HOME

Neue Konto-Funktion: Google lässt Nutzer ihren Nachlass regeln

Was passiert mit den Internetkonten eines Nutzers nach seinem Tod? Google bietet ab sofort die Möglichkeit, vorab zu regeln, was geschehen soll, wenn ein Account nicht mehr genutzt wird.

Google gibt seinen Nutzern die Möglichkeit, ihren digitalen Nachlass bei dem Internekonzern zu regeln. Das Unternehmen hat in einem Blogeintrag neue Einstellungen für den Fall vorgestellt, dass ein Google-Konto nicht mehr genutzt wird - aus welchen Gründen auch immer. Das entsprechende Tool trägt den etwas spröden Namen "Kontoinaktivität-Manager" - "kein toller Name, das wissen wir", schreibt Google-Manager Andreas Türk im Blog. Das Feature, das von einem Google-Team in München entwickelt wurde, ist in den Kontoeinstellungen zu finden.

Im Kontoaktivität-Manager kann jeder in vier Schritten regeln, was mit seinem inaktiven Konto passiert. In Schritt eins fragt Google die Handynummer des Kontoinhabers ab, um ihn per SMS zu informieren, dass ein inaktives Konto festgestellt wurde. Die Eingabe der Mobilfunknummer ist laut Google zwingend erforderlich, um den Kontoaktivität-Manager nutzen zu können. Zusätzlich können auch alternative E-Mail-Adressen angegeben werden.

In Schritt zwei kann man festlegen, ob Google das Nutzerkonto nach drei, sechs, neun oder zwölf Monaten als inaktiv betrachten soll. Die Frist beginnt mit der letzten Anmeldung beim Google-Konto. Die Benachrichtigung des Kontoinhabers erfolgt einen Monat vor Ablauf der Frist.

Schritt drei: Bis zu zehn vertrauenswürdige Personen können eingetragen werden, die von Google informiert werden, wenn das Konto als inaktiv erkannt wurde. Wenn der Nutzer es wünscht, können diese vertrauenswürdige Kontakte Zugriff auf einige oder alle Daten des Kontos bekommen. Davon ausgenommen sind allerdings - wie bei Apples iTunes - alle Filme, Musikstücke, E-Books und kostenpflichtige Apps, die der Nutzer in Googles Play Store bezahlt hat. "Digitale Produkte werden für den Kontoinhaber persönlich lizenziert, die Nutzungsrechte enden mit seinem Tod", sagt ein Google-Sprecher dem Tech-Portal "GigaOM".

Außerdem kann man eine automatische Abwesenheitsnotiz für GMail einrichten, die dann aktiviert wird.

Im vierten und letzten Schritt lässt sich bestimmten, ob das Konto komplett gelöscht werden soll, nachdem alle Aktionen durchgeführt wurden. Zu den Google-Diensten, für die der Kontoaktivität-Manager eingesetzt werden kann, gehören unter anderem der E-Mail-Dienst Gmail, der Cloudspeicher Google Drive inklusive dem Office-Paket Google Docs, das Fotoalbum Picasa, das soziale Netzwerk Google+, der Blogservice Blogger und die Videoplattform Youtube. Wird das Konto gelöscht, verschwinden - verspricht Google - auch sämtliche Beiträge und Inhalte des Nutzers in allen von ihm genutzten Google-Produkten.

Unterschiedliche Onlinedienste haben verschiedene Regelungen für den Umgang mit Todesfällen. Facebook gibt zum Beispiel die Möglichkeit, eine Seite als virtuelles Denkmal weiterzubetreiben. Oft ist es für Angehörige jedoch schwierig, an die Internet-Profile oder Informationen von Verstorbenen zu kommen und wertvolle Daten gehen verloren. Verschiedene Dienstleister haben sich inzwischen auf die Regelung des digitalen Nachlasses spezialisiert. Außerdem kann es sich lohnen, frühzeitig beim Betreiber von Onlineportalen, bei denen man ein Konto hat, bezüglich der Nachlassregelungen nachzufragen. Einige wie der E-Mail-Anbieter GMX haben die wichtigsten Informationen in einem Text zusammengefasst, die laut Betreiber 1&1 auch für Web.de gelten.

Die neue Funktion von Google ist allerdings nicht an den tatsächlichen Tod des Nutzers gebunden. Oder böse gesagt: Wer sein Konto nicht nutzt, ist für Google tot.

san
Themen in diesem Artikel