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Französisches Gericht entscheidet Angebliche Wlan-Allergie: 39-jährige kassiert jetzt Rente


Weil die elektrische Strahlung von Wlan- und Mobilfunknetzen sie krank macht, darf eine Französin Arbeitsunfähigkeitsrente beziehen - obwohl der Staat weiter leugnet, dass es ihre Krankheit gibt.
Von Malte Mansholt

Ob der neue Handy-Sendemast oder die immer wachsende Zahl an Funknetzwerken: Die Strahlung um uns herum nimmt immer weiter zu. Die meisten Menschen merken das vor allem daran, dass sich immer mehr Smartphones in dieselbe Funkzelle einloggen - und dadurch die Internetgeschwindigkeit sinkt. Anderen geht es allerdings richtig schlecht. Die als "elektrosensibel" bezeichneten Opfer der Dauerbestrahlung klagen über Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Seh- und Konzentrationsstörungen. Jetzt hat ein Gericht in Frankreich entschieden, dass eine Frau wegen der Strahlung arbeitsunfähig ist und die entsprechende Rente kassieren darf - obwohl alles dafür spricht, dass es ihre "Krankheit" gar nicht gibt.

Wenn die Klägerin, eine 39-jährige Französin namens Marine Richard, ihr Leiden beschreibt, klingt das in der Tat furchtbar. "Es ist, als ob man mir mit einer Bohrmaschine direkt ins Hirn bohrt oder meinen Kopf in eine Schraubzwinge quetscht", erzählt sie in einem Interview mit der französischen Zeitung "La Depesche". "Es ist extrem schmerzvoll und zieht sogar die Wirbelsäule hinunter. Daraus folgen natürlich weitere Probleme wie Herz- und Nervenleiden sowie Konzentrationsschwierigkeiten." Um der Strahlung zu entgehen, suchte sie 1,5 Jahre nach einem möglichst strahlungsfreien Ort. Bis sie ihn im entlegenen Ariège  fand. Dort wohnt sie nun in einer Steinhütte ohne jegliche Stromleitung oder fließend Wasser. Das besorgt sie sich aus einem Brunnen. Für sie ist es die einzige Art, schmerzfrei zu leben.

800 Euro Rente pro Monat

Seit letzten Mittwoch ist das Leiden der ehemaligen Autorin und Regisseurin von Radio-Dokumentationen nun offiziell als Arbeitsunfähigkeit anerkannt. Ein Gericht in Toulouse hat ihr zugesprochen, die entsprechende Rente von etwa 800 Euro im Monat zu beziehen. Für drei Jahre. Danach muss sie sie neu beantragen. Ihre Symptome werden im Urteil aber nicht als Krankheit bezeichnet - mit gutem Grund: Fast alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen dafür, dass es eine solche Krankheit überhaupt nicht gibt.

In verschiedensten Studien rund um den Globus konnte bisher kein Nachweis dafür erbracht werden, dass Menschen feststellen können, ob sie einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt sind oder nicht. Eine Studie zeigte sogar eine gegenteilige Reaktion, als vorher angenommen: Die Menschen reagierten in Experimenten tatsächlich negativ auf Strahlungsfelder - aber nur dann, wenn sie fehlten.

Rückzugsräume für Strahlenopfer

Marine Richards ist indes mit dem Urteil zufrieden. Es könne als Präzedenzfall für andere Strahlenopfer dienen, sagte sie der Zeitung "Le Figaro". Ausreichend findet sie die Maßnahmen aber nicht. Sie fordert Rückzugsräume vor der Strahlung. "Es gibt Tausende, die nicht wissen, wo sie hingehen sollen. Auch einen Begriff für diese Menschen hatte sie gegenüber "La Depesche" parat: Umweltflüchtlinge.


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