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Breitbandinternet: Im Schneckentempo ins Abseits surfen

Schnelles, günstiges Internet ist in Deutschland längst nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur bei den Zugängen, auch bei der Leistungsfähigkeit der Leitungen sehen Experten eine digitale Spaltung im Land: Teuer und langsam ist das Netz auf dem Land und im Osten, zum Schaden von Firmen und Schulkindern.

Wenn Andreas Dreßlers Tochter für ihre Schulaufgaben ins Internet muss, wird dem Familienvater aus dem brandenburgischen Jühnsdorf mulmig zumute. "Sie setzt sich an den PC, und der Gebührenzähler fängt an zu ticken", sagt Dreßler und rechnet nach. "Da sind leicht mal 200 bis 300 Euro im Monat weg." Dreßlers Haushalte gehört zu denen in Deutschland, die derzeit noch keinen Zugang zu schnellen DSL- und Breitbandverbindungen haben. Das Problem ist vor allem in ländlichen Gemeinden bekannt. Doch nach Ansicht von Experten steht der Republik demnächst eine neue Form der digitalen Spaltung bevor: Während in den Städten leistungsfähige Leitungen riesige Datenmengen übertragen, bleibt das platte Land bei der Quantität auf der Strecke.

Auch in ländlichen Regionen Bayerns wird es noch über Jahre hinweg Lücken bei der Versorgung mit schnellen Breitband-Internetverbindungen geben. Eine weitgehend flächendeckende Versorgung wird voraussichtlich Ende 2010 erreicht, wie aus einem Bericht von Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) hervorgeht, der in der vergangenen Woche bekannt wurde. Vor allem im ländlichen Raum gebe es noch "beachtliche un- oder unterversorgte Gebiete", heißt es darin.

Megabyte-Post? Fehlanzeige

"Die digitale Kluft wird von der schieren Verfügbarkeit hin zu Leistungsfähigkeit wandern", sagt Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg. Schon heute meldeten sich Kunden und forderten das bis zu Sechzehnfache der derzeitigen Standard-Übertragungsleistung. Dem Brandenburger Dreßler würde es derweil schon reichen, die Strecke zwischen ihm und seiner in München lebenden Schwester mit Hilfe einer Webcam überbrücken zu können. Doch das kostet Nerven und Geduld: Nicht nur dauert jeder Besuch im Netz bei ihm ziemlich lange, manche Seiten sind so aufwendig und die Datenmengen so groß, dass er sie gar nicht erst öffnen kann. Wenn Freunde ihm digitale Fotos von mehreren Megabytes Größe schicken, muss er ebenfalls passen.

"Die Internetseiten sind heute eben auf DSL ausgerichtet und entsprechend groß", sagt er. Für ihn als Privatmann seien die Nachteile noch halbwegs erträglich. "Für die Firmen in ländlichen Regionen sind sie zum Teil katastrophal." Dreßler engagiert sich deshalb in der Interessenvertretung www.kein-dsl.de, die einzelnen Bürgerinitiativen Hilfestellung beim Kampf um den DSL-Anschluss gibt.

Die Diskussion um die Nachteile für die wirtschaftliche Entwicklung in weniger dicht besiedelten Regionen läuft seit Jahren. Laut Bundesregierung sind derzeit 700 Gemeinden ohne Breitbandanschluss, in 97 Prozent aller Haushalte sei es jedoch verfügbar. Mit einem "Breitbandatlas" und Fördermitteln will die Regierung Investoren in abgelegenen Regionen unterstützen.

Telekom wehrt sich gegen Schuldzuweisungen

Die Telekom pocht darauf, dass das aufwendige Verlegen der Leitungen für die schnellen Anschlüsse sich für Gemeinden mit ein paar hundert Einwohnern finanziell nicht lohnt. Gleichzeitig wehrt sie sich gegen die ständig aufflammende Kritik. "Wir sind zwar das größte, aber nicht das einzige Telekommunikationsunternehmen in Deutschland", sagt Nierwetberg. Auch die Wettbewerber ständen in der Pflicht, hätten sich aber in den vergangenen Jahren fast ausschließlich in den für den Umsatz risikoärmeren Städten umgetan.

Die Bundesregierung will die Lücken bei schnellen Internetzugängen auf dem Land bis zum Frühjahr 2009 gemeinsam mit Ländern, Kommunen und der Wirtschaft fast vollständig schließen. Das Problem könne "binnen zwölf Monaten" weitgehend gelöst werden, sagte der Parlamentarische Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte (CDU) Anfang März im Bundestag. Eine flächendeckende Versorgung werde aber wohl nicht möglich sein. "Es wird Ecken geben, extreme Lagen, wo wir (...) dieses Thema nicht lösen können."

Hoffen auf andere Technik

Auf lange Sicht könnte sich für das Verfügbarkeits-Problem von selber eine Lösung einstellen: der technische Fortschritt. Noch in diesem Jahr will etwa die Telekom das Senden von Internet-Daten über Satellit ermöglichen. Wenn auch zunächst nur vergleichsweise kleine Mengen möglich sein werden, könnte das für manchen Internet- Verzweifelten auf dem Land die Rettung sein. Denn dann wären auch kleine Dörfer von den Leitungen unter der Erde unabhängig und könnten sich per Satellit ins Netz einwählen. Auch Dreßler setzt Hoffnung in die technischen Entwicklungen: "In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird sich sicher einiges ändern."

Britta Gürke/DPA

DSL-Alternative: WiMax

Internet per Funkverbindung gibt es schon länger. Auf kurzen Strecken, zum Beispiel in Wohnungen oder Cafés oder Büros, können mit der WLan-Technik Computer drahtlos mit dem Netz verbunden werden. Die Übertragungsraten sind allerdings so gering, dass Breitbandverbindungen bisher nicht möglich waren. Höhere Datenübertragungsraten und längere überbrückbare Strecken sollen durch WiMax möglich werden. Das Netz wird gerade bundesweit aufgebaut. Die Anbieter konzentrieren sich dabei zunächst besonders auf Metropolen und den ländlichen Raum. Dabei versorgt eine Antenne einen Umkreis von 50 Kilometern mit einer Internetanbindung. Zur Nutzung von WiMax ist ein spezielles Empfangsgerät notwendig, gelegentlich muss eine Antenne am Haus montiert werden. Alle Nutzer in der Umgebung teilen sich die zur Verfügung stehende Bandbreite, das heißt: Je mehr intensive Nutzung, desto langsamer wird's für alle. Verfügbarkeit und Preise gilt es bei regionalen Anbietern zu prüfen.

DSL-Alternative: UMTS/HSDPA

Der UMTS-Standard oder dessen Weiterentwicklung HSDPA funktioniert über das Mobilfunknetz und ermöglicht Verbindungen mit mittlerer DSL-Geschwindigkeit (ca. 7,2 Mbit/s). Allerdings muss ein UMTS-Sendemast in der Nähe stehen. Für die UMTS/HSDPA-Technik gibt es mittlerweile von verschiedenen Anbietern Flatrates. Nachdem die UMTS-Anbieter ihre Technik zunächst nur in Ballungsgebieten installiert haben, versorgen sie nun zunehmend auch ländliche Gebiete.

DSL-Alternative: Satellit

Praktisch überall verfügbar ist Internet per Satellitenschüssel. Allerdings ist der nötige Aufwand recht groß und die Technik hatte bisher einige Schwächen: Die Verbindung zum Computer funktioniert zwar mit hoher Geschwindigkeit, für das Versenden von Daten wurde aber außerdem ein Modem oder eine ISDN-Verbindung benötigt. Diese musste zusätzlich bezahlt werden, so dass die Technik doppelt Kosten verursachte. Neue Technik ermöglicht es inzwischen mit einfacher DSL-Geschwindigkeit Daten über Satellit nicht nur zu empfangen, sondern auch zu senden. Das Angebot "Astra2connect" der Firma Filiago kostet zwischen 19,95 und 49 Euro pro Monat (je nach Geschwindigkeit), hinzu kommen Kosten für die Bereitstellung und Hardware.

DSL-Alternative: TV-Kabel

Wer sein Fernsehen über einen Kabelanschluss empfängt, kann vielleicht ein so genanntes Triple-Play-Angebot nutzen: TV, Telefon und Internet aus einer Steckdose. Die drei Anbieter in Deutschland heißen Kabel Deutschland, Kabel BW und ish. Ob das Angebot verfügbar ist, muss jeder direkt mit den Firmen klären.

san

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.