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Mysteriöse Anfragen Kampagne gegen Biontech: Influencer bekamen für Falschmeldungen über Impfstoff Geld geboten

Biontech-Impfung
Der Impfstoff von Biontech/Pfizer gilt als hochwirksam und sicher
© Thomas Lohnes / AFP
Deutschen und französischen Influencern wurde von einer Agentur Geld angeboten, damit sie öffentlich behaupten, die Impfung mit Biontech habe zu hunderten Todesfällen geführt. Beweise dafür gibt es nicht. 

Mehrere Influencer in Deutschland und Frankreich haben Anfragen erhalten, sich an einer Kampagne gegen den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer zu beteiligen. Nach eigenen Angaben bekamen sie E-Mails, in denen sie aufgefordert wurden, den Impfstoff in Videos auf Youtube schlechtzumachen. Dafür wurde den Youtubern eine Bezahlung angeboten.

Unter den Influencern, die angefragt wurden, war auch der Deutsche Mirko Drotschmann. Auf Youtube ist er als "Mr. Wissen2Go" bekannt und vermittelt Informationen rund um Wissenschaft, Geschichte und aktuelle Nachrichten auf verständliche Art und Weise. Insgesamt folgen ihm auf der Videoplattform mehr als zwei Millionen Menschen. Drotschmann veröffentlichte auf Twitter den Screenshot einer Mail, in der er gefragt wurde, ob er Teil einer "Informationskampagne" zum Thema Biontech-Impfstoff sein wolle.

Influencer sollten über Todesfälle nach Biontech-Impfungen berichten

Er und andere Influencer sollten über ihre Kanäle Links zu Artikeln teilen, in denen über angeblich geleakte Dokumente berichtet wird. Diese sollen beweisen, dass es durch die Biontech-Impfung zu Todesfällen gekommen ist. Wie der "Guardian" berichtet, handelte es sich dabei um einen Artikel der französischen Zeitung "Le Monde" sowie Beiträge auf der Social-Media-Plattform Reddit und einer Hacker-Website. In dem Text von "Le Monde" geht es um Dokumente, die Hacker von der Europäischen Arzneimittel-Agentur erlangt haben sollen. Allerdings ist darin nicht von Todesfällen im Zusammenhang mit der Impfung die Rede.

Mirko Drotschmann hat nach der E-Mail Nachforschungen angestellt: Demnach sitzt die Agentur, die die Anfrage stellte, in London, der Wohnsitz des Agenturchefs liegt in Moskau. Laut "Guardian" steckt die Agentur Fazze hinter der Kampagne. Sie hatte die Influencer aufgefordert, ihren Followern zu erzählen, dass "die Mainstream-Medien" die Todesfälle "ignorieren" würden – und ihnen dafür eine Bezahlung angeboten. Allerdings sollten die Youtuber die Kritik an dem Impfstoff in ihren Beiträgen als ihre "eigene unabhängige Meinung" darstellen. In den Anfragen hieß es laut "Guardian"-Bericht, die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Biontech-Impfstoff sei dreimal so hoch wie bei Impfungen mit Astrazeneca. Belege dafür gibt es allerdings nicht.

Corona-Impfung im Ausland (Symbolbild)

Verbindungen nach Russland

In Frankreich erhielten unter anderem der Comedian Sami Ouladitto und der Videoblogger Léo Grasset Anfragen dieser Art. Grasset veröffentlichte die Mail ebenfalls auf Twitter. Nach seinen Angaben warb die Agentur mit einem "kolossalen Budget" und verlangte, der Sponsor müsse anonym bleiben. Bei Nachforschungen entdeckte Grasset, dass sich hinter der Londoner Adresse ein Zentrum für "Laser-Ästhetik" verbirgt. Alle Mitarbeiter hätten in ihren Profilen angegeben, zuvor in Russland tätig gewesen zu sein, betonte er.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran äußerte sich entsetzt über die Kampagne: "Das ist armselig, gefährlich und verantwortungslos", sagte er dem Sender BFM-TV. Zahlreiche Menschen vertrauten auf den Impfstoff.

Quellen: AFP / "Guardian" / "Le Monde" / Mirko Drotschmann auf Twitter / Léo Grasset auf Twitter

epp

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