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Bundesliga-Vorschau: Endspurt mit Fotofinish

Selten lagen die Vereine punktemäßig so nah aneinander. Besonders beim Abstieg ist noch alles offen. Da werden schnell noch ein paar Trainer gefeuert und neue oder alte Kandidaten berufen. Und über die Zukunft von Jens Lehmann wird heftig spekuliert.

Wundertüte Bundesliga - neun Spieltage vor dem Saisonfinale spricht viel für einen Endspurt mit Fotofinish. Alle 18 Teams sind entweder in den Kampf um den Titel, die Europacup-Plätze oder den Klassenverbleib verwickelt. Diese prickelnde Konstellation garantiert Endspiele en masse - und sorgt für reichlich Aktionismus. Vor allem im Tabellenkeller mit zehn gefährdeten Teams liegen die Nerven blank. Die gescheiterten Cheftrainer Jürgen Röber (Dortmund) und Frank Geideck (Bielefeld) sind die jüngsten Opfer.

Gleich vier Fußball-Lehrer stehen am 26. Spieltag im Rampenlicht: Thomas Doll feiert nur sechs Wochen nach seinem Aus in Hamburg ein Comeback in Dortmund, für Ernst Middendorp beginnt nach mehrjähriger Bundesliga-Abstinenz die dritte Amtszeit in Bielefeld. Darüber hinaus sorgten Mirko Slomka und Ottmar Hitzfeld für Schlagzeilen. Vor dem Spitzenduell mit Stuttgart verlängerte Slomka seinen auslaufenden Vertrag beim Tabellenführer FC Schalke 04 um zwei Jahre. Der eigentlich als Übergangslösung verpflichtete Ottmar Hitzfeld ließ sich in München zu einem Engagement bis 2008 überreden.

Slomka hat Großes vor

Mit der Bekanntgabe des Trainerdeals lagen die Bayern gestern zwei Stunden vor den Schalkern, doch im Titelrennen soll es nach Wunsch des Revierclubs umgekehrt laufen. "Ich habe hier Großes vor", sagte Slomka voller Hoffnung auf einen Sieg über den vier Punkte entfernten und personell angeschlagenen Tabellendritten aus Stuttgart. Die Rückkehrer Christian Pander, Peter Lövenkrands und Gerald Asamoah schüren die Hoffnung von Slomka auf einen Erfolg - ungeachtet der bedenklichen Entwicklung mit zuletzt vier sieglosen Spielen: "Wir sind derzeit Favorit auf den Titel."

Ähnlich wie "auf" Schalke" soll die Trainerzusage auch in München neue Kräfte freisetzen. "Schalke wirkt sehr nervös", tönte Torhüter Oliver Kahn vor dem Spiel in Frankfurt. Mit dem zweiten Auswärtssieg nacheinander wollen die Bayern erstmals seit dem 18. Spieltag wieder in die Top 3 und damit in die Champions-League-Zone zurückkehren. Manager Uli Hoeneß glaubt an die positive Wirkung der Hitzfeld- Entscheidung: "Ungewissheit ist eine schlechte Basis für Erfolg."

Einsatz von Hunt und Klose fraglich

Werder Bremen stimmte sich mit dem Einzug in das Viertelfinale des Uefa-Cups auf den bevorstehenden Showdown ein. Gleichwohl sorgten Pfiffe der Zuschauer für Unmut. Das trübte vor dem schweren Heimspiel gegen Mainz die Stimmung. Vorsicht ist geboten: Schließlich trifft der Tabellenzweite auf die erfolgreichste Rückrundenmannschaft. Zu allem Überfluss ist der Einsatz von Aaron Hunt für diese Partie ebenso fraglich wie der von Nationalspieler Miroslav Klose.

Noch aufregender als an der Spitze geht es in der unteren Tabellenhälfte zu. Selbst der Neunte aus Aachen ist nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Um den freien Fall zu stoppen, zog der BVB nach zuletzt drei Schlappen die Reißleine und ersetzte Röber durch Doll. Der neue Hoffnungsträger soll schon im Heimspiel gegen Nürnberg die Wende einleiten. "Die Spieler wissen, worauf es ankommt. Das spürt man, wenn man in ihre Augen schaut", sagte Doll in der Hoffnung auf eine Reaktion des zuletzt blutleeren Teams.

Bochum verlängert Vertrag mit Koller

Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich die Bielefelder von Rückkehrer Middendorp. Denn eine Niederlage in Aachen würde die ohnehin prekäre Lage des auf Rang 17 abgestürzten schlechtesten Rückrundenteams noch verschärfen. Der neue Coach will die Arbeit seines glücklosen Vorgängers Frank Geideck fortsetzen: "Ich werde den Teufel tun und hier alles umwerfen. Das Grundpotenzial ist da."

Anders als viele Mitkonkurrenten setzen die Bochumer in der Trainerfrage auf Kontinuität. Drei Tage vor der wichtigen Partie in Wolfsburg wurde der Vertrag mit Marcel Koller verlängert.

Spekulationen um Lehmanns Zukunft

Bei den Spekulationen um die sportliche Zukunft von Nationaltorwart Jens Lehmann ist plötzlich eine überraschende Alternative ins Spiel gekommen. Boulevard-Zeitungen in Deutschland und England hatten am Freitag die Möglichkeit publik gemacht, dass der 37-jährige Keeper im Sommer von Arsenal London zu Hertha BSC wechseln könnte. "Im Moment weiß ich davon nichts", erklärte Joachim Löw in Hannover. Er habe zwar mit Lehmann jüngst gesprochen, "aber da ging es nur um unser Spiel in Tschechien". Dennoch ist der Weg von Lehmann, den der Bundestrainer bereits bis zur EM 2008 zur Nummer 1 erklärt hatte, auch für ihn interessant. "Ich werde sicher in den nächsten Tagen das Gespräch mit ihm suchen und über seine Vertragssituation reden", kündigte Löw an.

Nach Saisonende ist Lehmann, der im Aufgebot für das Länderspiel am 24. März in Prag steht, ablösefrei. Bei Arsenal könnte er laut Medien-Berichten nur einen Zwölf-Monats-Vertrag bis 2008 erhalten. Trainer Arsene Wenger würde Lehmann gerne weiter verpflichten, ist aber an Vereinspositionen gebunden, wonach ältere Spieler nur Ein- Jahres-Kontrakte erhalten. Die "Bild"-Zeitung und die "Daily-Mail" schlossen daraus, dass Lehmann in die Bundesliga zurückkehren und für zwei Jahre nach Berlin wechseln könnte. "An Spekulationen beteilige ich mich nicht, es wird ja ständig mit Namen spekuliert", sagte Hoeneß auf dpa-Anfrage heutue vor dem Bundesligaspiel gegen Energie Cottbus.

Von Heinz Büse/DPA / DPA

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