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Sonys Neustart: Playstation Network hustet bei der Wiederbelebung

Sony hat seine Onlinedienste schrittweise wieder freigeschaltet. Nun ächzen die Server unter den vielen Anfragen. Während in Japan die Behörden den Neustart weiter verzögern, werden weitere Details über Hackerangriff bekannt.

Bei der Rückkehr ans Netz nach dem spektakulären Datendiebstahl kommen Sonys Spiele- und Medienserver nur schwer in die Gänge. Der japanische Konzern hatte zwar am Sonntag damit begonnen, seine Onlinedienste schrittweise wieder freizuschalten. Doch die Server stießen unter den vielen Anfragen zur Passwortänderung an ihre Grenzen, wie Sony am Montag mitteilte.

Sonys Heimat muss noch warten

Asien hingegen muss weiter auf die Freischaltung warten. Denn Sony spricht vor allem in Japan noch mit örtlichen Behörden über verbesserte Sicherheitsmaßnahmen. Das Unternehmen führe diese Unterredungen freiwillig, erklärte Satoshi Fukuoka, ein Sprecher von Sony Computer Entertainment. Er nannte keinen Termin, wann die Onlinedienste in Asien wieder ans Netz gehen.

Nach der schrittweisen Freischaltung zog Sony insgesamt aber ein erfreuliches Zwischenfazit. "Die erste Phase in den USA und Europa lief gut", sagte Fukuoka dem Magazin "PC World" am Montag. "Die Nutzer können auf die Dienste zurückgreifen. Es gab keine schwerwiegenden Probleme."

Update und Passwortänderung nötig

Um das Playstation Network wieder nutzen zu können, müssen Besitzer der Playstation 3 die Software ihrer Spielekonsole aktualisieren. Außerdem muss das Passwort geändert werden. Dies gilt auch für den Musik- und Filmdienst Qriocity, der ebenfalls wieder anlaufen sollte. In den meisten Gegenden der Welt habe der Prozess bereits begonnen, teilte der für den Bereich Videospiele zuständige Sony-Vertreter Kazuo Hirai am Sonntag per Video im Playstation-Blog mit.

Angriff mit gemieteten Servern

Inzwischen kommen auch weitere Details über den Einbruch in Sonys Netzwerke ans Licht. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, dass die Angreifer die Rechenpower von Amazons Cloud-Computing-Diensten genutzt haben. Unbekannte hätten unter falschem Namen einen Server von Amazons Elastic Computer Cloud (EC2) gemietet und von dort aus die Attacke gestartet, berichtet die Agentur unter Berufung auf einen anonymen Informanten. Amazon wollte sich laut Bloomberg nicht zu dem Vorfall äußern. Das Kundenkonto der Hacker sei aber gesperrt worden.

Amazon hat neben seinem Einzelhandelsgeschäft im Vermieten von Rechnerkapazitäten ein weiteres wichtiges Standbein gefunden. Viele Onlineshops und Cloud-Speicherdienste wie Dropbox setzen auf Amazons Rechenzentren. Und manchmal auch Hacker: Im November 2010 hatte der Kölner IT-Sicherheitsexperte Thomas Roth gezeigt, wie man Amazons Rechnerarmada einsetzen kann, um die WPA-Verschlüsselung von Wlan-Netzwerken zu knacken: In nur 20 Minuten hatte er das Passwort seines Nachbarn entschlüsselt, bei Kosten von läppischen 28 Cent pro Minute. Cloud-Dienste können also auch für Hacker günstige Werkzeuge sein.

Sony spürt die Folgen

Sony bekommt nach dem spektakulären Datendiebstahl in seinen Spielenetzwerken offenbar bereits die Folgen zu spüren. Das Geschäft mit Spielkonsolen und Spieletiteln boomt derzeit in allen Produktkategorien, doch Sony falle bei den Verkäufen deutlich hinter die Konkurrenz zurück, berichtet das "Wall Street Journal".

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurden in den USA mindestens 25 Klagen gegen den Konzern eingereicht. Darin wird Sony eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen. Die Herausforderung für die Anwälte der Kläger wird es sein, den materiellen Schaden nachzuweisen, sagen Juristen. Inwieweit die Betroffenen finanzielle Nachteile erleiden, wenn ihre persönlichen Daten in die falschen Hände geraten, ist schwer zu beurteilen. Auch wenn es zu kompletten Identitätsdiebstählen kommt, müsste nachgewiesen werden, dass diese auf die bei Sony erbeuteten Daten zurückzuführen sind.

san/DPA/Reuters / DPA / Reuters