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Konkurrenz für Fire TV Stick: Google wollte 2013 das Ende der Fernbedienung einläuten - und bringt sie nun zurück

Amazon dominiert in Deutschland den Markt der Streamingboxen. Google will nun die Wohnzimmer zurückerobern - und plant einen neuen Chromecast mit Fokus auf Serien und Filme. Es wäre ein fundamentaler Wandel der Unternehmensstrategie.

Google arbeitet an einem Konkurrenzgerät zu Amazons Fire TV.

Google arbeitet an einem Konkurrenzgerät zu Amazons Fire TV.

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Die Corona-Krise zwang Milliarden Menschen auf der Welt, ihre Abende nicht in der Eckkneipe oder beim Tanzunterricht zu verbringen, sondern auf dem heimischen Sofa. Dort griffen allerdings die wenigsten zum Buch, sondern zur Fernbedienung, das legen zumindest Berichte über explodierende Nutzerzahlen bei Streamingdiensten nahe. Netflix etwa vermeldete in dieser Hinsicht das erfolgreichste Quartal aller Zeiten.

Dieser Boom befeuert nicht nur die Umsätze der Dienste-Betreiber, sondern auch die der Hersteller von Streaming-Boxen. Die beiden größten Player in diesem Segment sind Amazon mit seinem Fire TV Stick und das US-Unternehmen Roku. Googles Android TV ist zwar auf vielen Fernsehern vorinstalliert, hat aber längst nicht die Marktanteile wie auf dem Smartphone. Die eigenen Streaming-Geräte waren ebenfalls kein großer Erfolg.

Google plant eigenen Fire TV Stick

Wie das US-Portal "Protocol" berichtet, plant Google in den nächsten Monaten einen neuen Anlauf. In der Pipeline steckt dem Bericht zufolge ein neu konzipierter Dongle, der aussieht wie ein Chromecast, sich jedoch wie ein Fire TV Stick bedienen lässt. Während ein Chromecast zwingend ein weiteres Gerät wie ein Smartphone oder Tablet voraussetzt, um Inhalte auf dem Fernseher abzuspielen, wird das neue Dongle über eine vollwertige TV-Schnittstelle verfügen und mit einer eigenen Fernbedienung ausgeliefert werden. Mit diesem Gerät will der Konzern aggressiv mit Amazon und Roku konkurrieren.

Mit dem neuen Google-Streaming-Gerät werden Nutzer in der Lage sein, Anwendungen für Streaming-Dienste wie Netflix und Disney+ aus dem Play Store zu installieren, zudem soll der Google Assistent für Sprachsteuerung integriert sein. Wie bei anderen Geräten mit Android-TV-System können Nutzer eigene Inhalte auf den Bildschirm übertragen (etwa Präsentation oder Browser-Tabs), Googles Cloud-Gaming-Dienst Stadia wird ebenfalls unterstützt.

Nest statt Google

Das neue Gerät wird nicht unter der Google- oder Android-Dachmarke laufen, sondern mit Nest gebranded sein. Diesen Weg hat der Suchmaschinenkonzern bereits im vergangenen Jahr mit dem Tablet-Lautsprecher Google Nest Hub eingeschlagen. Google möchte Nest zur Dachmarke im Bereich intelligente Heim- und Unterhaltungshardware machen.

Bislang ist weder klar, wann Google das Gerät vorstellen, noch wann es auf den Markt kommen wird. Letzte Woche hätte eigentlich die weltweite Entwicklerkonferenz I/O stattgefunden, diese wurde jedoch aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Unklar ist zudem, ob die Unterbrechungen der Lieferkette im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus zu Verzögerungen geführt haben.

Um gegen Amazon und Roku erfolgreich zu sein, kommt es weniger auf die Funktionen an, sondern vor allem auf den Preis. Insidern zufolge peilt Google einen Preis von unter 80 Dollar an. Sollte das hierzulande eins zu eins in Euro umgerechnet werden, könnte selbst das zu teuer sein: Amazons Fire TV Stick Ultra kostet in Deutschland etwa 60 Euro.

Die Rückkehr der Fernbedienung

Das neue Gerät verdeutlicht nicht nur, dass Google noch enormes Wachstumspotenzial in den Wohnzimmern der Menschen sieht. Zugleich ist es ein fundamentaler Strategiewandel: 2013 führte der Konzern den ersten Chromecast als eigenständiges Produkt ein. Es war Googles Wette, dass das Smartphone zur ultimativen Schnittstelle des Alltags werden würde und es perspektivisch selbst die klassische Fernbedienung ablösen würde. Eine Ansicht, die seinerzeit weit verbreitet war und sich rückblickend als falsch herausstellte. Unternehmen mit ähnlichen Ansätzen - etwa der zu Freenet gehörende Streamingdienst Waipu.tv - änderten in der Zwischenzeit ebenfalls ihr Konzept.

Quelle: "Protocol"

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