Amazon. Seit der Versandhändler seine Rechenzentren auf Cloud-Computing umgestellt hat, kann er Kapazitäten vermieten. Zum Beispiel an die Tageszeitung "New York Times", die in der Amazon-Wolke Archivmaterial in PDF-Dokumente konvertieren lässt.

Langfristig sollen auch Endverbraucher die Intelligenz der Wolke nutzen können, glauben die Cloud-Computing-Enthusiasten. Dann spricht der Anwender nur noch seine Wünsche ins Handy, zum Beispiel, dass er nächsten Dienstag für drei Tage nach London muss. Spracherkennungssysteme nehmen seine Anforderung auf und setzen Softwareagenten in Marsch, die sich um die Flugbuchung, Hotel und Fahrkarten für die U-Bahn kümmern, weil sie wissen, dass ihr Auftraggeber ungern Taxi fährt. Reine Zukunftsmusik, urteilt Analyst Staten. Denn dafür müssten zuerst Expertensysteme entwickelt werden, die so komplexe Vorgänge wie die Planung einer Reise durchführen können. Und je persönlicher die Aufgaben, umso intimer die Informationen, die in der Wolke über den Auftraggeber gespeichert sein müssten, von Gesundheitsdaten über Einkommensverhältnisse bis hin zur Vorliebe für eine Marmeladensorte. "Die entstehenden Datenschutzprobleme", sagt Staten, "sind noch nicht einmal ansatzweise bekannt."

FTD
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.