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Aufrüstung Atom-U-Boote: So will Australien Chinas Machtstreben entgegentreten

Grafik der amerikansichen Virginia Klasse. Mit dem Virginia Payload Module kann dieser Typ Raketen vertikal starten.
Grafik der amerikansichen Virginia Klasse. Mit dem Virginia Payload Module kann dieser Typ Raketen vertikal starten.
© Wikipedia / PR
Australien lässt den Plan fallen, französische U-Boote zu kaufen, stattdessen soll eine Flotte von atomar angetriebenen U-Booten mit britischer und amerikanischer Unterstützung gebaut werden. Doch das kann dauern.

Australien schließt einen Deal mit den USA über den Bau von Angriffs-U-Booten ab und steigt gleichzeitig aus dem Vertrag mit Frankreich über den Bau ähnlicher U-Boote aus. Zwölf Boote der "Attack"-Klasse – ursprünglich Shortfin Barracuda Block 1A Design – sollten gebaut werden. Die Kosten beliefen sich auf 50 Milliarden Australische Dollar. Auch wenn das australisch-französische-Projekt bislang eher ruckelig denn glatt lief, zeigt sich die französische Regierung düpiert.

Der neue Deal hat zwei Komponenten eine militärtechnische und eine verteidigungspolitische. An der Rolle der U-Boote hat sich nichts geändert. Australien wünscht sich eine Flotte moderner "Angriffs"-U-Boote. Angriff bedeutet dabei nicht, dass man einem Krieg beginnen will. Es entspricht dem Wort "Jagd U-Boot" des Zweiten Weltkriegs. Diese Boote sind dafür konzipiert, Schiffe und andere U-Boote zu bekämpfen. Anders als Unterseeboote, die vorrangig strategische Raketen transportieren. Wichtig auch: Die Boote werden von einem Nuklearreaktor angetrieben, das heißt nicht, dass sie mit Atomwaffen bestückt werden.

Mit dieser Unterwasser-Flotte will Australien Chinas maritimer Aufrüstung entgegentreten. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Peking auf die Pläne mit wütenden Kommentaren reagiert. Gleichzeitig mit der Verkündung wurde ein pazifischer Verteidigungspakt zwischen Großbritannien, Australien und den USA verkündet.

Aggressiver Export der USA

Wie auch bei anderen Rüstungsgeschäften sieht man hier, wie die USA aggressiv die Konkurrenz aus Europa verdrängen. Im Zweifel entscheiden sich Länder für Militärgüter aus dem Land, auf das sie im Konfliktfall am meisten Hoffnungen setzen. Und das sind meist die USA. Sollte die Lage im pazifischen Raum tatsächlich eskalieren, ist Australien auf Hilfe aus Washington und weniger auf Hilfe aus Paris angewiesen. Wenn die USA aber im stärkeren Maße Beistandsversprechen mit Rüstungsexporten kombinieren, sieht es für die Exportchancen von Waffensystemen aus Europa schlecht aus.

Hinzu kommt ein Wandel der US-Exportpolitik. Bis zur Regierung Obama weigerten sich die USA, avancierte Rüstungsgüter zu verkaufen. Es kam häufig nur das Zweitbeste auf den Markt. Das schadete dem Ansehen der USA, etwa als die Welt bemerkte, dass die USA Fahrzeuge mit minderwertiger Panzerung verkauften. Diese restriktive Haltung führte dazu, dass Länder wie China und die Türkei groß ins Drohnengeschäft einsteigen konnten. Und dazu, dass die Kosten für den Stealth-Jet F-35 astronomisch anstiegen, weil es keine Exporte gab. Unter Trump wurden die Bedenken über Bord geworfen.

Der Sinneswandel führt beim U-Boot Deal zu weiterer Verstimmung. Noch vor Jahren sollte Australien keine atombetriebenen U-Boote erhalten. Washington setzte die Verbündeten unter Druck, derartige Systeme nicht zu liefern. Die Attack-Klasse war dann auch eine Weiterentwicklung der französischen Atom-U-Boote – allerdings abgespeckt mit konventionellem Antrieb. Dass Washington nun selbst Atom-U-Boote liefert, ist ein Affront.

Welches U-Boot wird gebaut

Anders als bei der Ausschreibung, in der sich die Attack-Klasse durchsetzen konnte, ist bisher nicht bekannt, was für ein U-Boot Australien nun genau bekommen sollen. Nur dass es kein Konventionelles sein wird, ist klar. In den nächsten 18 Monaten soll zunächst eine Roadmap für die Beschaffung der Boote entwickelt werden. Denkbar wäre eine Weiterentwicklung der britischen Astute-Klasse oder der amerikanischen Virginia-Klasse. Oder eine Übernahme der kommenden SSN(X) Boote der USA. Oder vielleicht wird es auch eine eigenständige Entwicklung auf Basis der Technik der Verbündeten geben.

Grundsätzlich wäre ein U-Boot mit Atomantrieb immer die erste Wahl gewesen. Auch die modernsten Boote mit konventionellem Antrieb können bei Reichweite, Tauchdauer und Geschwindigkeit nicht mit Atom-U-Booten mithalten. Im Einsatzraum des Pazifiks mit seinen großen Distanzen sind diese Qualitäten weit wichtiger als im Mittelmeer oder in der Ostsee. "Atom-U-Boote haben klare Vorteile", sagte dann auch der australische Premierminister Scott Morrison. "Sie haben eine größere Ausdauer, sind schneller, haben eine höhere Leistung, eine größere Tauchfähigkeit und eine größere Tragfähigkeit. Diese Vorteile bringen eine erhebliche Verbesserung der Fähigkeiten, die Australien benötigt. Sie helfen uns, die regionale Widerstandsfähigkeit zu stärken."

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Australien von den USA Tomahawk-Marschflugkörper großer Reichweite kaufen wird, die zunächst auf den Zerstörern der Hobart-Klasse installiert werden sollen. Aber natürlich ist zu erwarten, dass auch die neuen U-Boote mit Langstreckenwaffen ausgerüstet werden.

Unrealistischer Zeitraum

Mit den Booten will Australien ein Gegengewicht zu Peking bilden. Fragt sich nur, wann das geschehen soll. Genannt wurde ein Zeitraum von zehn Jahren. Dann soll das erste U-Boot übergeben werden. Das ist allerdings ein überaus sportlicher Wert, da allein die Entwicklung einer Roadmap 18 Monate dauern wird. Denkbar wäre der Zeitraum, wenn Australien einen bestehenden Typ mit geringfügigen Modifikationen übernehmen will. Sollte Australien jedoch ein eigenes Boot entwickeln und die eigene Industrie am Bau des Bootes beteiligen wollen, was zu erwarten ist, dürften zehn Jahre kaum zu halten sein.

Australien hat seit 2003 kein U-Boot gebaut und verfügt über keine Erfahrungen im Bau kleinerer Nuklearreaktoren. Es ist gut möglich, dass die Indienststellung der Boote dann ans Ende der 2030er-Jahre rutscht. Das gäbe Australien Zeit, eigene Kapazitäten aufzubauen und auch die Möglichkeit, die beträchtlichen Kosten auf einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Peking seine Marine aufbaut und modernisiert, dürfte das erhoffte Gegengewicht dann auch erst sehr spät zum Tragen kommen.


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