HOME

US-Wahlkampf: Trump vor leerer Halle: TikTok-Nutzer sollen ihn mit Fake-Reservierungen reingelegt haben

US-Präsident Trump dachte, eine Million seiner Fans wollten nach Tulsa kommen. Doch offenbar wurde er von Teenager reingelegt, die die Plätze reserviert haben – aber nie vor hatten, Trump zu huldigen.

Tulsa: Jugendliche sabotieren Donald Trumps Wahlkampfveranstaltung

Letzten Montag war die Welt des Donald Trump noch in Ordnung. Sein Wahlkampf sollte mit dem Auftritt in Tulsa, Oklahoma, beginnen und dafür sollte es eine Million Kartenanfragen gegeben haben, wie Trumps Wahlkampfmanager Brad Parscale stolz twitterte. Eine unglaublich hohe Zahl, die viele Beobachter auf Trumps Hang zu irren Übertreibungen zurückführten. Immerhin hat der ganze Bundesstaat keine vier Millionen Einwohner.

Enttäuschung für Trump - die halbe Halle blieb leer.

Enttäuschung für Trump - die halbe Halle blieb leer.

AFP

Und dann kam die Enttäuschung: Die Stadt wurde keineswegs von einer Million Trumpfans überrannt und selbst in der Arena mit ihren 19.000 Plätzen blieben die oberen Ränge leer. Ein Schlag für das aufgeblähte Ego des Präsidenten. Popstar Pink twitterte spöttisch, dass sie die Plätze in der Halle in nur fünf Minuten verkauft hätte.

Nun gibt es eine Erklärung für die leeren Plätze und die Million Anfragen. Teenager sollen die millionenschwere Wahlkampfmaschine von Trump reingelegt haben, das berichtet die "New York Times". TikTok-User und Fans koreanischer Popmusikgruppen behaupteten, dass sie in einer konzertierten Aktion Hunderttausende von Eintrittskarten für die Trump-Kampagnenkundgebung reserviert hätten. Die ließen sich einfach per Smartphone vorbestellen. Offenbar ohne sofort den Eintrittspreis bezahlen zu müssen.

Fake-Reservierungen 

Schon in der Woche vor der Kundgebung gab es Medien-Berichte über Fake-Reservierungen, so die "New York Times". CNN berichtete etwa von diesem Post: "Oh nein, ich habe mich für eine Trump-Rallye angemeldet, und ich kann nicht hingehen", lachte eine Frau auf TikTok. Es soll Tausende ähnlicher Post gegeben haben, diese Welle brachte dann andere jugendliche Trumpgegner auf die gleiche Idee.

Dabei gingen die Aktivisten sehr klug vor, sie triggerten den Algorhytmus des Netzwerks, setzten aber alles daran, die Aktion im Verborgenen zu lassen,

"Es verbreitete sich hauptsächlich über ALT TikTok." Alt TikTok ist gewissermaßen die alternative Ecke des Netzwerks. "Wir hielten es auf der Seite, wo die Leute Streiche und viel Aktivismus machen", sagte der Youtuber Elijah Daniel zur "NYT": "K-Pop Twitter und Alt TikTok haben ein gutes Bündnis, in dem sie sehr schnell Informationen untereinander verbreiten. Sie alle kennen die Algorithmen und wissen, wie sie Videos ankurbeln können, damit die dort gezeigt werden, wo sie wollen". Der Trick dabei: Die Nutzer löschten die Beiträge schnell wieder. So reichte es für einen Trend innerhalb des TikTok-Universums, der aber nicht nach draußen dringt. "Die Mehrheit der Leute haben alles nach dem ersten Tag gelöscht, weil wir nicht wollten, dass die Trump-Kampagne Wind davon bekommt", sagte Daniel. "Diese Kids sind klug und sie haben an alles gedacht."

Jugendliche Trump-Gegner 

Mary Jo Laup rief in einem TikTok-Video vom 11. Juni dazu auf, Karten zu reservieren und Trump allein auf der Bühne stehen zu lassen. Nur dieses Video soll ihr mehr als 700.000 Likes eingebracht haben, und es wurde mehr als zwei Millionen Mal angesehen. Der "NYT" sagte die Frau, sie sei "verblüfft", dass ihre Anstrengungen tatsächlich zu der geringen Teilnahme an der Rallye beigetragen haben könnten. "Es gibt Jugendliche in diesem Land, die an diesem kleinen No-Show-Protest teilgenommen haben, die glauben, dass sie in ihrem Land im politischen System Einfluss auf das politische System nehmen können, auch wenn sie noch nicht alt genug sind, um jetzt zu wählen."

Video: Amerikaner feiern 19. Juni - Aufschrei wegen Trump-Auftritt

Nach der Veranstaltung meldete sich auch die bekannte demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York per Twitter zu Wort.  "Eigentlich wurden Sie gerade von Teenagern auf TikTok gesteinigt", antworte sie auf Vorwürfe, dass "radikale Demonstranten" die Teilnahme "behindert" hätten.

Krieg der Daten 

Die Jugendlichen sollen immer ein paar Karten bestellt haben und auch ihre Eltern überredet haben, das Gleiche zu tun. Manche unter den echten Namen, aber es ließen sich auch falsche Angaben machen. Ein weiterer Schlag für die Trump-Kampagne. Das Wahlkampfteam von Trump ist bekannt dafür, die Daten der Unterstützer zu speichern und optimal auszuwerten. In dem Datensatz der Trumps-Fans sind nun Tausende von falschen Anhängern geraten. Womöglich ist die Karten-Aktion so gesehen nur eine Vorschau auf kommende Wahlkampfmethoden. In den letzten zehn Jahren wurden individualisierte Daten und maßgeschneiderte Ansprachen via Internet immer wichtiger. Nun gibt es einen Daten-Guerilla-Krieg, der Sand in das Getriebe des Wahlkampfs streut. Und erneut zeigte sich, wie es sich rächt, neue Plattformen zu missachten. Trump gewann die Wahl, weil er auf Twitter und Facebook setzte. Doch das Teenie-Universum von TikTok hatten seine Strategen offensichtlich nicht auf dem Schirm.

Quelle: New York Times