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Dortmund schlägt Real Madrid: Schwarz-gelbe Wundertüte

Tabellenführer in der Champions League, abgeschlagen in der Bundesliga - warum diese Saison für Borussia Dortmund ganz anders verläuft als die letzte.

Von Wigbert Löer, Dortmund

Die Uefa hatte auf den Monitoren im Dortmunder Stadion Historisches bekannt gegeben. 1909, war zu erfahren, sei der Verein "Borussia Dortmus" gegründet worden. Aus Dortmunder Sicht war das einer der wenigen Fehler an diesem Herbstabend. 2:1 gewonnen gegen den Gruppenfavoriten Real Madrid, nicht überdeutlich, aber nicht unverdient, mit manchen langen Bällen und einigen Kurzpassgewittern, mit so viel Kampf schließlich, wie es braucht bei einem Gegner, der mit Ronaldo, Benzema, Özil und Di Maria angreift: Dortmund machte kein Mus aus Madrid, rang das Ensemble spanischer Campeones aber nieder - und spielte dabei von Anfang an mit.

Wer diesmal nicht verteidige, sei "ein Arschloch", hatte Trainer Jürgen Klopp vor dem Spiel den Spielern und einem Fernsehsender erklärt - seine Mannschaft erwies sich nun als arschlochfreie Zone. Es rannten zurück Reus und Götze und sowieso Großkreutz. Es stießen nach vorn Piszczek und Schmelzer. In der Mitte dürfte sich Sebastian Kehl gelegentlich gefragt haben, in was für eine Mannschaft es ihn gegen Ende seiner Karriere eigentlich verschlagen hat. Er selbst passte munter mit, zuweilen in der Handlungsgeschwindigkeit seiner Kollegen Reus, Götze und Lewandowski. Durchaus beeindruckend, diese Dortmunder.

Wo steht der BVB?

Diese Dortmunder, die in der laufenden Saison so oft schon gestrauchelt sind. Der FC Bayern, den man über zwei Jahre dauerbezwang, zuletzt beim DFB-Pokalfinale im Mai mit fünf Toren demütigte, ist ihnen enteilt in der Liga. Selbst Schalke hat sich schon ein Stück entfernt, aktuell der Rivale um die Vizemeisterschaft. Die Statistiker zählten unerbittlich auf: Dortmund wurde zuletzt öfter ausgekontert, fing mehr Gegentreffer nach hohen Flanken, begab sich in der Defensive seltener in die Zweikämpfe.

Wo eigentlich steht "Borussia Dortmus" Ende Oktober 2012? Und was kann man erwarten von einem Verein, der seinen Zehner Shinji Kagawa verlor und seinen Kader dennoch qualitativ verstärkte? Selbst Bayern München ist ja eher selten dreimal hintereinander Deutscher Meister geworden, und vielleicht fallen die Ereignisse im Fußball zu schnell aufeinander, vielleicht sind es über die Wochen und Monate zu viele Wettkampftage, als dass man andauernd am Limit spielen kann, mit vollem Einsatz und hoch konzentriert. Dortmund ist das in den vergangenen zwei Spielzeiten in der Bundesliga über lange Strecken gelungen. Nun hängen sie in der Liga eben etwas durch. Der Innenverteidiger Mats Hummels spielte anfangs nicht so doll, der Mittelstürmer Robert Lewandowski traf nicht mit gewohnter Sicherheit, zwei Beispiele nur, die aber schon erklären können, warum die mit dutzenden Millionen aufgemotzte Münchner Mannschaft davonziehen konnte.

Noch nicht durch

Nach zwei Jahren Dauerhochleistung fällt es den Dortmundern offenbar leichter, sich auf die Champions-League-Einsätze zu konzentrieren. Sie haben Glanz in der Gruppe mit den Meistern aus Spanien, England und Holland, sie haben etwas gut zu machen, da sie letztes Jahr gegen deutlich schwächere Gegner untergingen.

Es sind noch drei Partien zu spielen bis zum Achtelfinale, und mit sieben Punkten ist Dortmund längst noch nicht durch. Aber mit dem Heimsieg gegen Real Madrid sind sie ihrem Ziel näher gerückt, das im Klub so niemand formuliert hat, das aber natürlich lautet, auch nach Weihnachten noch international zu spielen. Die Bundesliga ist das Kerngeschäft der Borussia, aber die europäische Herausforderung ist in dieser Saison größer als die nationale.

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