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Google Street View: Warum ich "Nein" sage

Street View bereitet vielen Deutschen Unbehagen: Fast eine viertel Million Widersprüche hat Google kassiert. Auch unser Mitarbeiter Martin Motzkau hat Einspruch eingelegt. Warum?

Ich bin einer von 244.000. Einer von 244.000, die sich von Google nicht alles bieten lassen wollen. Einer von 244.000, die keine Lust drauf haben, dass die ganze Welt ihr Haus begafft. Einer von 244.000, die sagen: Es ist genug, Google!

Google Street View ist für mich nur der Gipfel. Ein weiterer trauriger Höhepunkt einer Online-Welle, die volle Transparenz schaffen und möglichst gar keine Privatsphäre mehr erhalten will. Ich will so wenig wie möglich von mir an das Internet abgeben. Google überschreitet, was das Sammeln von Daten angeht, eindeutig Grenzen. Mich stört die Entwicklung. Ich will nicht, dass Google eines Tages auch noch den Grundriss meiner Wohnung zeigt, ich auf der Straße fotografiert werde und Google noch mehr Informationen über mich sammelt. Deshalb habe ich Widerspruch eingelegt.

Was ich Google konkret vorwerfe? Es klärt zu wenig über Risiken auf. Es greift sich Informationen - wo immer welche verfügbar sind. So konnten die Street-View-Fahrzeuge bei ihren Rundfahrten intime Daten sammeln, die mit dem Dienst nichts zu tun haben. Google vermarktet hemmungslos die Privatsphäre - auch derjenigen, die kaum wissen, dass und wie sie sich dagegen wehren können.

Mein Heim soll keine Werbefläche sein

Ich will nicht, das Google mein Haus als Werbefläche verkauft. Ich fürchte den Kontrollverlust. Wer garantiert mir, dass mein Heim nicht eines Tages auf einer rechtsextremen Internetseite auftaucht - Google jedenfalls nicht.

Meine Abneigung hat auch praktische Erwägungen: In das Haus meiner Eltern wurde bereits mehrmals versucht einzubrechen. Ich habe es unkenntlich machen lassen, da Street View Einbrechern die Arbeit erleichtern kann, indem sie das Haus und einige Zugänge in aller Ruhe ausspionieren können.

Und ich muss zugeben: Mein "Nein" zu Google Street View hat auch etwas Romatisch-Abenteuerliches. Ich will reisen, um mir die verwinkelte Gasse in Alexandria, die entlegene Strandzufahrt in Thailand, die verdreckete Seitenstraße in Mumbai anzuschauen. Ich schätze das Internet, finde es aber traurig, wenn man sich im Netz alles, aber wirklich alles ansehen kann. Wenn man keine Pannen, keine bösen Überraschungen, aber auch keine Glücksmomente mehr erleben kann, weil alles schon vorab online exakt durchgeplant und jeder Winkel des Hotels gescannt wurde - dann verkommt das Abenteuer Reise zur langweiligen Reißbrett-Tour mit der Berechenbarkeit einer Butterfahrt.

Ich brauche also nicht, was Google mir verspricht: Dass ich Umzüge und Reisen bis in den letzten Quadratzentimeter durchstrukturieren kann. Kurzum: Ich brauche Google Street View nicht. Es mag ein schönes Spielzeug sein, aber ein gefährliches.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Die lustigsten Bilder aus Google Street View"

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