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Nach dem Tod des Apple-Gründers: Der Jobs-Blues

Prince oder Michael Jackson? Oasis oder Blur? Gates oder Jobs? Man muss sich entscheiden im Leben. Jobs' Tod ist eine kulturelle Zäsur, keine technische. Ein melancholischer Blick zurück.

Von Florian Güßgen

Es waren die 80er, Generation Golf. Der Informatikraum der Schule war unten im Keller, gesichert durch eine schwere Stahltür. Wer rein wollte, musste klingeln. Drinnen war es kühl, die Lüftung summte. Und da standen sie: die Apples. Große beige Maschinen, Bildschirme mit hellgrünen Lettern vor dunkelgrünem Hintergrund. Davor saßen die Geeks der ersten Generation, Mitschüler, die in den Basic-Kursen gut waren, programmieren konnten, Tage und Nächte dort unten verbrachten.

Damals schon gab es zwei Freakkulturen: Die einen, denen es um den Computer ging, um die reine Technik, das Gerät, das Machbare, die Popper der Technik, uncool im realen Leben, mit Physik- und Matheleistungskurs, Aktenkoffern mit schwarzen Kunstlederbezügen. Sie konvertierten früher oder später zu Microsoft und den PCs, und sie hatten keine Freundin. Und es gab die Apple-Anhänger, schon damals. Die waren cool. Die konnten auch rechnen, programmieren. Die saßen auch stundenlang vor den Bildschirmen. Aber sie hassten Microsoft (verächtlich auch gerne und gar nicht lustig "Mikroweich" genannt), spielten in der Regel in einer Band, gingen mit dem Informatiklehrer trinken, kifften bisweilen - und waren auf Partys, auf denen Mädchen zumindest eingeladen waren. Der coole Steve Jobs, dieser moderne Hippie, war ihr Held, Bill Gates ihr ideologischer Gegner. Beatles oder Stones? Prince oder Michael Jackson? Oasis oder Blur? Bayern oder Sechzig? Jobs oder Gates? Irgendwann muss man sich halt entscheiden im Leben. Und die Macs, die waren einfach geschmeidiger, stimmiger, freundlicher, Ausdruck einer Haltung.

Die echten Jobs-Jünger waren Avantgarde

Ich war nie ein Geek, immer ein digitaler Mitläufer. Und so lief ich dem Jobs-Feeling in der 500. Reihe hinterher. Nach dem Commodore 64 und dem Commodore 128 kam der Macintosh Classic von Apple. Es war eine Lust. Ich gehörte zur Jobs-Community, irgendwie, freilich ohne auch nur einen Hauch vom Programmieren zu verstehen. Aber egal: Der bunte Apfel war nicht nur Markenzeichen. Er war Bekenntnis.

Wer damals, in den ersten WGs der Großstadt etwas auf sich hielt, hatte einen Mac auf dem Schreibtisch mit der Ikea-Glasplatte stehen. Spätestens nach dem zweiten Augustiner-Bier kriegten die Geeks leuchtende Augen - und erzählten von Steve Jobs und seinen Reisen zu Hippie-Festivals. What a feeling. Später, als gut bezahlte Programmierer oder als Software entwickelnde Physik-Studenten, haben sich diese Geeks immer einen Schuss Anarchie bewahren können, eine besondere Freiheit. Sie waren Avantgarde, vornedran in einer Zeit, in der das, was sie konnten, plötzlich etwas wert wurde. Das wussten sie. Und sie glaubten an die Philosophie von Apple, auch als Jobs selbst von Bord ging. Sie waren treu, in guten wie in schlechten Zeiten.

Ich selbst habe Jobs verraten. Ende der Neunziger. Bis zu einem fiesbraunen MacBook, schwer wie ein Ziegelstein, habe ich ihm zwar noch die Stange gehalten. Aber dann war Schluss. Apple schien mir nicht mehr mühelos, nicht mehr einfach, nicht mehr kompatibel genug. Dieses ewige Hin und Her. Geht das? Passt das? Und die Geeks waren nicht mehr immer sofort erreichbar. "Es geht nicht mehr, Apple", dachte ich - und wechselte in das Reich des Bösen, die schnöde Welt der PCs und der Windows-Rechner mit ihren absurden DOS-Befehlen. "Wer mit 18 kein Kommunist ist, hat kein Herz, wer mit 30 noch Kommunist ist, hat keinen Verstand", hat mir jemand mal gesagt. Das schien auch auf die Apple-Philosophie zuzutreffen. Ich schloss den Pakt mit Gates.

Klar. Auch haben wollen

Bis heute nagt dieser Verrat schwer an mir. Er hat sich als grandioser Fehler erwiesen. Und er wurde bitter bestraft: mit kultureller Isolation. Denn plötzlich war Jobs, war Apple wieder zurück. Größer und mächtiger denn je. War wieder aufgestiegen, hatte einen Hit nach dem anderen, war Taktgeber für Kultur, Mode und Musik. Statussymbol. That same old feeling. Plötzlich Mainstream, Avantgarde für die Masse, marktbeherrschend. Wer zu Beginn der Nuller durch neohippe Cafés in Berlin-Mitte strich, durfte bewundern, wie sich alle Twenty-, Thirty- und bisweilen auch Fortysomethings, die im allerweitesten Sinne irgendwas mit Medien zu tun hatten, anarchisch mit den weißen MacBooks uniformierten. An den hauswandhohen Plakaten, die die vielen Berliner Baustellen verhüllten, tanzten weibliche Schatten mit Jobs' Ipod in der Hand. Mich quälten moralische Bedenken: Würde ich als Opportunist dastehen, sobald ich wieder mit einem Apple-Produkt auftauchte? Man will ja halbwegs glaubwürdig bleiben.

Natürlich bin ich dann doch wieder umgefallen. Erst habe ich mir einen iPod gekauft, dann ein iPhone, dann ein iPad. Es fühlte sich ein wenig so an, als wäre ich im Frühjahr 2011, kurz nach der Wahl in Baden-Württemberg, den Grünen beigetreten. Ich habe mich nicht einmal davon irritieren lassen, dass mir beim Kauf des iPads ein grenzdebil wirkender Verkäufer mit schwarzem Apple-T-Shirt entgegengeeilt kam und mich behandelte wie einen zurückgebliebenen Dreijährigen. Als ich auf ihn zuging, grinste er mich an wie ein feistes, glänzendes Honigkuchenpferd. Und bevor ich ihn begrüßen konnte, rief er mir fröhlich entgegen: "iPad? Auch haben wollen?" Als würde er eine Kombi aus Unsterblichkeit, ewigem Glück und Erlösung verticken. Ich nickte nur. Klar. Auch haben wollen.

Ein schwarzer Schatten über der digitalen Biografie

Aber was soll's? iPod, iPhone, iPad - die Dinger sind allesamt cool, nützlich. Sie machen mich, ungeachtet aller Konsumkritik, glücklich. Ich bin wieder daheim, in Steve Jobs' digitalem Hafen. Um wieder dazuzugehören, habe ich Ablass gezahlt, sogar gerne. Den sündhaft teuren AppleCare Protection Plan habe ich in mehreren Fassungen gekauft. Und als mutmaßlich allerletzter User weltweit habe ich einen Bezahlvertrag für das System MobileMe abgeschlossen - wenige Wochen bevor bekannt wurde, dass es abgeknipst werden sollte.

Und doch, ich will ehrlich sein, liegt über meiner digitalen Biografie weiterhin ein schwarzer Schatten. Noch arbeite ich zu Hause auf einem Windows-Gerät, einem PC. Der Rechner funktioniert. Und dann auch wieder nicht. Denn seit fast einem Jahr heulen die Sirenen in mir: Die Macs, das MacBook Pro oder das MacBook Air, wären viel besser für dich, singen sie. Mit viel besserer, schönerer Software. Ich hadere seit Monaten, aber bislang hat die Vernunft Oberhand behalten.

Dieser Donnerstag könnte das ändern. Wie viele andere hat mich der Tod Steve Jobs' auf seltsame Weise berührt. Ich lese die Nachrufe, sehe mir die Zusammenschnitte seiner grandiosen Präsentationen an, surfe zur Apple-Seite, wo sie seiner gedenken, schlicht und schön, finde heraus, dass Google auf seiner Startseite weltweit auf die Apple-Seite verlinkt. Und habe das Gefühl, hier ist ein Popstar gestorben, hier geht eine Art kulturelle Epoche zu Ende, ein Rahmen, in dem wir, in dem auch ich gelebt habe - entworfen von Jobs.

Warum Jobs' Tod so bewegt? Wer weiß. Über die quasireligiöse Wirkung von Apple ist viel geschrieben worden. Vielleicht war das Entscheidende aber seine Leidenschaft, die in jedem seiner Produkte durchschien und bei jedem seiner Auftritte, gepaart mit einer durch Jeans und Rollkragenpulli ausgedrückten Bescheidenheit. Jobs' Leidenschaft wirkte authentisch. Es ging ihm anscheinend nie vor allem ums Geld.

Ob ich mir jetzt, als persönliche Referenz an Jobs, doch wieder einen Mac kaufe? Vielleicht. In jedem Fall wird es Zeit zu gucken, wie es den Geeks aus dem Informatikraum von damals jetzt geht. Nicht heute, aber in ein paar Tagen. Heute spielen die echten, treuen Jünger den ganzen Tag den Jobs-Blues. Da bin ich mir sicher. Mit Technik hat das nur wenig zu tun.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(