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Android Die EU wollte Google bestrafen, doch der Konzern macht ein Geschäft daraus

Ein ehemaliger Google-Manager erhebt schwere Vorwürfe gegen den Suchmaschinenkonzern
Ein ehemaliger Google-Manager erhebt schwere Vorwürfe gegen den Suchmaschinenkonzern
© Getty Images
Die EU hat Google verdonnert, ab 1. März weitere Suchmaschinenanbieter unter Android anzubieten. Das sollte Machtmissbrauch eindämmen - doch Google hat selbst daraus ein Geschäft entwickelt. Die Konkurrenten sind sauer und müssen nun tief in die Tasche greifen.

Für die EU war die Sache klar: Googles Umgang mit dem Betriebssystem Android habe dem Wettbewerb geschadet, weshalb Brüssel im Juli 2018 eine Rekordstrafe in Höhe von 4,3 Milliarden Euro verhängte. Wie die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager erklärte, soll Google Android dazu verwendet zu haben, die marktbeherrschende Stellung seiner Suchmaschine zu festigen: "Durch diese Praktiken wurde Wettbewerbern von Google die Möglichkeit genommen, innovativ und konkurrenzfähig zu sein." Im Zentrum der Kritik stand vor allem die vorinstallierte und alternativlose hauseigene Websuche.

Wer Alternative sein will, muss zahlen

Google muss deshalb ab 1. März 2020 eine neue Suchmaschinen-Auswahl unter Android anbieten, wenn Nutzer innerhalb der EU ein Smartphone oder Tablet einrichten. Die Auswahl der Suchmaschinen dürfte bei einigen Nutzern jedoch für Verwirrung sorgen: Statt den üblichen Verdächtigen wie Microsofts Bing oder Yahoo bekommt man DuckDuckGo, GMX und Info.com zu sehen.

Die auf den ersten Blick ungewöhnliche Auswahl kommt nicht zufällig zustande, denn Google hat beschlossen, nicht die etablierten Suchmaschinenanbieter zu wählen, sondern stattdessen alle Anbieter um die besten Plätze in einem Bietverfahren gegeneinander antreten zu lassen. Wer am meisten zahlt, landet in den drei Alternativen - der Rest geht leer aus. Die vier Suchmaschinen sollen dann in der Liste nach dem Zufallsprinzip angeordnet werden. Im Klartext: Was als Strafe gedacht war, ist für Google nun die Grundlage für ein weiteres Geschäft. Zumal die Auktion alle drei Monate wiederholt werden soll. Über die Summen wurde bislang Stillschweigen vereinbart.

Die Konkurrenz ist sauer

Die Wahl der Suchmaschine ist von großer Bedeutung, denn alle Anfragen auf dem Gerät - sowohl über Chrome als auch via Home-Suche gestellte Fragen - werden darüber verarbeitet. Außerdem wird die jeweilige App auf dem Telefon oder Tablet installiert.

Die Praxis stieß bereits im Vorfeld einigen Unternehmen sauer auf. Der Suchmaschinenanbieter Ecosia bezeichnete die Auktion als "wettbewerbswidrig" und forderte Google auf, diese "ethisch fragwürdigen Praktiken" zu unterlassen. Aus diesen Gründen weigerte sich Ecosia, an der Auktion teilzunehmen. Auch Gabriel Weinberg, Chef der Suchmaschine DuckDuckGo, kritisierte via Twitter, dass die Auswahl mit nur vier Listenplätzen zu klein sei und Google auf Kosten der Konkurrenten profitieren würde. Google bezeichnete die Auktion gegenüber dem US-Technologieportal "The Verge" als "eine faire und objektive Methode, um die Suchanbieter auszuwählen".

DuckDuckGo und Info.com EU-weit vorhanden

Die auf Privatsphäre zentrierten Suchmaschinen DuckDuckGo und Info.com haben sich im ersten Verfahren EU-weit als zwei der drei Google-Alternativen durchgesetzt. GMX hingegen ist nur in Deutschland, Österreich und den Niederlanden eine Option. In Großbritannien taucht etwa Bing im Auswahlmenü auf.

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cf

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