Consumer Electronics Show Das Comeback der Qualitätsfirmen


Auf der Consumer Electronics Show gehört das Feld den Markenherstellern: Die Grundausstattung für das Heimkino der nächsten Generation kommt zurzeit noch von den Großen der Branche, die neue Technik wie Full-HD und Blu-ray im Griff haben. Außerdem soll alles, wirklich alles drahtlos vernetzt werden.
Von Dirk Liedtke, Las Vegas

Mein erster DVD-Player war eine chinesische Billigbox für 49 Euro, mein erster Blu-ray-Player wird bestimmt ein vielfach teureres Markengerät werden. Auch mein erster Flachfernseher, den ich mir bislang noch verkniffen habe, wird von einem namhaften Hersteller sein. Denn die Unterhaltungs-High-Tech-Messe CES in Las Vegas hat ein neues Qualitätsbewusstsein eingeläutet: Im HD-Zeitalter, wo Camcorder in Fernsehqualität aufnehmen und die HD-Filmscheibe Blu-ray ebenfalls Filme in Full HD enthält, wird sich niemand mehr, der es sich irgendwie leisten kann, Unterhaltungselektronik bei Penny oder Aldi vom Stapel angeln. Denn das digitale Heimkino, dessen Komponenten mit der inoffiziellen Krönung von Blu-ray zum DVD-Nachfolger jetzt erstmals alle beisammen sind, erfordert Technik vom Feinsten, und die gibt es nicht zum Discount-Preis.

Der Präsident des japanischen Herstellers Panasonic, Toshihiro Sakamoto, malte in seiner Präsentation die Vision des digitalen Lagerfeuers im HD-Zeitalter aus. Als eine Art Ursula von der Leyen aus dem Media Markt präsentierte sich der eloquente Manager: "Wir wollen die Familien wieder zusammenbringen." Natürlich nicht, um Scrabble zu spielen, sondern um sich vor die Panasonic-Monsterglotze zu pflanzen. Einige Musterfamilien irgendwo in den USA und eine Surfer-WG im kalifornischen San Diego waren kostenlos von dem Konzern ausstaffiert und zu Stars in Doku-Kurzfilmen erkoren worden, die auf der CES Premiere hatten: Die Papas filmten und fotografierten ihre Kinder beim Sport. Auf dem großen Plasmafernseher liefen dann der digitale Diaabend und die private Sportschau - bequemerweise ohne Verdunkelung und damit ohne die Gefahr, dass jemand einnickt. Die Botschaft war klar: Das digitale Lagerfeuer sei ein Magnet für Freunde, Kinder und Eltern. Selbst ein "Tatort" soll auf einem großen Breitfernseher zu einem optisch und akustisch intensiven Erlebnis werden, wenn die AV-Anlage den Dolby-Raumklang in Sessel und Sofas bläst.

Sakamoto kündigte für nächstes Jahr einen HD-Camcorder an, bei dem die selbst gedrehten Filme drahtlos vom Speicher auf den Fernseher oder den Festplattenrekorder übertragen werden. Sony zeigte einen ähnlichen Prototyp. Obwohl die Hersteller an einem Standard für die drahtlose Übertragung von HD-Video arbeiten, steht eins zu befürchten: Ohne Hakeleien werden die Accessoires des digitalen Lagerfeuers wohl nur funktionieren, wenn sie von demselben Hersteller stammen. Die Grenzen des "vernetzten Lebens" könnten dann zwischen verschiedenen Firmen verlaufen. Monopoly im Wohnzimmer.

Langsam weniger Kabel

Aber die gute Nachricht überwiegt: Kabel werden in den nächsten Jahren langsam aus den Wohnzimmern verschwinden. So wie das Notebook sich per Funk mit dem Internet verbindet, werden sich auch AV-Anlagen, Videorekorder, Fernseher, Camcorder und digitale Fotokameras untereinander Fotos, Musik und Videos zuschieben. Und in ein paar Jahren lassen sich alle diese Geräte von einem vernetzten Navi fernsteuern, während man im Stau steht. Auch das zeigte Panasonic als Vision.

Die Idee, das Web auf den Fernseher zu bringen, hatten in den letzten Jahren schon viele Firmen - ohne Erfolg. Über einen Umweg geschieht bei neuen Panasonic-Fernsehern genau das: Durch eine Kooperation mit der Google-Tochter Youtube lassen sich Videos mit der Fernbedienung suchen und abspielen. Eine als Prototyp vorgestellte Digitalkamera mit WLan-Zugang schickt Bilder von einem Hotspot aus direkt in ein Picasa-Web-Fotoalbum. So geht das Web als kostenlose Videothek und Fotogalerie mit der Glotze doch noch eine fruchtbare Beziehung ein. Man darf gar nicht drüber nachdenken, wie viele Youtube-Clips man sich vom Krankenbett aus oder an einem verregneten Tag so als Video-Snacks reinziehen könnte.

TV hört auf Fingerschnippen

Das gerade ein Jahr alte iPhone mit seiner intuitiven Bedienung per Gesten und Fingerschnippen hat auch die Entwickler von Fernsehern inspiriert. So zeigten unter anderem Panasonic und Toshiba Modelle mit entsprechenden Fähigkeiten. Da kann die Fernbedienung ruhig in der Sofaritze bleiben.

Eigentlich ist es schade, dass die CES nur Profis besuchen dürfen. Denn sie ist Cebit, Ifa und ein bisschen IAA in einem. Das verbindende Element ist das Internet. Auch wenn die meisten Menschen noch nicht einmal mit ihrem Handy online gehen, scheint der Trend unaufhaltsam: Navisysteme im Auto, Set-Top-Boxen für Digital-TV, Fernseher und Kameras - alle digitalen Geräten werden früher oder später mit dem Internet Verbindung halten. Und solange sie uns so mit aktuellen Verkehrsinfos Staus umfahren, Filme in bester Qualität herunter- und Digitalbilder aus der Kamera ins Netz hochladen lassen für die Internet-Diashow im Wohnzimmer - und wenn es sich dann auch einfach bedienen lässt: Wer könnte da widerstehen?


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