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Silicon Valley vs. US-Präsident: Offener Kampf gegen Trump: Der gefährliche Spagat der Tech-Konzerne

Wie keine andere Branche stellen sich die Tech-Konzerne Donald Trumps Einreiseverbot in den Weg, getragen von Angestellten, Kunden und Konzernvorständen. Für die Firmen steht dabei viel auf dem Spiel - nicht nur, wenn Trump gewinnt. 

Jeff Bezos und Donald Trump

Amazon-Chef Jeff Bezos ist einer der vielen Tech-Milliardäre, die gegen Donald Trumps Einreiseverbot vorgehen

Seit Sonntag Abend ist es offiziell: Der Silicon Valley ist endgültig im Clinch mit dem US-Präsidenten.  97 US-Konzerne, darunter Riesen wie Apple, Google, Facebook, Microsoft und Netflix, beteiligen sich mit einem sogenannten Amicus-Curiae-Brief an einem Gerichtsverfahren gegen Donald Trumps Einreiseverbot für sieben, vorwiegend muslimische Staaten. 30 weitere unterschrieben den Brief am Montag. Die Firmen haben gute Gründe dafür. Dabei wagen sie einen riskanten Spagat.

Am Anfang sah es eigentlich noch gut aus: Als der da noch designierte Präsident im Dezember die Tech-Größen zu sich einlud, kamen sie noch alle. Selbst Amazon-Chef Jeff Bezos saß mit am Tisch, obwohl er und seine Zeitung "Washington Post" für Hillary Clinton getrommelt hatten. Mit Paypal-Gründer Peter Thiel, Tesla-Chef Elon Musk und dem Uber-CEO Travis Kalanick hatte Trump auch Tech-Bosse in seinem Berater-Team. Begeisterung gab es zwischen Trump und dem Valley zwar wenig, man konnte sich aber arrangieren. Dann kam die erste Woche im Amt. Und mit ihr der Einreisestop.

Silicon Valley - ein Einwanderer-Traum

Der hat die Tech-Szene im Kern getroffen. Sie will die ganze Welt mit Technologie besser machen, da ist kein Platz für Angst vor Multi-Kulti. Vor allem ist sie eine Branche, die wie keine andere weltweit von kreativen, hochtalentierten Migranten geprägt ist. Ob Google-Gründer Sergey Brin, der aktuelle Chef des Suchmaschine-Riesen Sundar Pichai oder Microsoft-Chef Satya Nadella: Wie viele ihrer Angestellten kamen sie einst als Einwanderer in den Silicon Valley.

Auch der gemeinsame Brief beschwört diesen Gedanken: "Die Erfahrung und Energie von Menschen, die in unser Land kommen um ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu finden , den Amerikanischen Traum zu verfolgen, sind tief in das soziale, politische und wirtschaftliche Wesen dieser Nation verankert."

Tech-Konzerne auf der Straße

Trump hatte im Silicon Valley nicht viele Unterstützer, er bekam in Palo Alto, dem Herzen des Silicon Valley, gerade mal 18 Prozent der Stimmen. Bei Google, Twitter Microsoft und Facebook organisierte sich wohl auch deswegen schnell Protest gegen Trumps Dekret, die Angestellten trugen ihre Wut über das Einreiseverbot in Demonstrationen auf die Straße. Auch bei ihren Arbeitgebern machten sie Druck: Microsofts erste Reaktion fiel noch sehr vorsichtig aus, nach einem Treffen der Angestellten habe sich der Ton deutlich verschärft, berichtet die "New York Times".

Für viele Konzerne mindestens ebenso wichtig: Auch für das Geschäft hat das Verbot klare Folgen. Es betrifft nicht nur Touristen sondern auch Menschen mit Arbeitserlaubnis und festem Wohnsitz in den USA. Auf einmal konnten wichtige Mitarbeiter nicht mehr einreisen, 26 sind es etwa alleine bei Microsoft

Noch weniger dürfte den den Unternehmen der Druck der Straße geschmeckt haben. Als Gerüchte aufkamen, dass der Fahrdienst Uber von dem Verbot profitieren wollte, platzte vielen Kunden der Kragen. Zumal der Chef sogar noch Trump beriet. Das Hashtag #deleteuber (Etwa: löscht die Uber App) verbreitete sich rasant, am Ende trat CEO Kalanick aus Trumps Team aus, um den Schaden zu begrenzen. Da hatten schon 200.000 Nutzer ihren Account gelöscht, berichtete der britische "Independent"

Aktionäre wollen keinen Ärger

Die Konzerne lehnen sich mit ihrer Unterstützung trotzdem überraschend weit aus dem Fenster. Die Tech-Firmen sind börsennotiert, gehören zu den wertvollsten Konzernen der Welt. Auch wenn die Kriegskassen für einen langen rechtlichen Konflikt ausreichend gefüllt sind: Die Anleger wollen lieber Gewinne sehen als politisches Engagement. Selbst wenn man es als Markenbildung verkauft.

Schließlich können nicht nur Gegner des Einreiseverbots zum Boykott aufrufen. Sollten die Trump-Anhänger wirklich und ausdauernd einige der Marken boykottieren, könnte das auch bei starken Unternehmen für Unmut bei den Aktionären sorgen. Kostspielige Gerichtsverfahren dürften sie ebenfalls nicht gerade mit Freude goutieren. 

Nicht alle Tech-CEOs befinden sich in einer so bequemen Position wie Amazon-Chef Jeff Bezos, der als fünftreichster Mensch der Welt seine eigene Firma leitet und offen Politik betreiben kann. Viele sind einfach nur die höchsten Angestellten ihrer Milliarden-Unternehmen. Selbst Ikonen wie Apple-Gründer Steve Jobs wurden schon aus geringeren Gründen vom Thron geschubst. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, dass nun fast 130 Unternehmen so deutlich Flagge zeigen.

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