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Sprachsteuerung: Siri war eine Revolution - warum es jetzt zum Problemfall wird

Vor fünf Jahren stellte Apple Siri vor - und revolutionierte mit einem Schlag die Sprachsteuerung auf dem Smartphone. Seitdem hat sich viel getan und der einstige Pionier wird immer weiter abgehängt. Trotz guter Gründe steht Apple nun vor einem Problem.

Siri startete 2011 auf Apples iPhone 4s

Siri startete 2011 auf dem iPhone 4s

Als Tim Cook 2011 das iPhone 4s vorstellte, hatte Apple für das überarbeitete iPhone 4 vor allem ein Killer-Feature parat: Die digitale Assistentin Siri ließ die Zuschauer damals mit offenen Mündern zurück. So gut hatte Sprachsteuerung vorher noch nie funktioniert. Seitdem ist viel passiert. Und Apple hat mächtig den Anschluss verloren. Das könnte noch schwere Folgen haben.

Denn obwohl Siri mittlerweile auch auf dem iPad, dem Mac und der Apple Watch zu finden ist und jede Menge neuer Funktionen gelernt hat, haben die Konkurrenten nicht nur aufgeholt, sondern Apple regelrecht abgehängt. Google Now und Amazons Assistentin Alexa sind zuverlässiger, cleverer und werden immer schlauer, wenn das auch im Deutschen meist etwas schlechter klappt als in ihrer Muttersprache Englisch. Siri dümpelt dagegen etwas vor sich hin. Für den etablierten Tech-Journalisten und Apple-Experten Walt Mossberg Grund genug in einem aktuellen Essay zu fragen: "Warum wirkt Siri eigentlich so dumm?" Die Antwort könnte Apple noch vor Probleme stellen.

Komplexe Aufgaben kann Siri nicht

Mossberg bemängelt vor allem, dass Siri kaum in der Lage ist, komplexere Fragen zu beantworten und an vielen Handlungsanweisungen scheitert, die Google Now problemlos meistert. Auf Anfrage sagte ihm Apple, man konzentriere sich vor allem auf Alltags-Aufgaben. Die meisten Nutzer nutzten Siri nämlich auch nur für ganz einfache Aufgaben. Etwa, um einen Wecker zu stellen oder einen Freund anzurufen. Mossberg fragt sich aber völlig zu recht, ob das nicht nur deshalb der Fall ist, weil die Nutzer eben wissen, das Siri an schwierigeren Fragen scheitert.

Und diese schwierigeren Aufgaben dürften in Zukunft eher zunehmen, zumindest bei der Konkurrenz. Google hat mit seinem Smartphone Pixel gerade auch einen neuen Assistenten namens Google Assistant vorgestellt. Der wird wie Siri per Sprache gesteuert, beherrscht aber Konversationen auf einem ganz anderen Level. Er kann bei unklaren Angaben konkret nachfragen, komplexe Zusammenhänge verstehen und selbstständig Informationen aus anderen Quellen miteinander verknüpfen. Ziel ist, durch maschinelles Lernen und eine immer ausgeklügeltere Spracherkennung echte Gespräche mit Maschinen zu ermöglichen. Ein echter Assistent eben.

Maschinengespräche sind die Zukunft

Daran arbeiten auch andere Silicon-Valley-Riesen wie Amazon, Microsoft und Facebook. Amazon hat gerade seinen sprachgesteuerten Lautsprecher Echo für Deutschland angekündigt, der nicht nur Musik abspielt und Wikipedia-Einträge abruft, sondern auch online einkaufen und smarte Hausgeräte steuern kann. Microsofts Cortana ist seit Windows 10 fester Bestandteil des Betriebssystems. Facebook, Microsoft und Google setzen zudem auf Chat-Bots um die Sprachsteuerung in Chats auszulagern und so auch in der Ubahn nutzbar zu machen. Die Zukunft des Computers und der Heimsteuerung sehen also immer mehr Unternehmen im Gespräch mit der Maschine.

Siri sieht dagegen mittlerweile ziemlich alt aus. Laut Mossberg kannte sie zum Beispiel nicht mal die Namen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten, was Apple wohl mittlerweile behoben hat. Dass Siri so weit hinterher ist, dürfte vor allem mit einer grundlegenden Entscheidung Apples zu tun haben: Der Konzern wirbt seit einigen Jahren damit, dass man anders als die Konkurrenz nicht ausführlich die Nutzerdaten analysiert. Und bei maschinellem Lernen wird das langsam aber sicher zu einem Problem.

Schlauer durch Datenhunger

Google, Amazon und Co. haben keinerlei Skrupel, alle Daten ihrer Nutzer auszuwerten, um die eigenen Produkte besser zu machen. Dadurch können sie über einen schier unerschöpflichen Pool von Daten zurückgreifen, was zu immer schlaueren Assistenten führt. Die werden dann noch mehr genutzt - und der Datenberg ist wieder ein Stück gewachsen. Apple hält Siri aus Datenschutz-Gründen viele Daten vor, die bei dann aber zum Lernen fehlen. Die Nutzer trauen Siri dann aus Erfahrung weniger zu - und Siri verliert den Anschluss.

Im nächsten Jahr könnte der Rückstand besonders drastisch sichtbar werden: Mit Home hat Google den Assistant für Zuhause angekündigt, im Prinzip Googles Version von Echo. Auch Apple soll an einer solchen Siri-Box arbeiten. Wenn die auf demselben Stand ist wie Siri, dürften die meisten Nutzer arg enttäuscht sein. Genervt den Termin selbst einzutragen, weil Siri mal wieder nichts versteht, ist eine Sache. Bei einer Box, die nur durch Sprache steuerbar ist, wären solche Aussetzer unverzeihlich. Apple muss sich also etwas einfallen lassen.

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