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Frust über Apples Quartalszahlen: Der Apfel ist ganz schön angefressen

Apple hat am Dienstag neue Verkaufszahlen präsentiert - und damit nicht nur die Börse frustriert, sondern eine Schwäche offenbart. Landet Tim Cook nicht bald einen Coup, droht die Bedeutungslosigkeit.

Von Christoph Fröhlich

Was für Verkaufszahlen! 37,4 Millionen iPhones und 19,5 Millionen iPads hat Apple in nur einem Quartal an den Mann gebracht. Das sind Dimensionen, die andere Hersteller nicht einmal in ihren kühnsten Träumen erreichen - ausgenommen Samsung. Ein Grund zum Feiern? Mitnichten. Die Stimmung bei den Anlegern war so mies wie seit Jahren nicht mehr. Stirnrunzeln statt Jubelstürme. Denn weder der 9,5-Milliarden-Dollar-Gewinn noch die angekündigte Aktionärs-Auszahlung von 100 Milliarden Dollar konnten über das Offensichtliche hinwegtäuschen: Apple ist ins Taumeln geraten. Der Glanz, der das Unternehmen jahrelang unangreifbar wirken ließ, ist verblasst. Man könnte auch sagen: Apple ist in der Normalität angekommen.

Warten auf das "one more thing"

Jahrelang kannte der Börsenkurs von Apple nur eine Richtung: nach oben. Zwischenzeitlich war der iPhone-Hersteller die wertvollste Firma der Welt und ließ selbst den Ölmulti ExxonMobil hinter sich. Nun ebbt der Smartphone-Boom, der Apple in den vergangenen Jahren fette Gewinne verschaffte, langsam ab. Die Konkurrenz hat aufgeholt, die Margen werden kleiner. Trotz steigender Umsätze ist der Gewinn erstmals gesunken. Auch im nächsten Quartal dürfte der Abwärtstrend nicht zu stoppen sein.

Für das Problem gibt es nur eine Lösung: Tim Cook muss ein Highlight aus dem Ärmel schütteln. Er braucht ein neues "one more thing". Doch das kann dauern. Frühestens im Herbst werde der Konzern aus Cupertino neue iGadgets präsentieren, sagte Cook am Dienstagabend. Im Klartext heißt das: Bis dahin herrscht Flaute in den Apple Stores. Kein neues iPhone, kein besseres iPad bis zum Sommer. Der sagenumwobene Apple-Fernseher und die iWatch bleiben Phantome. Samsung und HTC können sich derweil genüsslich mit ihren neuen Spitzengeräten breit machen.

Apple muss sein Geheimnis bewahren

Doch nicht nur fehlende Innovationen sind Schuld an den sinkenden Gewinnen. Es ist auch der veränderte Markt: Apple muss lernen, auf die Wünsche seiner Kunden zu reagieren. Nicht das Unternehmen diktiert dem Markt, was gewünscht wird, sondern umgekehrt. Samsung hat längst auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden reagiert und schießt eine wahre Breitsalve an Smartphones und Tablets auf den Markt: Geräte in allen Größen, Formen und Farben liegen in den Regalen der Händler. Apple dagegen setzt auf wenige Modelle. Die Rechnung geht nicht auf: Samsung ist mittlerweile international die Nummer eins.

Tim Cook hat eingeräumt, seine sture Haltung gegenüber Smartphones mit größeren Displays zu überdenken, wenn das Produkt dadurch tatsächlich verbessert werden würde. Das Einlenken hat bereits einmal funktioniert: Hätten Samsung, Amazon und Co. nicht kleinere Tablets auf den Markt gebracht, das iPad Mini würde vermutlich jetzt noch in Apples Testlaboren vermodern. Mittlerweile ist es eines der beliebtesten Geräte, die Kunden reißen es dem Konzern geradezu aus den Händen. Dennoch ist der einstige Trendsetter Apple zum Mitläufer geworden.

Cook muss aus Fehlern lernen

Zudem hat Apple im vergangenen Jahr einige Fehler gemacht. Mit der Ankündigung des iPad 4 stieß das Unternehmen vielen Kunden vor den Kopf, die erst wenige Monate zuvor das iPad 3 gekauft hatten. Der Apple-Kartendienst strotzte vor Fehlern. Der runderneuerte iMac, den Apple im Oktober vorstellte, war monatelang nicht lieferbar. Zumindest hat Tim Cook die Fehler zugegeben, was ihn sympathischer macht als Steve Jobs. Dieser wies die Schuld stets von sich. Doch es gehört mehr dazu, als Fehler zuzugeben. Er muss auch aus ihnen lernen.

Für einen Abgesang ist es noch zu früh. Doch Apple muss aufpassen: Die Geheimniskrämerei und die spektakulären Ankündigungen sind das einzige, was das Unternehmen von der Konkurrenz unterscheidet. Das Kapital ist die Hipness. Geht der Nimbus verloren, droht der Konzern Apple das zu werden, was er um jeden Preis vermeiden will: eine Firma wie jede andere.