VG-Wort Pixel

Klage gegen Google Wer im Inkognito-Modus surft, hinterlässt im Netz trotzdem Spuren

Der Inkognito-Modus im Chrome-Browser ist nicht mit einem Unsichtbarkeitsmantel zu verwechseln (Symbolbild)
Der Inkognito-Modus im Chrome-Browser ist nicht mit einem Unsichtbarkeitsmantel zu verwechseln (Symbolbild)
© lev dolgachov/ / Picture Alliance
Wer im Inkognito-Modus surft, hinterlässt dennoch Spuren im Netz - das könnte für Google Konsequenzen haben. Den Konzern erwartet nun eine Sammelklage wegen seiner Datensammel-Praxis im Chrome-Browser.

Es gibt viele Gründe, warum man beim Surfen im Netz unerkannt bleiben möchte. Womöglich ruft man Portale mit äußerst freizügigen Videoinhalten auf, die man lieber nicht im Browserverlauf wiederfinden möchte. Oder man will auf Xing und Co. den beruflichen Hintergrund des neuen Kollegen abklopfen, ohne dass man direkt als neugieriger Besucher aufgeführt wird.

Um das zu bewerkstelligen, starten die meisten Nutzerinnen und Nutzer den sogenannten "Inkognito"-Modus, wie er etwa in Googles Chrome-Browser integriert ist. Mit fast 48 Prozent Marktanteil dominiert Googles Browser in Deutschland. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Wirklich anonym ist man auch im Inkognito-Modus nicht.

Google erwartet Sammelklage

Google muss sich deshalb demnächst mit einer Sammelklage von Chrome-Usern auseinandersetzen. Darin wird der kalifornische Suchmaschinenbetreiber beschuldigt, auch im Inkognito-Modus zahlreiche Daten gesammelt zu haben. Weil die Nutzerinnen und Nutzern nicht deutlich genug über diese Praxis aufgeklärt werden, fordert die Kläger-Seite fünf Milliarden US-Dollar Schadensersatz. 

Das Verfahren wurde bereits im vergangenen Jahr initiiert. Google pochte auf die Einstellung des Verfahrens, doch dieser Antrag wurde nun von der Bezirksrichterin Lucy Koh abgelehnt. Die Klage ist nun zugelassen. Die Summe von fünf Milliarden US-Dollar ergibt sich aus einem entstandenen Schaden in Höhe von 5000 Dollar je Nutzer in den Vereinigten Staaten.

Google bestreitet die Vorwürfe

"Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass Google die Nutzer nicht darüber informiert hat, dass Google die mutmaßliche Datensammlung vornimmt, während sich der Nutzer im privaten Browsing-Modus befindet", schrieb die Richterin Lucy Koh dem US-Nachrichtenportal "Bloomberg" zufolge in San Jose in ihrem Urteil.

Alexa, Siri oder Cortana - warum sind die Sprachassistenten eigentlich weiblich?

Sprich: Der Inkognito-Modus gaukelt lediglich eine Sicherheit vor, während im Hintergrund weiter Daten an Google-eigene Dienste wie den Werbeservice Ad Manager oder Analytics übermittelt werden.

Google teilt die Auffassung des Gerichts nicht. "Wir bestreiten diese Behauptungen vehement und werden uns energisch dagegen wehren", sagte Google-Sprecher Jose Castaneda in einer per E-Mail versandten Erklärung. "Der Inkognito-Modus in Chrome gibt Ihnen die Möglichkeit, im Internet zu surfen, ohne dass Ihre Aktivitäten auf Ihrem Browser oder Gerät gespeichert werden. Wir weisen jedes Mal, wenn Sie einen neuen Inkognito-Tab öffnen, deutlich darauf hin, dass Websites möglicherweise Informationen über Ihre Browsing-Aktivitäten während Ihrer Sitzung sammeln können." Wer diesen Modus nutze, willige der Datensammlung ausdrücklich ein, so das Unternehmen.

Quelle: "Bloomberg"

Lesen Sie auch:

Tracking im Internet: So surfen Sie anonym durchs Netz

Apples Software-Chef Craig Federighi im Interview: "Wir haben keinerlei Interesse daran, alles über Sie herauszufinden"

Interview mit Datenschützer Johannes Caspar: "Google verfügt über eine riesige Überwachungsmaschinerie“

cf

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker