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Social Media: Facebook überwacht "gefährliche" Nutzer - und "F*** Mark" reicht für einen Platz auf der Liste

Wo sind die Leute, die uns gefährlich sind? Facebook weiß das genau. Der Konzern führt eine Liste für bedrohlich befundene Personen, die er überwacht. Und auf diese Liste kommt man erschreckend leicht.

Wo sind unsere Gefahren? Facebook weiß das genau.

Wo sind unsere Gefahren? Facebook weiß das genau.

Getty Images

Ein Konzern muss für die Sicherheit seiner Mitarbeiter sorgen, dieser Aussage würden wohl die meisten Menschen zustimmen. Doch wie weit darf man dabei gehen? Was Facebooks Sicherheitsdienst sich erlaubt, dürfte den meisten Menschen dann doch zu weit gehen. Der Konzern betreibt eine Liste mit "gefährlichen Personen" - und überwacht über seine App, wo die sich herumtreiben.

Das haben gleich mehrere ehemalige Mitarbeiter gegenüber "CNBC" bestätigt. Demnach sammelt Facebook Informationen wie Fotos, Profildaten und auch den aktuellen Standort von Personen, von denen nach Einschätzung des Sicherheitsteams eine Gefahr ausgehen könnte. Diese Liste wird als "BOLO" bezeichnet, "Be on Lookout" (etwa: Aufpassen!).

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So einfach kommt man auf die Liste

Wer einmal auf der Liste ist, ruft beim Betreten eines Facebook-Firmengeländes den Sicherheitsdienst auf den Plan, wird gelegentlich überwacht und teils auch an lokale Behörden gemeldet, so der Bericht. Bilder der Personen wurden demnach auch ständig auf einem speziellen Bildschirm angezeigt. Facebook gab auf Anfrage aber an, diesen nicht mehr zu betreiben. Ein Besucher der Firmenzentrale soll gleich von mehreren Sicherheitsleuten bedrängt worden sein, als er einen Freund zum Essen abholen wollte.

Auf die Liste gelangt war er, weil er Facebook-Chef Mark Zuckerberg private Nachrichten geschrieben hatte. Deren genauer Inhalt ist nicht bekannt. Überhaupt scheint es aber erschreckend einfach zu sein, zur Facebook-Gefahr erklärt zu werden. Dem Bericht zufolge seien manche der Personen zwar tatsächlich mehrfach bei der Firma aufgetaucht und hätten Ärger gemacht, teilweise reichen aber auch Posts wie "Fuck Facebook" oder "Fuck Mark", um als Bedrohung gewertet zu werden. Auch Ex-Mitarbeiter landen wohl relativ routiniert auf der Liste. Das führt dann dem Bericht zufolge zu skurrilen Szenen, wenn diese sich erneut auf Stellen bewerben.

Umfangreiche Überwachung

"Unser physisches Sicherheitsteam existiert, um Facebooks Angestellte zu beschützen", erklärte der Konzern gegenüber "CNBC" sein Vorgehen. "Sie verwenden dafür Maßnahmen, die dem Standard unserer Industrie entsprechen, um Gefahren zu erkennen und anzugehen, und diese bei Bedarf an die Behörden zu melden." Die Privatsphäre will Facebook dabei nicht verletzen. "Wir haben strikte Prozesse, welche die Privatsphäre bewahren und den aktuellen Gesetzen und Facebooks Benutzungsbedingungen entsprechen." Vorwürfe, dass die Sicherheitsleute dabei zu weit gingen, weist der Konzern zurück.

Eine Besonderheit bei der Sicherheitsfrage ist sicher, dass Facebook anders als andere Firmen über seine App Zugang zu einer ganzen Reihe persönlicher Daten der Personen auf der Liste hat. So könne man bei Bedarf ihr Smartphone ansteuern und den Standort anfragen, erklärt ein Mitarbeiter. Das würde der Konzern auch tun. 

Wie weit das gehen kann, zeigt der Fall einer Praktikanten-Gruppe, den der Artikel beschreibt. Die hatten sich demnach nicht wie vereinbart im Home Office zur Arbeit eingeloggt. Weil man sich um ihre Sicherheit sorgte, hätten Mitarbeiter dann ihre Smartphones geortet. Weil das keinen Erfolg brachte, wurden zudem noch die Facebook-Chats ausgewertet - mit dem Ergebnis, dass sie sich zum Schwänzen verabredet hatten.

Quelle: CNBC 

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