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IFA: Virtual Reality: Sieht blöd aus, macht aber höllisch Spaß

Virtual-Reality-Brillen könnten die Technikwelt für immer verändern. Auf der IFA kann man die ersten Prototypen bereits ausprobieren - und die machen verdammt viel Spaß.

Von Christoph Fröhlich, Berlin

Virtual Reality

Virtual Reality soll der nächste große Trend im Unterhaltungsbereich sein

Videospiele haben sich in den vergangenen 30 Jahren enorm verändert. Aus pixeligen 2D-Ansichten wurden riesige, dreidimensionale Welten mit enormen Details. Die Geschichten wurden komplexer, die Genres vielfältiger. Nur die räumliche Trennung zwischen Spiel und Spieler konnten die Entwickler nie überwinden. Egal wie gut die Grafik auch war, man hatte nie das Gefühl, wirklich Teil der Spielwelt zu sein.

Diese letzte Hürde soll jetzt fallen: Glaubt man den Technik-Herstellern, werden Virtual-Reality-Brillen das nächste große Ding. Sie gelten als milliardenschwerer Zukunftstrend mit enormen Potential - auch außerhalb der Gaming-Landschaft. Was mittlerweile möglich ist, zeigen die Hersteller mit ersten Prototypen auf der IFA.


Täuschend echte Illusion

Die bislang beeindruckendste Virtual-Reality-Technik kommt vom Smartphone-Hersteller HTC. Optisch erinnert sie an eine übergroße Taucherbrille, die mit langen Kabeln an einen PC angeschlossen ist. Damit die Brille auch erkennt, wo man sich im Raum befindet, muss man in den Zimmerecken noch zwei Lasersensoren befestigen. Sie vermessen den Raum und erfassen jede Bewegung des Nutzers. Die "Vive" genannte Datenbrille befindet sich derzeit noch im Entwicklungsstadium. Doch das Ergebnis ist schon jetzt beeindruckend: Man braucht nur einen Klick, und schon befindet man sich in einer völlig fremden Welt.

Beispielsweise auf einem Schiffswrack am Meeresgrund. Um einen herum schwimmen kleine Fischschwärme, die man mit der Hand vertreiben kann. Man genießt ein paar Minuten die Stille des Ozeans, als plötzlich ein Blauwal haarscharf am Schiff vorbeischrammt. Während man sich vorsichtig der Reling nähert, blickt man in das übergroße Auge des Meeressäugers.

Als kurz darauf die mächtige Schwanzflosse nur wenige Zentimeter über den eigenen Kopf hinwegrauscht, duckt man sich instinktiv weg, obwohl man eigentlich weiß, dass die Flosse einen gar nicht berühren kann. Trotzdem: Für einen kurzen Moment vergisst man, dass es sich nur um eine Illusion handelt. In ihren besten Momenten wirkt die Welt real. Als in einem anderen Spiel plötzlich der Boden unter den Füßen wegbricht, springen die meisten Nutzer panisch zur Seite, berichtet ein HTC-Manager - obwohl ihnen ja eigentlich gar nichts passieren kann.

Auch Sony und Facebook mischen mit

HTC hat mit der Vive große Pläne. So eignet sich die Cyberbrille auch als Simulator. In einer Anwendung steht man in einer virtuellen Küche und übt Kochen, in einem anderen virtuellen Raum kann man in einer Art 3D-Paint eigene Bilder malen. Noch sind die Programme nicht sonderlich komplex, doch sie lassen erahnen, was in wenigen Jahren möglich sein könnte.

Auch andere Hersteller experimentieren mit der virtuellen Realität: Sony bringt gerade seine Datenbrille Morpheus zur Marktreife. Samsung hat mit der Gear VR einen Aufsatz für seine Smartphones entwickelt, den man sich direkt vor das Gesicht schnallen kann. Und Facebook kaufte im vergangenen Jahr das Unternehmen Oculus VR. Es ist mit seiner Brille Oculus Rift einer der Vorreiter der aktuellen VR-Welle. Das war Facebook ganze zwei Milliarden US-Dollar wert.

Nur live ist schöner

Solche Summen zeigen, dass die Elektronikhersteller große Hoffnungen in die Datenbrillen setzen. Die große Frage ist: Werden die auch bei den Kunden ankommen? Denn für den Massenmarkt sind solche Produkte erst interessant, wenn man damit mehr machen kann, als nur einen virtuellen Wal anzugucken.

Praktisch wäre es etwa, wenn man ein Hotel oder Kreuzfahrtschiff vor Reisebuchung virtuell inspizieren könnte und sich nicht mit einem schnöden Katalogfoto zufriedengeben müsste. Auch die Wohnungssuche in fremden Städten könnte mit einer virtuellen Makler-Tour deutlich zeit- und nervenschonender vonstatten gehen. Und wenn ein Konzert oder Fußballspiel ausverkauft ist, wäre es in Zukunft ein kleiner Trost, wenn man wenigstens virtuell dabei ist. Bis es solche Dienste gibt, wird es aber vermutlich noch einige Jahre dauern.

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