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Innovativ und geheimnisvoll: Staubsauger waren nur der Anfang: Was Dyson und Apple gemeinsam haben

Die Firma Dyson ist bekannt für beutellose Staubsauger und Lufterfrischer. Doch in den Geheimlabors forschen die Ingenieure an neuer Technik - unter anderem an der Batterie der Zukunft.

James Dyson zeigt den neu-designten Fön

James Dyson zeigt den neu-designten Fön

Staubsaugen war Ende der Siebziger keine angenehme Tätigkeit. Die Sauger waren nicht nur laut, mit zunehmendem Füllstand der Beutel nahm ihre Leistung auch immer weiter ab. Das ärgerte nicht nur Millionen Männer und Frauen, sondern auch den Unternehmer und Erfinder James Dyson. Unablässig arbeitete der Brite, Jahrgang 1947, deshalb an einem neuen, beutellosen Staubsauger, zur Finanzierung nahm er eine Hypothek auf und plünderte all seine Ersparnisse.

5127 Prototypen später hatte er schließlich den Code geknackt: 1983 baute er den ersten beutellosen Staubsauger. Mit Hilfe kleiner Wirbelwinde (Cyclone-Technologie) machte er den miefigen Beutel obsolet. Und weil der Brite auch Designer ist und ein Auge fürs Detail hat, sah der Dyson-Sauger auch noch schick aus. Das erste Modell, der G-Force, landete im selben Jahr auf der Titelseite des Design Magazine. Der Ritterschlag für einen Haushaltshelfer.

Dyson setzt auf wenige Produkte

James Dyson zähmte mit seinem revolutionären Sauger nicht nur den Staub, sondern auch die übermächtig wirkende Konkurrenz. Die teuren Sauger wurden zum heiß begehrten Statusobjekt, in Deutschland sind sie die Nummer drei im Staubsaugermarkt. Im Premiumbereich (Geräte über 300 Euro) sind sie mit einem Marktanteil von 82 Prozent deutlich die Nummer eins.

Doch der Brite ruhte sich nicht auf dem Erfolg aus, sondern blieb umtriebig: Es folgten Handtrockner, Ventilatoren, Luftreiniger, im vergangenen Jahr nahm Dyson mit einem runderneuerten Fön den Beautymarkt ins Visier. Auch im Markt der Staubsaugerroboter mischt das Unternehmen seit wenigen Monaten mit.

Wie viel Aufwand in der Entwicklung der Geräte steckt, hat die "New York Times" in einem lesenswerten Artikel ("Dyson Is the Apple of Appliances (and Just as Secretive)") aufgeschrieben. Allein am Dyson 360 Eye - dem erstem Staubsaugerroboter der Firma - tüftelten die Ingenieure demnach fast 20 Jahre. "Manchmal habe ich mich gefragt, worauf ich mich hier eigentlich eingelassen habe", sagte Michael Aldred, einer der verantwortlichen Entwickler, im Gespräch mit der US-Zeitung. "Aber James Dyson sagte uns immer wieder, dass wir uns auf das Produkt fokussieren müssen. Alles andere würde sich schon ergeben." Er sollte Recht behalten: Obwohl der Dyson 360 Eye um die 1000 Euro kostet, weit mehr als Konkurrenzmodelle, verkauft er sich der "New York Times" zufolge wie geschnitten Brot.

"Apple und Dyson haben viel richtig gemacht"

Eine jahrzehntelange Entwicklung, die Dutzende von Millionen verschlingt, können sich nicht viele Unternehmen leisten - zumal die Firma immer noch in privater Hand ist. Das Erfolgsrezept ist die konsequente Fokussierung auf das Premiumsegment, glaubt der Tech-Berater Tim Bajarin. "Es ist extrem schwer, Geld zu verdienen, wenn man nicht im Premiumsegment aktiv ist. Das haben Apple und Dyson richtig gemacht - am besten zu sein, wenn es darum geht, Technologie und Design zu verschmelzen."

Dyson beschäftigt mittlerweile weltweit 8500 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von fast drei Milliarden Euro. 14,5 Prozent des Gewinns fließt jährlich in Forschung und Entwicklung. Das ist auch nötig, denn das Geschäft verändert sich rasend schnell. Vor fünf Jahren waren kabelgebundene Staubsauger für 85 Prozent der Einnahmen von Dyson verantwortlich. Heute stammen 80 Prozent aus neuen Produkten.

So kommen Sie mit dem Staubsauger in die hintersten Ecken

Erfindet Dyson den Akku der Zukunft?

Dabei waren nicht alle Projekte der Briten ein Erfolg. Ende 2000 stellten sie eine Waschmaschine vor, die mehr als doppelt so viel wie vergleichbare Konkurrenzmodelle kostete. Fünf Jahre später zog man den Stecker, in dem hart umkämpften Markt konnte das Unternehmen keinen Fuß fassen. Der Prototyp stehe immer noch ungeliebt im Korridor der Forschungsabteilung, schreibt die "New York Times".

Der größte Hoffnungsträger des Unternehmens sind Produkte ohne Glamour - Batterien. Mehr als zwei Milliarden Dollar sollen in Akku-Technologie, Machine Learning und andere High-Tech-Entwicklungen investiert werden. Die Forschungsabteilung arbeitet unter ebenso strenger Geheimhaltung wie die bei Apple in Cupertino. "Wir wollen immer noch in neue Märkte vordringen, wo sich andere Firmen schon breitgemacht haben", sagt Jake Dyson, der älteste Sohn des Erfinders. Er wird eines Tages vermutlich das Zepter übernehmen. Den nötigen Biss hat er: "Wir haben keine Angst und werden versuchen, sie zu schlagen."

2015 übernahm Dyson das Start-up Sakti3, das an einer Batterie arbeitet, die dreimal leistungsfähiger und trotzdem deutlich sicherer ist als herkömmliche Batterien, die heute in unseren Smartphones stecken. Experten bezweifeln, dass die Technik jemals außerhalb des Labors funktionieren wird. Doch Dyson ist zuversichtlich, die Wunder-Akkus zur Marktreife zu bringen. Ob die Technik besser ist als andere Akkus, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, wird sich zeigen.

Und auch Roboter sind ein Thema im britischen Malmesbury, dem Firmensitz von Dyson. Die Technik des Dyson 360 Eye wird hier weiterentwickelt und mit Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen angereichert. Es scheint, als wäre der Saugroboter nur der Anfang gewesen.