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Corona-Krise Quarantäne-Streaming versus Homeoffice: EU will Netflix zum Drosseln überreden

Corona-Krise: Aktuell schalten viele Menschen Netflix ein - aber sind es zu viele?
Aktuell schalten viele Menschen Netflix ein - aber sind es zu viele?
© freestock.org / Unsplash
Wegen der anhaltenden Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus bleiben die Menschen zuhause. Das stellt die Internetleitungen auf die Probe. Nun will die EU Netflix dazu bewegen, mehr Bandbreite freizugeben. Besonders die Kunden mit teuren Abos dürfte das ärgern.

Die Ansteckungsgefahr mit dem neuen Coronavirus ist nach wie vor hoch, alle Bestrebungen laufen darauf hinaus, die Ansteckungs-Kurve zu senken. Die Folge: Millionen Menschen bleiben zuhause, statt in die Schule oder zur Arbeit zu gehen. Doch leider kommen sich Homeoffice und Langeweile immer mehr in die Quere.

Und das nicht nur, weil man durchs viele Netflix schauen nicht zum Arbeiten kommt. Die EU-Kommission befürchtet, dass durch einen starken Anstieg der Streaming-Nutzung auch die Internetleitungen an ihre Grenzen kommen könnten - und dadurch wichtige Bandbreite für die Arbeit im Homeoffice auffressen. Die benötigt selbst viele Ressourcen. Alleine der Traffic durch Videokonferenzen sei in den letzten Tagen um 50 Prozent gestiegen, erklärte der in Frankfurt gelegene Internetknoten DE-CIX in einem Blogpost. 

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Netflix soll runterschrauben

Er habe sich deswegen mit Netflix-Chef Reid Hastings zusammengesetzt, berichtete EU-Kommissar Thierry Breton bei Twitter. Sein Vorschlag: Netflix soll die Auflösung herunterfahren. "Lasst uns zur Standard-Auflösung wechseln, wenn HD nicht nötig ist", erklärt Breton seine Idee. 

An sich ist das nachvollziehbar: Steigt die Auflösung, wird zwar das Bild schärfer - aber es gehen auch deutlich mehr Daten durch die Leitung. Um die höhere Auflösung zu erreichen, wird die Zahl der angezeigten Bildpunkte nach oben geschraubt. Und das nicht zu knapp: Während bei der alten Standard-Auflösung (SD) 307.200 Bildpunkte zu sehen sind, explodiert die Zahl bei 4K auf 8.294.400‬ Pixel - also fast 30 Mal so viele. Entsprechend schnell steigen die Datenmengen. Netflix verbraucht nach eigenen Angaben in SD-Qualität 700 MB pro Stunde, bei 4K sind es satte 7 GB.

Premium-Kunden schauen in die Röhre

Das Ergebnis des Gesprächs verriet Breton nicht. Sollte Netflix aber tatsächlich die Qualität drosseln, dürfte das vor allem den Premium-Kunden weh tun: Sie zahlen für die höhere Auflösung extra. Im billigsten Abo bietet Netflix nur SD-Qualität, erst das mittlere bietet dann FullHD und nur im Premium-Abo gibt es dann auch 4K-Inhalte. Die sind bei vielen Konkurrenten wie Amazon, Apple TV+ und Disney+ in jedem Abo vorhanden. Zumindest wer nur wegen 4K Premium bucht, sollte dann das Abo wechseln. Ein Vorteil der teureren Abos bleibt aber selbst bei gedrosseltem Stream relevant: Im Gegensatz zum Sparabo können mehrere Personen gleichzeitig schauen. 

Der EU-Vorschlag ist trotz des möglichen Ärgers deutlich weniger radikal als das Vorgehen der Schweiz. Auch dort trieb die Quarantäne die Netflix-Zahlen steil nach oben - so sehr, dass die Regierung sogar erwägte, den Streaming-Gigant im Notfall ganz zu blocken.

Quellen: Netflix, Twitter


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