Scheibes Kolumne Ich krieg (k)eine Nintendo Wii


stern.de-Mitarbeiter Scheibe ist entsetzt. Da möchte er endlich mal eine Spielekonsole haben - und kriegt sie einfach nicht. Diese Nintendo Wii ist flüchtiger als Nebel in der Morgensonne. Dabei wollte sich Scheibe doch nur selbst ein Geschenk zu Weihnachten machen.

Die Sony PlayStation hat mich nicht gelockt. Die Microsoft XBox hat mich nicht gereizt. Auch die Nintendo Wii hat mich erst völlig kalt gelassen. Mensch, wieder so ein Kasten, den ich an den Fernseher anschließen muss und der einem für schweineteures Geld Spiele andreht, die ich doch ohne hohe Kosten auch am Computer selbst spielen kann. Doch dann kamen immer mehr Berichte über die Wii im Fernsehen. Angetan hat es mir vor allem ein Boxspiel, das in den Nachrichten vorgestellt wurde. Mit dem bewegungssensitiven Controller in der Hand kann man da anscheinend richtig in die Luft boxen. Also nix mit Joystick und so: Hier ist echte Action angesagt.

Der Wunsch, mir eine Nintendo Wii zuzulegen, reifte langsam - wie guter Schimmelkäse im Keller. Dann stand die Entscheidung fast schon fest. Ich schaute auf das Konto und sah, dass es genug Einnahmen aufwies, um die Investition zu rechtfertigen. Ein Weihnachtsgeschenk nur für mich selbst sollte es werden, die Wii. Natürlich dürften dann später auch die Kinder mitspielen, aber in erster Linie sollte es eine Büroinvestition sein. Über entsprechende Artikel in der Fachpresse würde ich das Gerät auch gleich wieder refinanzieren können.

Zweimal den Gong verpasst bekommen

Ich schrieb also mit der einen Hand eine Mail an die Berliner Morgenpost, um der Redaktion einen Leitartikel über die Nintendo Wii anzubieten. Mit der anderen tippte ich die Adresse von Amazon in den Browser, um das Gerät zu bestellen. Knapp 250 Euro sollte es ja kosten. In den nächsten Minuten passierte zweierlei. Gong 1 kam von der Mopo. Die sagten mir ab, sie hätten dazu doch gerade erst einen Leitartikel gebracht. Und ob ich denn hinter dem Mond leben würde, das Thema wäre doch so heiß, dass es ihnen schon die Seiten anbrennt. Zugleich verpasste mir Amazon den Gong 2. Bei Amazon selbst gab es das Gerät überhaupt nicht. Dafür aber auf dem angeschlossenen Marktplatz. 36 Leute boten das Gerät hier zum Kauf per Mausklick an - sofort versandfähig. Allerdings wollte der "billigste" Anbieter noch immer 350 Euro für seine Wii haben. Klarer Fall: Die hatten sich im Handel ein rares Gerät organisiert und vertickten es nun mit 100 Euro Gewinnspanne weiter.

Nicht mit mir. Ich legte den Artikelverkauf erst einmal zu den Akten und konzentrierte mich stattdessen auf den Kauf der Konsole. Bei Ebay wurden neue Geräte preiswert versteigert. Ich ging voll mit und hatte immer wieder günstige Wiis für 220 oder 230 Euro vor Augen. Kurz vor dem Ende einer Auktion schoss der Preis dann aber doch immer wieder auf über 300 Euro hoch. Um Gottes Willen: So wird das doch nix.

Also griff ich mir meinen liebsten Preisvergleicher und ließ ihn auf die Daten von 7.000 Online-Shops los. Klar: Da ist bestimmt eine günstige Wii zu finden. Das Ergebnis war allerdings frustrierend. Die Nintendo Wii war bei allen Shops AUSVERKAUFT. Selbst die Shops, die in der Übersicht des Preisvergleichs noch "lieferbar" meldeten, schalteten sofort auf "ausverkauft" um, sobald ich die Detailseite der Wii im Shop öffnete. Selbst die sauteuren Anbieter, die eine Wii ebenfalls für über 300 Euro verkaufen wollten, hatten keine mehr auf Lager. Keine Frage: Einen größeren Bestseller direkt vor Weihnachten hat schon lange niemand mehr gelandet.

Nix zu holen

Eine schockierende Erfahrung: Selbst mein heiß geliebtes Internet, das doch sonst immer ein reines Shopping-Eldorado für mich war, ließ mich eiskalt im Stich. Alle meine Tricks und Kniffe funktionierten nicht. Und so ließ ich mich dazu hinreißen, meiner Mitarbeiterin Jeanine einen frommen Wunsch mit auf ihre Shopping-Tour durch die Läden Berlins zu geben. Sollte sie beim Einkauf von Geschenken eine Nintendo Wii im Media Markt bemerken, dann wäre es toll, wenn sie mich anrufen würde. Das tat sie dann auch. Dummerweise war ich gerade mit einer anderen Arbeit abgelenkt, als sie mich anrief. Drei Wiis gäbe es im MediaMarkt in Berlin-Spandau noch, meldete sie. Ob sie mir gleich eine kaufen sollte? Ich verneinte und gab an, ich wäre mir mit dem Kauf noch nicht so ganz sicher. Und zurücklegen? Ich verneinte auch das. Bis die drei Konsolen weg wären, wäre ich schon selbst vor Ort. Nach der Arbeit war der Virus dann wieder voll da - ich musste das Gerät haben. Also setzte ich mich zur schönsten Rush Hour ins Auto und brauste nach Berlin.

Unglaublich, aber wahr: Ich war zum ersten Mal in einem MediaMarkt. Unglaublich: So viel Technik. Und noch schlimmer: So viele Leute! Der von mir mit beiden Händen festgehaltene Verkäufer fing an, hysterisch zu lachen, als ich von ihm wissen wollte, wo denn die drei Wiis zu finden wären, die hier noch auf einen Käufer warten sollten. Na klar - ausverkauft. Ich Trottel. Da hatte ich die Konsole über Jeanine schon am Haken - und hab's vermasselt.

Eine Nacht drüber schlafen - das brachte auch nix. Ich war immer noch heiß auf die Konsole. Und so zückte ich den Presseausweis und mailte Nintendo an. Ob man denn nicht einem Journalisten helfen könne, der über die Nintendo Wii etwas schreiben möchte. Ich wollte kein Gerät geschenkt oder geborgt haben, sondern nur eins regulär kaufen, sozusagen an der Quelle. Aber selbst Nintendo musste blocken: Keine Geräte mehr da, sorry, erst im kommenden Jahr wieder.

Endlich...

So ein Mist. In meiner Verzweiflung surfte ich wahllos und orientierungslos durch das Internet. In einer News bei PCWelt.de stolperte ich dann über einen Artikel über Bundles - und das es in einem Online-Shop noch Bundles der Nintendo wii geben sollte. Ich folgte dem Link und tatsächlich: Ich fand die Nintendo wii verfügbar, lieferbar und bezahlbar. Zwar musste ich tiefer in die Tasche greifen, um auch gleich noch ein paar Spiele mitzukaufen, die zum Paket dazugehörten, aber sei es drum. Das Geld ist inzwischen per Vorkasse überwiesen, ich habe die Auftragsbestätigung per Mail erhalten und hoffe nun, dass ich meine erste Spiele-Konsole noch in diesem Jahr in Händen halten werde.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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