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Facebook-Skandal: Was Mark Zuckerberg zum Facebook-Skandal sagt - und was er lieber verschweigt

Der Daten-Skandal um Facebook tobt seit Tagen. Nun hat sich endlich der Chef selbst zu Wort gemeldet. Mark Zuckerberg gab sich in einer Reihe von Interviews reumütig. Einige wichtige Fragen ließ er aber lieber unbeantwortet.

Mark Zuckerberg Facebook Cambridge Analytica

Nach dem Daten-Skandal um Cambridge Analytica ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg stark unter Druck

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Es ist einer der größten Skandale in Facebooks Firmengeschichte. Die umstrittene Firma Cambridge Analytica soll die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern abgestaubt haben, um sie im Wahlkampf von Donald Trump zu benutzen. Besonders heikel ist, wie die Firma an die Daten kam. Mehr dazu erfahren Sie hier. Obwohl Facebook in einem Sturm der Kritik stand, schwieg Chef Mark Zuckerberg tagelang. Nun hat er eine Reihe von Interviews gegeben. Wir fassen zusammen, was er darin sagte - und wozu er lieber schwieg.

Entschuldigung - und Schuldzuweisung

Im Interview mit CNN und auch bei anderen US-Medien entschuldigte sich Zuckerberg klar. "Was passiert ist, tut mir leid", gab er sich reumütig. Die Schuld in dem Skandal sieht er aber nicht bei Facebook - sondern bei Cambridge Analytica. Die Firma hätte sich nicht an bestehende Regeln gehalten. "Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist. Aber ich vertraue in eine Person, die etwa rechtlich bindend zugesagt hat, dass sie sich auch daran hält. Zurückblickend war das sicher ein Fehler."

Man sei bei der Abwägung zwischen der Privatsphäre der Nutzer und der Option, durch frei verfügbare Daten eine andere Nutzungserfahrung zu ermöglichen, zu optimistisch gewesen, erklärte er "Recode". "Ich war da vielleicht zu idealistisch, dass leicht verfügbare Daten zu besseren Nutzungserfahren führen - und das taten sie ja auch oft. Aber das klare Feedback unserer Community ist, dass Privatsphäre den höheren Stellenwert hat."

Auch die Entscheidung, die Täuschung durch Cambridge Analytica nicht weiter zu untersuchen, sieht Zuckerberg im Nachhinein als Fehler. Facebook wusste bereits 2015, dass die Firma die Daten nicht, wie angegeben, für reine Forschungszwecke nutzen wollte. Man hätte das wohl weiter verfolgen müssen, so Zuckerberg. Eine sehr späte Erkenntnis, die zudem nicht erklärt, wie es zu diesem Totalversagen bei der Aufklärung kommen konnte. Zudem bleibt die Frage, warum ein Sprecher des Unternehmens gegenüber einer Kommission des britischen Parlaments behauptete, die Daten stammten sicher nicht von Facebook, wenn das Unternehmen es besser wusste. 

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So will man die Nutzer schützen

Um es in Zukunft besser zu machen, will Facebook 5000 neue Stellen schaffen. Knapp 15.000 Mitarbeiter kümmerten sich aktuell um die Sicherheit der Nutzer, sagte Zuckerberg der "New York Times". 20.000 sollen es noch dieses Jahr werden. Zudem sollen die Daten-Zugriffe für Drittanbieter-Apps eingeschränkt werden, die Entwickler der Daten sollen den Zugriff zudem verlieren, wenn der Nutzer die App mehr als drei Monate nicht nutzt. Wer von dem Leak betroffen war, soll das über eine eigene Anwendung bei Facebook herausfinden können.

15 weitere Änderungen zum Datenschutz habe man nicht im Detail angekündigt, sagte Zuckerberg gegenüber "Wired". Dabei gehe es vor allem um Nuancen und schwer zu erklärende Änderungen im Detail, so der Facebook-Chef. Ob wir jemals erfahren, was sich wirklich ändert, lässt er offen.

Gibt es noch andere Fälle?

Wie viele andere Fälle es gibt, weiß der Konzern nach Zuckerbergs Angaben gar nicht. "Wir müssen sichergehen, dass es da draußen nicht noch andere Cambridge Analytica gibt", sagte er "Wired". Die Analyse-Firma hatte sich zunutze gemacht, dass man zwischen 2010 und 2015 über Apps nicht nur die Profile von Nutzern der App abgreifen konnte, sondern auch die ihrer Freunde. 

Facebooks Problem: Die so abgegriffenen Daten liegen gar nicht beim Netzwerk selbst - sondern auf den Servern der Datenräuber. Deshalb will Facebook auch bei Datenhändlern nach Kopien suchen. Ein fast aussichtsloses Unterfangen.

Regulierung? Höchstens ein bisschen

Staatliche Regulierung will Zuckerberg aber trotzdem eher vermeiden. "Ich bin unsicher, ob wir nicht reguliert werden sollten", sagte er CNN - um dann stark einzuschränken, dass er bei der Transparenz von Werbung durchaus eine staatliche Regelung befürworten würde. Das hatte er aber schon in der Vergangenheit befürwortet. 

Der bereits existierenden Regulierung durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz konnte er aber nichts abgewinnen. Er sieht einen flexibleren Umgang mit Hetze und "Hate Speech" als sinnvoller an, zieht Richtlinien Gesetzen vor. Das deutsche Modell sieht er als zu starr. "Das geht in mancher Hinsicht nach hinten los", sagte er "Wired". Man würde die deutschen Gesetze einhalten, dadurch aber für Deutschland einen anderen Weg gehen als im Rest der Welt. Dort will man Hetze und Beleidigungen mit künstlicher Intelligenz erkennen. Hierzulande müsse man es aber händisch am Einzelfall entscheiden.

Das Wichtigste fehlt

Einige wichtige Dinge sprach Zuckerberg lieber nicht an. Etwa, dass Facebooks Geschäftsmodell die Firma zu einem fast unmöglichen Spagat zwingt. Einerseits muss sie gegenüber den Nutzern Verständnis zeigen und Datenschutz zusichern, damit diese nicht reihenweise dem Netzwerk den Rücken kehren.

Anderseits basiert das gesamte Geschäftsmodell auf genau dieser Verletzung der Privatsphäre. Schließlich verdient Facebook sein Geld damit, unsere Daten zu verkaufen. Werbekunden bekommen zielgenaue Eingrenzungen versprochen, wer ihre Werbung zu sehen bekommt. Die kann Facebook aber nur liefern, wenn man weiter fleißig Daten über die Nutzer sammelt.

Bisher ließen sich die Nutzer immer wieder mit Datenschutz-Versprechen auf der Plattform halten. Das Ziel von Zuckerbergs Medienkampagne ist ganz klar, dass das so bleibt. Da kann man die Nutzer natürlich nicht mit unbequemen Wahrheiten verschrecken.