HOME

Scheibes Kolumne: Die Nintendo Wii ist da!

stern.de-Kolumnist Scheibe ist ein Golfer, ein Bowling-Experte und ein Tennis-Ass. Ehrlich. Schuld am plötzlichen sportiven Erfolg ist die Nintendo Wii, die im Wohnzimmer steht und nach und nach die ganze Familie infiziert. Eine erste Bestandsaufnahme.

Über tausend Umwege habe ich mir am Ende doch eine Nintendo Wii sichern können - meine erste Spielekonsole. Natürlich packe ich sie sofort aus. Und während der Hund den Karton zernagt, räume ich mit starker Hand den Stapel ausrangierter VHS-Videos neben dem Fernseher beiseite und stelle die Wii auf. Ganz schön klein ist die Konsole. Schnell ist sie mit der Steckdose verkabelt. Cool: Die drei Videoeingänge für die Konsole befinden sich gleich rechts an meinem TFT-Fernseher, direkt neben der Wii. So ist es auch kein Problem, die Konsole an den Fernseher anzuschließen.

Die Fernbedienung, die man kabellos in der Hand hält, braucht zwei Batterien, dann kann der Spaß auch schon beginnen. Die Spiele für die Konsole kommen auf einer Silberscheibe daher, die von einem Automatismus ins Gehäuse gesaugt wird. Ich starte mit "Wii Sports", einer Spielesammlung mit Sportsimulationen, die perfekt dafür geeignet sind, die Wii Remote in Szene zu setzen. Schnell erkennen wir, dass eben diese Fernbedienung der Wii der eigentliche Knaller der ganzen Konsole ist. Das lange Teil liegt gut in der Hand. Damit das so bleibt, muss man die Hand durch eine Schlaufe stecken und diese dann festzurren. Überall auf der Wii Remote gibt es Knöpfe und Taster. Wichtig sind aber zunächst nur die A-Taste auf der Vorderseite und die B-Taste auf der Rückseite.

Hintern raus, Füße zusammen

Ich probiere eine Weile herum. Der TFT-Fernseher zeigt ein leuchtendes Bild, das sich perfekt an die 16:9-Ausrichtung meiner Glotze anpasst. Mit der Wii Remote steuere ich einen Pfeil, der wie ein Mauspfeil dabei hilft, mich durch das Menü zu hangeln - bis zu meinem Spiel. Ich starte zuerst einen Golf-Parcours und gehe gleich auf neun Löcher. Der Clou ist, dass ich mich wie ein Golfer hinstellen und die Wii Remote wie einen Schläger schwingen kann. Ein schmaler Sensor, der oben auf dem Fernseher klebt, nimmt die Bewegung der Wii Remote auf und setzt sie 1:1 für das Spiel um. Das klappt vorzüglich und sorgt für weit fliegende Golfbälle auf dem Bildschirm. Schon stehe ich in perfekter Haltung zwischen Couch und Wohnzimmertisch, um mit herausgedrücktem Hintern und eng zusammenstehenden Füßen den perfekten Abschlag zu proben. Frustrierend ist nur, dass meine kleine Tochter auch mit wildem Gefuchtel der Remote dazu in der Lage ist, den Golfball fliegen zu lassen. Das ist ungerecht. Ungerecht ist auch, dass mein Sohn trotz eines viel ungelenkeren Abschlags immer wieder vorne liegt und vor mir einlocht. Schnell hat er das System durchschaut: "Papa, du schlägst zu doll. Dann driftet der Ball immer ab."

Die Frau nähert sich

Meine Frau, die Computerspiele für Teufelszeug hält und den Kindern selbst den "Space Invaders"-Klon als zu gewalttätig verbietet, nähert sich misstrauisch. Erst schimpft sie über die hohe Ausgabe, den digitalen Unsinn und das Kind im Manne, dann greift auch sie zur Wii Remote, um Tennis zu spielen. Schon rennt sie vor dem Bildschirm hin und her und schwingt das Bein hoch in die Luft, um den Ball per Vorder- oder Rückhand übers Netz zu treiben. Bald fließt der Schweiß, und die Erkenntnis reift: "Das ist ja anstrengender als im Fitness-Studio."

Nachdem sich die Familie nun jeden Abend zum Sportturnier trifft, bis weitere Spiele eintreffen, gibt es großen Ärger um die Wii. Wir haben nur eine Fernbedienung und so muss diese ständig den Besitzer wechseln - das nervt. Was aber schon bei der Wii selbst der Fall war, wiederholt sich bei den Ersatzteilen: Die Fernbedienung ist überall ausverkauft. Zum Glück entdecke ich online dann doch einen Shop, der die Remote lieferbar hält und bestelle drei Stück. So brauche ich mich auch nicht mehr darüber ärgern, dass meine Tochter immer die Fernbedienung mit ihren klebrigen Zuckerfingern verkleistert - und kann meine eigene Fernbedienung ölen, wachsen und polieren, auf das ich beim Bowling schon bald die absolute Nummer eins bin. Strike!

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania