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Chatdienst-Verbot: Wie Russland sich bei dem Versuch blamiert, Telegram zu stoppen

Russland hat den populären Internetdienst Telegram verboten. Doch der Kreml schafft es bislang nicht, die Nutzung der Messenger-App zu verhindern - ganz im Gegenteil.

Die russische Telegram-Version auf einem Smartphone in Moskau

Vor allem bei politischen Aktivisten sehr beliebt: Die Messenger-App Telegram, hier in der russischen Version auf dem Smartphone einer Frau in Moskau

AFP

Vor fast zwei Wochen hat ein Moskauer Gericht die Sperre des Chatdienstes Telegram in Russland angeordnet. Seither versucht die Regierung über die staatliche Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Datenschutz, Roskomnadsor, die Nutzung der international beliebten Messenger-App zu verhindern. Dabei hat sie nicht nur wenig Erfolg, sie blamiert sich auch noch.

Auslöser der Kreml-Offensive gegen den Chatdienst war die Weigerung des russischen Telegram-Gründers Pawel Durow, dem Geheimdienst FSB Zugang zu den persönlichen Daten der Nutzer zu ermöglichen. Der 33-Jährige beruft sich dabei auf die russische Verfassung, die das Briefgeheimnis garantiert. Außerdem ist das verwendete Verschlüsselungssystem nach Angaben von Telegram so kompliziert und sicher, dass das Unternehmen selbst zu manchen Daten keinen Zugang hat und die Forderungen deshalb gar nicht erfüllen kann.

Kreml lässt 16 Millionen IP-Adressen sperren

Der FSB argumentiert dagegen, dass Telegram von terroristischen und extremistischen Organisationen verwendet werden könne. Das ist in der Vergangenheit auch geschehen, allerdings ist die App vor allem auch bei politischen Aktivisten besonders beliebt. So benutzen Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin sie wegen ihrer starken Verschlüsselung gern für Mitteilungen oder um Protestaktionen zu koordinieren. Der Schutz von Privatsphäre und Nutzerdaten ist quasi der Markenkern von Telegram - auch der Schutz vor allzu neugierigen Regierungen.

Der Kreml will seine Neugier aber befriedigt sehen. Anfang vergangener Woche ließ Roskomnadsor deshalb 16 Millionen IP-Adressen blockieren, die zur Nutzung von Telegram verwendet wurden, 13 Millionen davon gehörten den US-Großanbietern Google und Amazon. Die flächendeckenden Sperren legten aus Versehen aber andere Chatdienste wie Viber sowie Internethändler, Bezahldienste, einen Kurierdienst und sogar das Moskauer Kremlin Museum zeitweise lahm. Telegram dagegen funktionierte weiter.

Im Verlauf der Woche blockierte Roskomnadsor weitere IP-Adressen und gab Stellungnahmen an die Presse heraus, mit der Behauptung, 30 Prozent der Telegram-Dienste seien gestört worden. Die App aber wechselte auf Server im Ausland und funktionierte weiter. Sie habe sogar eine Rekordzahl an neuen Nutzern hinzugewonnen, berichtet der Nachrichtensender Al Jazeera auf seiner Internetseite.

Telegram-Nutzer entziehen sich der Kontrolle

Was die russische Kontrollbehörde noch mehr Ärgern dürfte: Nutzer der verschlüsselten Kommunikation begannen Medienberichten zufolge damit, auf den Anonymisierungsdienst Tor oder unkontrollierbare Verbindungen ins Internet mit VPN-Tunneln auszuweichen.

Vor wenigen Tagen noch wäre dem durchschnittlich trägen russischen Nutzer die Einrichtung eines solchen virtuellen privaten Netzwerks zu kompliziert gewesen, schreibt der Moskauer Journalist und Aktivist Roman Dobrochotow auf Al Jazeera. "Aber heute wird sogar in Foren für junge Mütter über VPN-Dienste diskutiert, während ältere Nutzer ihre Enkel darum bitten 'dieses Ding' für sie einzurichten." Zu Roskomnadsors Bestürzung seien da jetzt all diese russischen Internetnutzer, die sich keine Sorgen über die Telegram-Blockade machen müssten, und die auch noch all die anderen von der Zensur gesperrten Webseiten läsen.

Russlands bislang massivsten Versuch, das Internet staatlich zu kontrollieren, nennt Dobrochotow deshalb "nicht nur eine Niederlage für die russischen Behörden, es war ein peinliches Desaster". Die von über 60-Jährigen dominierte politische Führung des Landes habe nicht gewusst, dass die Kontrolle des Internets nicht das gleiche ist, wie die Kontrolle des Fernsehens. "China hat es mithilfe einer Firewall - ein technologisches Wunder wie die chinesische Mauer - geschafft, dieses Problem teilweise zu lösen", schreibt Dobrochotow. "Aber Russland ist nicht China."

"Die hiesigen Staatsdiener leben in der Steinzeit"

Das sieht auch die russische Wirtschaftszeitung "Wedomosti" so. "Die hiesigen Staatsdiener sind nicht unfähig. Sie leben nur verglichen mit ihren chinesischen Kollegen in der Steinzeit", kommentierte das Blatt die gescheiterte Telegram-Blockade. "Was sie jetzt tun - das Internet zu zerstören, den gesunden Menschenverstand und das Investitionsklima zunichte zu machen, ist genau das Gegenteil dessen, was China gemacht hat. (...) Aber um es so zu machen wie die Chinesen, müsste man 20 Jahre zurückgehen, Milliarden in eine staatliche russische Firewall investieren und ertragreiche russische Gegenstücke zu den US-Technologiegiganten zu entwickeln."

Dobrochotow illustriert das Gefälle zwischen China und Russland mit einem plastischen Beispiel: "China baut 3500 Kilometer Hochgeschwindigkeitsgleise jährlich; Russland plant, in zehn Jahren 4000 Kilometer solcher Bahnschienen zu bauen (und es ist noch unklar, ob es das schafft)."

Selbst aus den eigenen Reihen bekommt die russische Regierung Gegenwind in ihrem Kampf gegen Telegram, denn viele Politiker und Journalisten benutzen den Messengerdienst selbst. Was denn mit den zwei offiziellen Kanälen des russischen Außenministeriums auf Telegram geschehen solle, fragte Sprecherin Maria Sacharowa vergangene Woche - und fügte hinzu. "Ich bin gegen eine Schließung."

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.