Messetrend Konvergenz Wächst zusammen, was digital zusammengehört?


Konvergenz, das Zusammenwachsen, von PC, Handy und Fernseher gilt als ein Schlüsselthema der Cebit. Und sogar Kleidungsstücke und Teppiche zieht's ins Netzwerk.

Alles drängt zum Netz: PC, Handy, Festnetztelefon, Fernseher, digitale Kamera und sogar die Kleidung am eigenen Leib. Wenn vom 9. bis 15. März die Cebit in Hannover zum 20. Mal ihre Tore öffnet, steht sie nach Angaben der Messeleitung unter dem Schlüsselthema der Konvergenz.

Gemeint ist das Zusammenwachsen von Informationstechnik, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Anders als noch in den ersten Jahren der Cebit liegt die Dynamik der Innovation nicht mehr bei der Hardware. Klar, die Geräte müssen praktisch und einfach zu bedienen sein. Die eigentliche Intelligenz aber liegt in der Software, und auch die zieht es ins Web.

Vista und Office 2007 streben mehr denn je ins Netz

Der Internet-Browser stellt nicht nur Texte und Bilder dar, sondern dient als Plattform für immer komplexere Computerprogramme. Auf diesen Trend reagiert auch Software-Marktführer Microsoft, der auf der Cebit gleich zwei große Neuheiten präsentiert - Windows Vista und Office 2007 sollen bis zum Jahresende erscheinen. Beide werden zwar nach wie vor auf dem PC installiert, sind aber weit mehr als die Vorgänger auf das ständige Zusammenspiel mit dem Internet angelegt.

Wichtigster Trend bei der Business-Software ist die "Service-Oriented Architecture" (SOA). Damit wird die Interaktion von Software-Bausteinen im Internet bezeichnet, die sehr flexibel gestaltete Dienste für vielfältige Unternehmensanwendungen bereitstellen - gleichgültig ob unter Windows, Linux oder auf einem Mac.

Das Telefonieren übers Internet, eines der wichtigsten Themen der Cebit 2005, hat inzwischen im Massenmarkt Fuß gefasst. Jetzt zeigen Spezialanbieter wie sipgate Bildtelefone und Handys mit "Voice over IP".

Nicht nur Menschen und Software-Bausteine kommunizieren eifrig im Internet. Die drahtlose Funkchip-Technik RFID verbandelt auch Dinge aller Art über das Netz. Die "Radio Frequency Identification" organisiert den Eintritt ins WM-Stadion, die Postverteilung im Unternehmen oder den Ski-Verleih im Winterurlaub. Auf einem Stand des Handelskonzerns Metro zeigt das Netzwerkunternehmen Cisco zusammen mit dem RFID-Spezialisten Intermec, wie die Daten von einzelnen Produkten über mehrere Stationen einer Handelskette ausgetauscht werden. Und der Hersteller Vorwerk präsentiert im "Future Parc" einen Teppichreinigungsroboter, der mittels RFID gesteuert wird.

Jede Menge Zugaben

Ein erstmals auf der Cebit eingerichteter Ausstellungsbereich RFID soll auch auf Bedenken des Datenschutzes eingehen. Unter dem Motto "Digital Living" gibt es in Halle 27 einen eigenen Schwerpunkt zur Unterhaltungselektronik. Zu den Themen gehören das Zusammenwachsen von Fernsehen, PC und Internet sowie das hochauflösende Fernsehen HDTV, dessen Anbieter sich von der Fußball-WM entscheidenden Impulse erhoffen. Einen PC mit gleich zwei Fernsehkarten zeigt der deutsch-japanische Hersteller Fujitsu-Siemens: Der "Deutschland PC VII" empfängt Satellitenfernsehen ebenso wie analoges Kabelfernsehen oder DVB-T. Zwei Festplatten mit zusammen 320 Gigabyte bieten genügend Platz, um Fernsehsendungen aufzuzeichnen. Den Rechner mit einem Athlon 64 4200+ als Prozessorherz gibt es ab 6. März für 999 Euro. Dass es die PC-Hersteller nach wie vor nicht einfach haben, zeigen die mitunter verzweifelt wirkenden Zugaben, mit denen um Käufer geworben wird: Bei Fujitsu-Siemens gibt es zum "Deutschland PC VII" einen Gutschein für ein Wochenende mit einem Mietwagen dazu. Und wer bei Toshiba das neue Notebook "Qosmio G30-137" mit Doppelkernprozessor von Intel zum stolzen Preis von 2.999 Euro erwirbt, bekommt als Draufgabe einen Gutschein für ein WM-Spiel.

Weil nach Musik und Fotos auch die bewegten Bilder verstärkt ins Netz drängen, nimmt der Bedarf an Internet-Bandbreite weiter zu. Für die Wohnung gibt es DSL bis 6 Megabit pro Sekunde, und auch unterwegs wird eifrig an den Bandbreiten gebastelt. Der neue WLAN-Standard IEEE 802.11n für die drahtlose Internet-Anbindung an einzelne "Hotspots" überwindet die Schwelle von 100 MBit/s und erreicht theoretisch sogar 600 MBit/s.

Turbo für UMTS

Langsamer, aber dafür umfassender in der Flächenabdeckung ist HSDPA, die Weitentwicklung des Mobilfunkstandards UMTS. Nach dem Abschluss der Tests starten T-Mobile und Vodafone auf der Cebit ihre Angebote in dieser neuen Technik, die das UMTS-Tempo von 384 Kilobit pro Sekunde im Download auf 1,8 MBit/s fast verfünffacht. Dass da noch mehr drin ist, demonstriert Vodafone auf der Cebit mit einer Installation, die bis zu 10 MBit/s im Download und 1,6 MBit in der Gegenrichtung verspricht. Zum Einsatz kommt HSDPA zunächst in Form von Datenkarten für das Notebook. Gefragt ist das mobile Breitbandnetz aber auch für das "Mobile TV" auf dem Handy. Ob es da auch bewegte Bilder von Spielen der Fußball-WM geben wird, ist weniger ein technisches als ein Rechte-Problem.

Digitale Mode-Kollektionen

Selbst vor der Kleidung macht der digitale Lebensstil nicht Halt. Im "Future Parc" der Cebit werden "digitale Kollektionen" von Pierre Cardin, rosner und anderen gezeigt, die "textile Bedienungsfelder für integrierte MP3-Player und andere Bluetooth-Module" enthalten. Die Kleidungsstücke soll es bereits im Herbst dieses Jahr im Kaufhaus geben.

Peter Zschunke/AP AP

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