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Auftritt in München: Facebook-Vize Sheryl Sandberg verspricht: Wir bessern uns. Echt jetzt.

Die Facebook-Chefs haben einen Ruf wie früher Zigarettenlobbyisten. In München hat Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg nun skizziert, wie der Skandal-Konzern umsteuern will. Wirklich.

Facebook-Vize-Chef Sheryl Sandberg in München

Vertritt weiterhin selbstbewusst das Geschäftsmodell von Facebook: Vize-Chefin Sheryl Sandberg spricht auf der Innovationskonferenz DLD in München.

DPA

Facebook hat einen Ruf wie früher die Chefs und Lobbyisten der Zigarettenindustrie. Die taten alles, wirklich alles, um die schädliche Wirkung von Zigaretten zu vertuschen – und das Geschäft zu retten – bis scharfe Gesetze ihnen Einhalt geboten.

Facebook hat in den vergangenen zwei Jahren ähnlich viel Vertrauen zerstört: Der Einfluss der Russen bei den US-Präsidentschaftswahlen, der Cambridge Analytica Datenskandal, zuletzt die Erkenntnis, dass Facebook in Washington eine Lobby-Firma beauftragt hat, gegen seine Gegner Stimmung zu machen. Der Aktienkurs brach um mehr als ein Drittel ein.

Ins Zentrum der Kritik rückte dabei immer mehr Facebooks Nummer zwei, Sheryl Sandberg. Sie und ihr Team hätten mit der Aufklärung gezögert; sie trage die Verantwortung für die Aufträge an die Washingtoner Lobby-Firma; sie sei es, die aus den Daten der Facebook-Nutzer um jeden Preis Milliarden machen wolle. Der Druck auf Sandberg ist groß. Scott Galloway, Marketing-Professor aus New York und einer der geistig und rhetorisch flinksten Facebook-Kritiker, sagt für 2019 voraus, dass Sandberg ihren Job hinwerfen wird.

"Wir wollen kein Internet, das zu eng kontrolliert wird"

Zunächst ist Sandberg aber am Sonntag in München aufgetreten, bei der Internetkonferenz DLD, geläutert. Direkt vor dem großen Happening beim Weltwirtschaftsforum in Davos laufen sich die Hot Shots der US-Tech-Firmen dort traditionell warm. Wenn man schon in Europa ist, warum nicht noch ein paar Botschaften verkünden?

Sandbergs Botschaft lautete: Wir haben verstanden. Wir wissen, dass wir Vertrauen wieder gewinnen müssen. Ihrer Rede hatte Sandberg den Titel "What kind of internet do we want" gegeben, "Was für ein Internet wollen wir?" – und die Kernpunkte auch schon vorab in einem TV-Interview mit der ARD und einem schriftlich (!) geführten Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ventiliert. Es sei wie immer nach großen, technologischen Innovationen. Nach einiger Zeit gebe es eine Phase des Nachdenkens und des Lernens. Und mit dem Internet sei diese Phase jetzt. "Wir wollen kein Internet, dass außer Kontrolle ist," sagte Sandberg. Aber wir wollen auch keins, dass zu eng kontrolliert wird, in dem Menschen sich nicht mehr ausdrücken können."

7,5 Millionen Dollar für die TU München

Nur, was heißt das? Für Facebook seien die vergangenen Jahre schwierig gewesen. Aber man habe zugehört und gelernt. Facebook sei nicht mehr das Facebook von früher. Und dann nannte Sandberg fünf Punkte, bei denen man jetzt vieles verändere. Viel Geld werde für mehr Sicherheit ausgegeben, man rüste auf gegen Manipulation von Wahlen, suche entschiedener nach falschen Nutzerkonten und gezielter Falschinformation, man wolle sicherstellen, dass die Nutzer ihre Informationen auf Facebook kontrollieren könnten. Und daher erhöhe man auch die Transparenz.

Auch geizig ist Facebook nicht. In Deutschland spendet Facebook der Technischen Universität München über einen Zeitraum von fünf Jahren 7,5 Millionen Dollar, damit dort ein "TUM Institute für Ethics in Artificial Intelligence" errichtet werden kann, ein Institut also, dass sich den ethischen Fragen der Künstlichen Intelligenz widmen kann. Und auch mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wolle man nun enger zusammenarbeiten. Man verschließe sich auch nicht weiterer Regulierung, Gesetzen, sagte Sandberg. Es müssten aber nur die richtigen sein.

Sheryl Sandberg verteidigt Facebook-Geschäftsmodell

Bemerkenswert war, dass Sandberg Facebooks Geschäftsmodell ausdrücklich verteidigte: Werbung. "Es ist kein Gegensatz", sagte sie, "Menschen für sie relevante Werbung zu zeigen, und gleichzeitig ihre Daten zu schützen. Wir tun beides. Wir verkaufen keine Kundendaten. Und wir geben auch keine Informationen ohne das Einverständnis der Kunden an Werbetreibende weiter."

Es ist erstaunlich, wie selbstbewusst, wie wenig zerknirscht, Sandberg sich bei ihrer Rede auf dem DLD geläutert gab, Besserung versprach, trotz der Skandale der vergangenen Jahre. Es scheint fast wie immer, wie vor den großen Pleiten. Dabei gehört es zur klassischen Vernebelungstaktik der Facebook-Lobbyisten, bei Widerstand und Problemen zunächst einmal so tun, also wolle man mit allen reden, sich mit allen verbünden, um etwas gemeinsam zu unternehmen. Das alles dient dazu, Gesetze zu verhindern. Meistens – außer im Fall des deutschen Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetDG) – gelingt das auch. Relativ neu ist, dass Facebook sich an Universitäten in Deutschland engagiert. Die – quasi vorpolitische – Strategie verfolgt Google schon seit einigen Jahren.

Gespräche mit Barley und Altmaier

Dabei ist tatsächlich nicht alles wie immer. Sandberg dürfte das wissen. Zumindest in Europa schickt sich die Politik an, die Verfassung des Internets immer weniger den Firmen zu überlassen, die damit Geld verdienen, sondern sie tatsächlich in Gesetze zu gießen. Und da weiß Sandberg, dass Facebook und Google die wichtigsten Angriffspunkte sind. Deswegen dürfte der DLD für sie zwar ein interessantes Schaulaufen gewesen sein.

Wichtiger aber sind die Termine mit der deutschen Politik Anfang der Woche, mit Justizministerin Katarina Barley (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Vor allem Barley, auch Spitzenkandidatin der SPD im Europawahlkampf, dringt auf weitere europäische Regulierungen und hat sich im vergangenen Jahr während des Cambridge-Analytica-Skandals als Facebook-Kritikerin profiliert. Richtig spannende wäre es gewesen, wenn sie mit Sandberg beim DLD diskutiert hätte. Denn Verkündungen der Hot Shots aus dem Silicon Valley alleine verfangen in Europa nicht mehr.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.