Daten-Mobilfunk Das Ende der Flatrate-Party


Es sind nicht nur Millionen von Smartphones, die Daten über die Mobilfunknetze saugen. Jetzt kommen Rechner wie das iPad hinzu - und die sind noch durstiger. AT&T reagiert und stoppt das grenzenlose Surfen. Das Ende der Flatrates naht - nicht nur in den USA.
Von Arndt Ohler

Abbrüche bei Gesprächen, besetzte Leitungen, schlechter Empfang. In einigen US-Großstädten sind Smartphones wie Blackberrys oder iPhone im Netz des US-Mobilfunkers AT&T zeitweise kaum zu gebrauchen. Oft funken Hunderte der Datenfresser in der gleichen Mobilfunkzelle und überlasten Sende- und Empfangsstationen.

Der Kollaps droht nicht nur in den USA. Auch in Europa arbeiten Mobilfunkunternehmen an Strategien, um die Flut zu kontrollieren. "Denn der Datenverkehr wird weiter explodieren", sagte Rajeev Suri, Chef des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN), kürzlich.

AT&T killt seine Daten-Flatrates

Tarife, die eine bestimmte Menge an Datenverkehr zulassen oder eine spezielle Übertragungsgeschwindigkeit garantieren, könnten das Problem lösen. AT&T hat daher die Kehrtwende gewagt und als einer der ersten Konzerne am Mittwoch begrenzte Tarife eingeführt. Für 25 $ können Kunden monatlich zwei Gigabyte Daten verbrauchen. Danach müssen sie zuzahlen. Für 15 $ gibt es 200 Megabyte.

Handy- und Computernutzer, die unterwegs stets Empfang, volle Geschwindigkeit sowie ein unbegrenztes Datenvolumen haben möchten, werden künftig wohl mehr zahlen müssen. Wer jedoch nur gelegentlich per Handy im Internet surft, zahlt womöglich weniger. Laut AT&T verbrauchen 65 Prozent der AT&T-Kunden monatlich weniger als 200 Megabyte. Zwei Prozent nutzen mehr als zwei Gigabyte.

Auch Kleinrechner wie Apples iPad werden die Netze belasten. Mit dem größeren Bildschirm eignen sie sich besser zum Websurfen und Filmeschauen. Der Download eines Youtube-Videos erzeugt dabei laut NSN den gleichen Datenverkehr wie 500.000 SMS.

"Der Preis muss mit dem Datenvolumen in Zusammenhang stehen, sonst wird es nicht funktionieren", sagte Kenneth Karlberg, Manager beim Telekomunternehmen TeliaSonera, vor einigen Wochen. Der Chef des größten US-Mobilfunkkonzerns Verizon Wireless, Lowell McAdam, erwartet ebenfalls, dass Anbieter künftig Datenpakete verkaufen werden.

TeliaSonera hat in einigen Städten den schnellen Mobilfunkstandard der vierten Generation, LTE, eingeführt. Im Vergleich zum aktuellen Standard UMTS müssen TeliaSonera-Kunden für LTE monatlich umgerechnet 31 Euro mehr zahlen.

Abstufungen bei der Qualität

Experten erwarten, dass weitere Mobilfunkunternehmen den Sprung auf die nächste Technologie für den Start neuer Tarife nutzen werden. Standards wie LTE oder Wimax seien zwar effizienter, aber auch deren Kapazitäten seien endlich, argumentieren Analysten des Marktforschungsunternehmens CCS Insight. "Wir erwarten, dass Anbieter von LTE abgestufte Tarife auf Basis des Verbrauchs sowie auf Basis der Servicequalität anbieten werden", schrieb CCS-Analyst John Jackson in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Quality of Service ist auch ein häufig erwähntes Schlagwort von Telekom-Chef René Obermann. Der Dax-Konzern ist in Deutschland exklusiver Anbieter des iPhone. Ende 2009 hatte die Telekom in Deutschland 1,5 Millionen Apple-Handys verkauft. Entsprechend ist die Netzlast deutlich gestiegen. Bislang behilft sich der Konzern mit einer Datenbremse bei einigen iPhone-Tarifen. Ab einer bestimmten Grenze fließen die Daten deutlich langsamer durchs Netz. Eine harte Grenze wie bei den neuen Tarifen von AT&T gibt es nicht.

Datenintensive Dienste wie Videodownloads, das Streamen von Musik sowie Onlinespiele bedrohen auch Pauschaltarife im Festnetzinternetgeschäft. Der US-Konzern Cisco prognostiziert, dass sich der weltweite Datenverkehr bis 2014 gegenüber 2009 vervierfachen wird.

Unklar ist, ob dabei künftig Kunden zahlen müssen. So fordern große Internetanbieter wie Telefónica aus Spanien oder die Deutsche Telekom, dass Konzerne, die enorme Datenmengen erzeugen, wie der Webkonzern Google, künftig mehr für die Nutzung der Internetinfrastruktur zahlen sollen.

FTD

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