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Scheibes Kolumne: Wundertüte Internet

Ich geb es ja schon zu - ich bin ein echtes Spielkind. Besonders faszinierend finde ich die vielen Dienstleister im Internet, die mir gegen geringe Bezahlung so manche Arbeit abnehmen. Letztes Jahr habe ich mich an den Gewinnspielen versucht. Dieses Jahr sind die kostenlosen Warenproben an der Reihe.

Ich geb es ja schon zu - ich bin ein echtes Spielkind. Besonders faszinierend finde ich die vielen Dienstleister im Internet, die mir gegen geringe Bezahlung so manche Arbeit abnehmen. Letztes Jahr habe ich mich an den Gewinnspielen versucht. Dieses Jahr sind die kostenlosen Warenproben an der Reihe.

Jede Menge Mails aber kein Gewinn

Der Computer ist nicht nur zum Arbeiten da. Man darf durchaus auch etwas Spaß mit seinem Gerät haben. Letztes Jahr habe ich etwa einen Anbieter gefunden, der mir zehn Euro im Jahr abknöpfte. Dafür wollte er mich bei 200 Gewinnspielen im Internet anmelden - pro Monat. Gewinnspiele im Internet sind echt toll. Als das vor ein paar Jahren richtig losging, konnte man noch per Mausklick etwas gewinnen. Ich habe bei Kress.de eine BRAVO-Sporttasche abgesahnt, weil ich eine Frage richtig beantwortet habe. Leider konnte ich die Tasche mangels Gelegenheit aber noch nie benutzen. Mein Kumpel Marco hatte da schon mehr Glück und gewann eine Reise nach Dresden - mit Übernachtung im Nobelhotel. Jetzt träume ich davon, das noch zu toppen. Aber wer hat schon die Zeit, bei Kostenlos.de nach neuen Gewinnspielen zu suchen, um dann auf einer Zielseite herauszufinden, wie viele Bierflaschen auf den Online-Seiten einer Brauerei versteckt sind? Obwohl: Spaß macht es schon. Und die Preise sind so lecker. Den giftgrünen Becks-Kugelgrill für Gartenfeste hätte ich ebenso gerne gehabt wie das schmucke Cabrio, das von einem großen Reiseunternehmer verlost wurde. Aber: Das Glück war mir im letzten Jahr leider nicht mehr hold. Auch der Online-Dienstleister, der meine E-Mail-Adresse nachweislich bei so vielen Gewinnspielen streute, brachte mir nur noch einen Haufen Bestätigungs-Mails ein - aber keinen einzigen Gewinn. Es essen bereits zu viele Leute vom Kuchen - das drückt die Quoten.

Lotto online: nichts als Mails

Inzwischen spiele ich begeistert Lotto - natürlich auch online. Das ist total cool. Erst bekomme ich eine Bestätigungsmail für mein Dauerlos. Das listet noch einmal alle Zahlen, die ich vor ein paar Wochen auf der Lotto.de-Homepage per Mausklick getippt habe. Dann verrät mir eine weitere Mail die Zahlen der aktuellen Ziehung. Eine dritte Mail, wieder einen Tag später abgeschickt, teilt mir mit, was ich gewonnen hätte, etwa bei drei, vier oder fünf Richtigen. Die Betonung liegt auf dem Wort "hätte". Ich warte leider vergeblich auf die vierte Mail, die mir mitteilt, dass ich nie wieder arbeiten gehen muss, weil ich den Jackpot mit den sieben Millionen Euro geknackt habe. Wahrscheinlich ist das aber genau die Mail, die mein Spam-Filter vollautomatisch vernichtet. Vielleicht bin ich ja bereits Millionär?

Produktproben statt Gewinnspiele

Das Ganze ist frustrierend, ich brauche dringend spürbare Erfolge. Und so habe ich die Gewinnspiele inzwischen abbestellt und bin stattdessen Kunde bei einem Warenprobeversender geworden. Beim Probenexpress.de zahle ich wieder einen kleinen Betrag ein. Dafür soll ich ab sofort ganz legal 50 kostenlose Produktproben im Monat erhalten. Cool total. Ich liebe Produktproben. Und tatsächlich gleicht der Briefkasten ab sofort einer Wundertüte. Erst bekomme ich Post von McDonalds. Ein kleiner bunter Zettel voller Gutscheine verspricht mir Prozente satt, wenn ich mal wieder beim alten Schotten einkehre. Was ich immer wieder gerne tue. Schnell falte ich den Zettel zusammen und verstaue ihn im Portemonnaie. Denn dummerweise ist der Gutschein schon einen Monat alt und nur noch eine Woche gültig. Mal sehen, ob ich das schaffe. Alle paar Tage trudeln jetzt neue Proben im Büro ein. Mit der nachtschwarzen Always Ultra im String-Tanga-Schnitt kann ich zwar nur bedingt etwas anfangen. Dafür freue ich mich aber über die dicken Kochbroschüren vom Maggi Kochstudio. Vor allem die Broschüre "Knackig bunte Salat-Vielfalt" hat es mir angetan. Sagt doch mein Arzt, ich soll mit meinem Gallenstein lieber mehr Olivenöl als knackige Steaks essen. Nur das Gratisheft zum Thema Surfen erfüllt mich mit dumpfen Fernweh. Jetzt mit einem BigMac am Strand von Maui und den Surfern beim Wellenreiten zusehen - das wär’s.

Carsten Scheibe
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