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US-Präsidentschaftswahl "Unausstehlicher Soziopath": Zehn Republikaner erzählen, warum sie Trump nicht mehr wählen werden


US-Präsident Donald Trump steht unter Druck. Immer mehr Wähler wenden sich von ihm ab. Hier berichten zehn Anhänger der Republikaner, warum sie am 3. November ihr Kreuz garantiert nicht bei Trump machen werden.

Weniger als fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl am 3. November kämpft Donald Trump mit rapide sinkenden Umfragewerten. Sein Umgang mit der Coronavirus-Pandemie und den landesweiten Anti-Rassismus-Protesten hat den US-Präsidenten viele Sympathien gekostet. Selbst bei seinen Kernwählern verlor er zuletzt an Unterstützung. Laut dem Meinungsumfragenportal "FiveThirtyEight", das US-weit Umfragen sammelt und analysiert, stimmen nur noch rund 41 Prozent der Wahlberechtigten Trumps Politik zu, rund 55 Prozent halten seine Amtsführung für schlecht. Und im Vergleich mit seinem designierten demokratischen Herausforderer Joe Biden liegt Trump in allen aktuellen Umfragen klar hinten – mit einem Durchschnittswert von -8,1 Prozent.

Auf dem Internetportal Republican Voters Against Trump erzählen Menschen, die nach eigener Aussage Republikaner, ehemalige Republikaner, Konservative und ehemalige Trump-Wähler sind, warum sie den 45. Präsidenten der USA im Herbst auf keinen Fall unterstützen werden. Hier finden Sie zehn Ausschnitte aus den Aussagen:

"Toxische Führung"

"2016 habe ich für Donald Trump gestimmt", sagt Jack aus Michigan. "Die Leute fragen mich, wen ich 2020 wählen werde. Ich sagte, ich werde eher für ein Thunfisch-Sandwich stimmen als wieder für Donald Trump".

Spielman ist nach eigener Aussage seit seiner Collegezeit Republikaner. "Trump versucht, in allem, was er tut, der Größte und Beste zu sein, aber die größten Defizite, die größte Staatsverschuldung, der größte Verschwender sind nicht die Dinge, die man sich zum Ziel setzen sollte", beklagt er sich. "Donald Trump ist das, was wir als toxische Führung bezeichnen."

"Wer sind diese Leute?"

"Die Republikaner, mit denen ich aufgewachsen bin, sind nicht wie die Republikaner, die ich heute sehe", sagt Nancy, eine Lehrerin in Oklahoma. "Tatsächlich frage ich mich, wer sind diese Leute? Die republikanische Partei scheint das Konzept des Gemeinwohls verloren zu haben."

Sie habe 2016 widerwillig für Donald Trump gestimmt, berichtet Nancy. In den letzten Jahren habe sie "versucht zu ignorieren, was Trump tut, und habe nur die Daumen gedrückt und gehofft, dass wir vier Jahre ohne eine größere Krise überstehen würden. Nun, ich habe diese Wette verloren, und Trump machte deutlich, zumindest für mich, wer er wirklich ist. Und ich bin einfach entsetzt."

"Niemals weniger sicher gefühlt"

"Seit ich 2016 für Nummer 45 gestimmt habe, sind all diese Versprechen, all die Dinge, die er für seine Amtszeit garantiert hat, leider nicht eingetreten", meint Zane aus Indiana. "Ich habe mich in den Vereinigten Staaten noch nie weniger sicher gefühlt als jetzt, wo er das Sagen hat."

Zane erklärt, dass schon Trumps Angriffe auf Journalisten für ihn genug waren, um dem Präsidenten den Rücken zuzudrehen. "Sie müssen sich nicht einmal all die anderen Dinge ansehen, über die er gelogen, die er verbreitet und getwittert hat."

"Er ist kein Konservativer"

"Ich habe 2016 für Donald Trump gestimmt", berichtet Scott aus Ohio. "Jemand sagte einmal: 'Täusche mich einmal, Schande über dich. Täusche mich zweimal, Schande über mich'. Und ich lasse mich nicht ein zweites Mal zum Narren halten."

Er werde im November nicht für Donald Trump stimmen, erklärt Scott. "Und zwar aus folgendem Grund: Erstens ist er kein Konservativer. Betrachtet man seine Ausgaben, sein Defizit, seine Bereitwilligkeit, militärische Gewalt gegen US-Bürger anzuwenden, wenn nötig sogar auf Kosten des ersten Zusatzartikels, so sind dies wahrlich keine konservativen Werte." Trump habe sich nur als Konservativer getarnt, um gewählt zu werden.

"Ein unausstehlicher Soziopath"

"Ich gebe zu, dass ich bei der Wahl 2016 für Donald Trump gestimmt habe, weil ich das Gefühl hatte, dass es zu diesem Zeitpunkt keine besseren Kandidaten gab", sagt Connor aus Maine. "Mit einer ganzen Reihe von Dingen, die er getan hat, von der unausstehlichen Prahlerei über den Sieg beim Amtsenthebungsverfahren über die Coronavirus-Pandemie bis hin zum Tod von George Floyd und seiner Reaktion darauf, möchte ich ihn nicht mehr im Amt haben. Er ähnelt eher einem unausstehlichen Soziopathen als einem tatsächlichen Präsidenten."

"Ich habe Angst um mein Land. Ich will nicht, dass es ein faschistischer Staat wird", berichtet Connor. Zwar setze er auch auf Joe Biden keine großen Hoffnungen, aber im Moment sei ihm jeder andere lieber als Donald Trump. "Ich will ihn nicht mehr im Amt haben."

"Die Vereinigten Staaten in große Gefahr gebracht"

"Zum ersten Mal seit vielen Jahren kann ich nicht für einen Republikaner stimmen", erzählt Steve aus North Carolina. "Donald Trump ist weder Republikaner noch vertritt er einen der Werte, die die republikanische Partei, die ich kenne, vertritt. Sein Hass auf Ausländer, seine rassistische Voreingenommenheit, seine Unwissenheit über grundlegende Fakten der Wissenschaft und Technik sind erstaunlich. [...] Meiner Meinung nach hat er die Vereinigten Staaten in große Gefahr gebracht, so sehr, dass ich gezwungen bin, für Joe Biden zu stimmen."

"Donald Trump hat uns das gegeben, was er versprochen hat"

Die alleinerziehende Janice aus Kalifornien ist überzeugte Anhängerin der Republikaner. Dennoch habe sie Donald Trump 2016 "zur Bestürzung meiner erweiterten republikanischen Familie" nicht gewählt. "Ich schaue mir zunächst den Charakter an. Ich möchte wissen, ob es eine Person mit Integrität ist. Ob sie ehrlich ist. Eine Person, die zu ihrem Wort steht. Jemand, der wie ich an harte Arbeit, persönliche Verantwortung, Fairness und Patriotismus glaubt. Diese Eigenschaften habe ich bei Donald Trump nicht gesehen."

Sie wünschte, sie könnte sagen, dass sie falsch gelegen habe, erklärt Janice, doch: "Ich glaube, Donald Trump hat uns genau das gegeben, was er versprochen hat, und vielleicht Schlimmeres. Er gab uns einen spalterischen, sexistischen, rassistischen, narzisstischen Entscheidungsträger und Anführer, der die Grundfesten unserer Gesellschaft bedroht hat." Aus diesem und vielen weiteren Gründen habe sie vor, Joe Biden zu wählen.

"Sehr respektlos gegenüber allen Amerikanern"

"Ich habe 2016 für Donald Trump gestimmt, aber ich werde nicht mehr für ihn stimmen", sagt Jay aus Pennsylvania. "Ich mag es nicht, von jemandem angelogen zu werden, insbesondere nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Es ist sehr respektlos gegenüber allen Amerikanern, wenn man bedenkt, dass er von uns erwartet, dass wir einige seiner ungeheuerlichen Behauptungen glauben."

Als Beispiel führt Jay die von Trump verhängten Strafzölle auf Importe aus China an: "Das Geld, das durch die Zölle im Handelskrieg eingenommen wurde, wurde von den Amerikanern bezahlt, nicht von China."

"Trump verbreitet Angst und Unsicherheit"

"Als Kind von Einwanderereltern sah ich zu, wie meine Eltern ein koreanisch-englisches Wörterbuch benutzten, um ihre Wahlzettel akribisch zu übersetzen, weil sie ihre Verantwortung als US-Bürger so ernst nahmen", berichtet Charles aus Kalifornien, der nach eigener Aussage seit 25 Jahren stolzes Mitglied der republikanischen Partei ist.

"Ich bin mit republikanischen Werten aufgewachsen. Ich habe Lincoln und Roosevelt und Reagan verehrt. [...] Aber jetzt sehe ich zu, wie Trump die Führerschaft dieses Landes zu seinem eigenen, persönlichen Podium macht, um Angst und Unsicherheit zu verbreiten." Statt das Land zu vereinen, in einer Zeit, in der es dies dringend brauche, sende der Präsident Botschaften der Gewalt aus. "Er hat alles getan, gegen das die republikanische Partei immer stand".

"Das ist ein Zugunglück"

"Ich habe Trump gewählt", erzählt Thomas aus North Carolina. "Ich bedauere es zutiefst, Trump gewählt zu haben. Vielleicht habe ich gegen Hillary [Clinton, Anm. d. Red.] gestimmt, ich weiß es nicht. Ich habe bei vielen Wahlen für die Republikaner gestimmt und dachte, ich sei ein loyales Mitglied der Partei. Aber dies ist nicht die Partei, die ich gewählt habe. [...] Das ist ein Zugunglück, das immer weiter und weiter geht. Was haben wir uns dabei gedacht? Ich meine, schau uns an."

Quellen: "Front Page Live", Republican Voters Against Trump"FiveThirtyEight"Real Clear Politics


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