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#WirHabenPlatz: Streit um Twitter-Hashtag – haben wir nun Platz für Geflüchtete oder nicht?

Die Situation an der türkisch-griechischen Grenze bewegt tausende Menschen, wie "Seebrücke Berlin", die Demonstration für die Grenzöffnung in die EU, am Dienstagabend zeigte. Bei Twitter hingegen ist die Meinung um #WirHabenPlatz geteilt.

Migranten gehen in der Nähe des Grenzüberganges in Edirne eine Straße entlang

Migranten in der Nähe des Grenzüberganges in der türkischen Provinz Edirne

DPA

Die Not der Geflüchteten an der türkisch-griechischen Grenze ist groß. Die griechische Polizei setzt Tränengas ein und berichtet, dass die Migranten auf der türkischen Seite ebenfalls solche Geschosse verwendeten. Seit dem vergangenen Wochenende, als die Türkei die Grenzen zur EU für Migranten für geöffnet erklärte, wird debattiert, wie es weitergehen soll.

Angela Merkel plädiert für eine Sicherheitszone für Flüchtlinge, die in der Region um Idlib liegen soll – es soll aber nicht das von der Türkei besetzte Gebiet sein. Doch was geschieht mit jenen Menschen, die Syrien bereits verlassen haben?

Bei Twitter hat sich der Hashtag #WirHabenPlatz etabliert, unter dem sich User dafür aussprechen, Geflüchtete nach Deutschland kommen zu lassen. Zu den Vorreiterinnen gehört auch die Kapitänin und Aktivistin Carola Rackete, die am Dienstag dafür warb, an den Demonstrationen unter dem Namen "Seebrücke" teilzunehmen und Solidarität zu zeigen.

Andere fordern billigen Wohnraum für sich selbst

Doch nicht bei jedem wird Mitgefühl für die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder wach, die ohne Schutz an der Grenze nach Griechenland darauf warten, weiterziehen zu können. Viele Deutsche haben schon die Aufnahme von Flüchtlingen seit 2015 kritisch gesehen und dafür plädiert, sich erstmal um eigene Probleme zu kümmern, etwa deutsche Obdachlose. Je konservativer die Gesinnung, desto stärker wird für Abschottung plädiert. Humanitäre Krise hin oder her.

Außengrenze versus Menschenleben, wo stehen wir eigentlich? Eine Petition auf change.org soll dazu dienen, die Haltung der Deutschen transparent zu machen. Mehr als 50.000 Unterschriften sind bereits zusammengekommen.

Persönliches Wohl als höchstes Gut

Natürlich rufen Solidaritäts-Hashtags auch wieder jene Menschen auf den Plan, die seit 2015 diejenigen beschimpfen, die Flüchtlinge unterstützt haben – mit Kleidung, Essen, ehrenamtlicher Arbeit oder auch einer Begrüßung bei der Einreise. Die sogenannten "Bahnhofsklatscher", die "Merkels Goldstücke" willkommen geheißen hätten.

Noch immer sind derlei Titulierungen von Rechtsgesinnten in Facebook-Kommentaren zu lesen. Noch immer wird ihr persönliches Wohl von diesen Menschen als das höchste Gut überhaupt gesehen. Sie haben auch 2020 keinen Platz, für niemanden, so viel ist sicher.