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Pixel-Smartphones, Chromecast und Co.: Googles schöne neue Welt ist wirklich smart - und richtig teuer

Mit Pixel und Pixel XL hat Google zwei extrem smarte und sündhaft teure Smartphones vorgestellt. Außerdem gab es jede Menge Hardware für's Wohnzimmer. Der Star des Abends war aber ein anderer.

Google Pixel Home Chromecast

Googles neue Smartphones Pixel und Pixel XL machen optisch viel her, sind sehr clever - und ausgesprochen teuer

Obwohl alle nur das neue Smartphone namens Pixel wollten, hat Google am Dienstag einen großen Schritt gewagt - und seinen persönlichen Assistenten in den Vordergrund gestellt. Der Siri-Konkurrent soll nun mächtiger sein als je zuvor. Ein Softwareabend also, eigentlich. Denn damit der Google Assistant wirklich strahlen kann, hat man ihm eine Reihe neuer Gewänder verpasst, in Form von Hardware. Von den unfassbar teuren Pixel-Smartphones, über einen neuen Chromecast bis zum eigenen Google-Router.
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Ein Assistent für alle Geräte

Mit dem Google Assistant will Google seinen Servcie mächtig umkrempeln: Statt einen Dienst für alle anzubieten, soll sich der Assistant viel mehr am einzelnen Nutzer ausrichten – und dessen Bedürfnisse besser kennenlernen. Auch Geheimnisse wie die Fahrradschloss-Kombination soll man seinem Assistenten nun mitteilen und bei Bedarf wieder abrufen können. Damit sich das besonders natürlich anfühlt, kann man regelrechte Gespräche mit ihm führen. Das funktioniert in einem ersten Versuch auch in Deutsch recht gut, ob es aber dauerhaft so gut ist wie in Englisch, kann erst ein ausführlicher Test zeigen.

Die Kerntechnologie für das Assistenten-Gespräch ist "Deep Learning" oder Maschinenlernen, das Computer immer besser in die Lage versetzt, unser Leben, unsere Welt und unsere Sprache zu verstehen. Auch andere Silicon-Valley-Riesen setzen darauf. Vor allem Spracherkennung entwickelt sich rasant. Google will so in Zukunft auch verschiedene Stimmen für den Assistenten anbieten können, inklusive Dialekten. Auch Emotionen soll er dann verstehen. Ganz, wie ein menschlicher Assistent.


Google Pixel: Clever, aber sauteuer

Die ersten Geräte mit dem neuen Assistenten sind Pixel und Pixel XL, die beiden ersten Smartphones, die Google in Eigenregie entwickelt hat. Vorher wurden immer etablierte Hersteller mit der Fertigung beauftragt. Pixel und Pixel XL machen optisch Einiges her. Die Front erinnert zwar stark ans iPhone 7, man kann sich aber sicher schlechtere Vorbilder suchen. Die Rückseite mit der eingesetzten Glasfläche setzt dagegen klar eigene Akzente. Sehr hübsch gelungen.

Technisch haben beide Smartphones natürlich ebenfalls viel zu bieten. Besonders punkten will Google mit der Kamera. Die soll nach Tests der Kameraexperten von DXO die beste sein, die je in einem Smartphone verbaut wurde. Extrem schnell, stark bei schlechtem Licht und bei bewegten Motiven, verspricht Google. Dazu gibt es unendlich Cloud-Speicher ohne Qualitätsverlust. Wie gut die Knipse wirklich ist, kann ebenfalls erst ein Test zeigen.

Ein großes Pixel und ein kleines

Der Unterschied zwischen den beiden Geräten liegt im Display: Das normale Pixel kommt mit 5 Zoll Displaydiagonale und löst in FullHD (1920 x 1080 Bildpunkte) auf. Das Pixel XL ist mit 5,5 Zoll ein gutes Stück größer, die Auflösung liegt bei 2560 x 1440 ebenfalls ein ganzes Stück höher. Der Akku ist beim großen Modell dicker, was sich wegen des Zusatzbedarfs des höheraufgelösten Displays aber etwas relativieren dürfte. Beide Modelle werden über USB-C geladen und lassen sich Dank Quick Charge extrem schnell laden.

Google Pixel: Preis und Verfügbarkeit

Die Preise fallen saftig aus: 759 Euro verlangt Google für das 32-GB-Modell, für 128 GB werden satte 869 Euro fällig. Wer das große Display will, muss richtig tief in die Tasche greifen: Beide Speichervarianten kosten jeweils 140 Euro mehr. Das XL mit 128 GB kostet also unfassbare 1009 Euro. Man darf gespannt sein, wie viele Kunden das ausgeben wollen.

Mit Daydream View in die virtuelle Realität

Mit Cardboard hatte Google das erste Mal eine VR-Brille im Portfolio, nun kommt eine, die nicht nur aus Pappe ist. Daydream ist eine eigene VR-Plattform, Daydream View heißt die Hardware dazu. Die VR-Brille soll nicht wie ein Gadget wirken, sondern wie etwas, das man trägt – also Kleidung. Daher ist sie aus Stoff gefertigt. Das sieht ungewöhnlich aus, soll aber besonders angenehm sitzen.

Auch die Nutzung soll bequemer sein als bei den Konkurrenten. Deshalb hat Google einen Controller beigelegt. Der ist extrem präzise und eignet sich sogar für Handschrift. Damit man ihn nicht verliert, hat die Brille ein eigenes Fach für ihn. Als Display dient das Smartphone. Die Pixel-Geräte sind wieder die ersten geeigneten, andere sollen später nachkommen.

Dafür ist der Preis für das Gebotene aber moderat: 69 Euro verlangt Google für die Daydream View in Deutschland. Noch funktioniert sie allerdings nur mit den teuren Pixel-Phones.

Chromecast Ultra zieht am Apple TV vorbei 

Der Chromecast dürfte Googles meistverkauftes Gerät sein. Jetzt gibt es ein neues Modell, den Chromecast Ultra. Der kann nun endlich auch ultrahochaufgelöste Inhalte übertragen, auch der aktuelle HDR-Standard wird unterstützt. Das kann Apples aktuelles Apple TV beispielsweise nicht. Zudem soll der neue Chromecast schneller sein als der Vorgänger. Der Preis: 79 Euro.


Google Home: Google im Wohnzimmer

Mit Google Home kommt das zweite Gerät für den Google Assistenten. Wie Amazon Echo steht Google Home im Wohnzimmer oder der Küche und nimmt dort Sprachbefehle an. Aber was hat Home so drauf? Es spielt Musik, beantwortet Fragen, richtet Termine und Wecker ein. Um Fragen zu beantworten, nutzt Google seinen Knowledge Graph, den man auch vom Seitenrand von Browsersuchen kennt. Zusätzlich werden aber auch die besten Ergebnisse von anderen Webseiten eingezogen, etwa von Wikipedia oder spezialisierten Seiten. Sucht man etwa Kochrezepte, kann der Assistent passende Timer beim Kochen setzen.

Ein Grundproblem müsste Google allerdings lösen: Richtig toll funktionieren die Sprachassistenten meist nur in Englisch, auch wenn sie langsam aber sicher auch auf Deutsch besser werden. Die Übertragung ist aber durchaus eine Herausforderung. Wohl auch deswegen gibt es Google Home vorerst nur in den USA. Der Preis ist allerdings eine Kampfansage: 129 Dollar verlangt Google. Amazon Echo kostet 30 Dollar mehr, eine Version ohne Lautsprecher bietet Amazon aber schon ab 59 Dollar an.


Google Wifi soll Wlan revolutionieren

Was ist das größte Hindernis für die Nutzung des Internets? Meist der Router, behauptet Google. Und bietet jetzt auch eine eigene Lösung an: Den Wlan-Router Google Wifi. Der soll für die vielen Anwendungsprobleme bei modernen Wlans eine Lösung bieten. Mehrere der Router lassen sich etwa ganz einfach zusammenschließen, um den Empfang in abgelegenen Räumen zu verbessern. Im Hintergrund sollen über einen Netzwerkassistenten die vielen Störeinflüsse analysiert und automatisch verwaltet werden.

Toll für Eltern mit Smartphone-süchtigen Teenagern: Auf Knopfdruck lässt sich das Wlan pausieren – und die Kids sind beim Abendessen endlich mal nicht abgelenkt. Auch Google Wifi kommt nicht nach Deutschland.

Fazit: durchaus spannend - für den US-Markt

Google hatte am Dienstag durchaus tolle Technik zu zeigen. Der Google Assistant ist tatsächlich sehr weit gekommen, die lässigen Gespräche und das zugrunde liegende Sprachverständnis sind beeindruckend. Trotz eines positiven ersten Ausprobierens: Der Erfahrung nach dürfte beides in Deutsch auf Dauer nicht so gut funktionieren wie es das auf der Bühne in Englisch tat. Vielleicht kann uns Google ja eines Besseren belehren.

Für den deutschen Markt bleiben trotzdem vor allem die Preise in Erinnerung. In schlechter, allerdings. Denn so schick und so smart die neuen Produkte vom Pixel bis zum Router sind: Hierzulande sind sie vor allem extrem teuer. Schade, eigentlich.