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Hasselblad, Siemens und Co. Von der Weltmarke zum Smartphone-Bittsteller

Bei Motorola verkommt die Hasselblad-Kamera zum Smartphone-Aufsatz
Bei Motorola verkommt die Hasselblad-Kamera zum Smartphone-Aufsatz
© stern.de
Einst waren Hasselblad-Kameras gut verdienenden Profis vorbehalten. Jetzt verkauft ein chinesischer Hersteller sie als Smartphone-Aufsatz. Die einst klangvollen Elektromarken müssen sich einer harten Realität stellen.

Es war eine der größten Überraschungen der gerade zu Ende gegangenen IFA: Motorola verkauft für seine Moto-Z-Reihe einen Kamera-Aufsatz, der sie zur Kompaktknipse macht – und der stammt ausgerechnet von Edelkamera-Hersteller Hasselblad. Der stellte schon die erste Kamera auf dem Mond her und ist für den Durchschnittsbürger normalerweise schlicht erschwinglich. Nun kann jeder für 300 Euro mit einer echten Hasselblad knipsen. Konkurrent Leica hatte schon Anfang des Jahres im Huawei P9 (hier bei uns im Test) einem chinesischen Smartphone-Hersteller erlaubt, sich mit der Traditionsmarke zu schmücken. Die beiden Kamera-Hersteller sind nicht alleine mit dieser Entwicklung.

Lange Zeit reichte es für die großen Elektronik-Hersteller, ihre Geräte von Jahr zu Jahr minimal zu verbessern, die Verkäufe kamen dann beinahe von selbst. Mit der Digitalisierung und vor allem der Globalisierung hat sich das dramatisch verändert. Ganze Produktsparten fielen einfach weg, plötzlich bauten auch die ehemaligen Zulieferer aus China hervorragende Produkte – und die Alteingesessenen mussten sich etwas einfallen lassen. Damit gehen Siemens, Hasselblad und Co. jeweils völlig unterschiedlich um. Die einen setzen voll auf die Zukunft, andere enden als reine Ramschmarke.

Die rasante Entwicklung fordert Opfer

Manche Hersteller wurden nämlich von der rasanten Entwicklung schlicht überrannt. Während Kodak zu Zeiten der Film-Fotografie unter den 500 wichtigsten Unternehmen der Welt war, kam mit Einführung von digitaler Fotografie und Videoaufnahme der rasante Absturz. Mittlerweile sind sämtliche Film- und Fotobereiche verkauft, Kodak setzt nur noch auf Drucker – und auf ein Smartphone, von dem die meisten noch nie gehört haben dürften.
Auch Sony hat die Digitalisierung nicht ganz unbeschadet überstanden. Einst stand das Unternehmen wie kein zweites für die Übermacht der japanischen Elektronikindustrie. Doch die Zeiten des Walkman sind lange vorbei. Wäre die Playstation 4 nicht so ein überwältigender Erfolg, sähe es düster aus. Bei Smartphones, Laptops und Co. haben die Japaner bisher einfach keine Begeisterung beim Kunden auslösen können – trotz eigentlich guter Produkte. Jetzt will man sich nach einer Umstrukturierung neu erfinden, erklärte Sony-Chef auf der IFA in Berlin. Und man bereite sich auf die Ära nach dem Smartphone vor. Etwa mit einem smarten Ohrknopf, der Befehle durch Nicken und Kopfschütteln annimmt. Auch das Thema Virtuelle Realität wird mit der Playstation VR aggressiv angegangen. Ob es das ist, was die Kunden wollen?

Die Marken ziehen noch

Die meisten großen deutschen Elektronik-Hersteller haben die Kurve bisher geschafft. Einige Firmen wie Grundig und Metz sind mittlerweile zwar in türkischer beziehungsweise chinesischer Hand. Die Großen - Miele, Bosch und Siemens - konnten sich trotz wachsendem Innovationsdruck bisher am Markt behaupten. Sie setzen seit einigen Jahren immer mehr auf vernetzte Geräte. Der Herd spricht da mit der Herdplatte, der Kühlschrank schießt beim Schließen der Tür ein Bild und schickt es ans Smartphone.
Das Problem dabei: Noch wirkt das alles etwas sehr gewollt. Klar, in der Industrie steht Vernetzung und das sogenannte "Internet der Dinge" ganz oben auf der Liste der aktuellen Elektronik-Trends. Mehrwert liefert die oft krampfhaft angetackert wirkende Internetverbindung aber selten. Da sind Konkurrenten aus Fernost mit wirklich spannenden Features oft schon weiter. Noch gibt es die Extrafunktionen aber ohnehin nur im Highend-Segment. Die normalen Geräte in der Mittelklasse verkaufen sich auch ohne weiterhin ordentlich, die Marken reichen als Zugpferd aus. Das könnte sich aber schnell ändern.

Navihersteller werden schon aktiv

Viele Hersteller von Navigationsgeräten bereiten sich bereits darauf vor. Obwohl sich Navis trotz der Konkurrenz durch das Smartphone weiter gut verkaufen, strecken Tomtom, Garmin und Co. in den letzten Jahren trotzdem die Fühler nach neuen Geschäftsfeldern aus. Weil auch Sport-Navigation ohnehin schon bei ihnen auf dem Programm stand, waren Fitness-Tracker und –Uhren natürlich ein naheliegender Schritt. Dabei wird durchaus Innovation betrieben: Das Tomtom Touch getaufte Fitnessarmband misst etwa zusätzlich zu den üblichen Werten wie Puls und Schlafverhalten auch Körperfettanteil und Muskelmasse. Ob das auf Dauer ausreichen wird, muss sich zeigen.

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